Mittwoch, 28. September 2016

Umstellung


Es hat ein paar Wochen gedauert, aber so langsam habe ich das Gefühl, dass sich mein Körper umgestellt und an den Rhythmus angepasst hat. Ich bekommen nicht mehr 1-2 Stunden vor jeder Mahlzeit Hungerattacken und auch der Wecker reißt mich morgens nicht mehr aus tiefstem Tiefschlag. Alles passt sich nach und nach den Uhrzeiten im Kloster an, und an dem ein oder anderen Tag bin ich schon eine Minute vor dem Wecker aufgewacht.
Es ist schön zu spüren, dass mein Körper meinen Geist und mein Empfinden einholt und jetzt auch ganz angekommen ist.

Sonntag, 25. September 2016

Klosterküken

Nicht solche 'Pseudos' wie ich - sondern richtige echte Klosterküken sind vor ein paar Tagen bei uns geschlüpft. Momentan wachsen und gedeihen sie in unserem Heizungsraum und fiepsen dabei oft so laut, dass es über den ganzen Refektoriumsgang schallt. Wenn sie dann groß genug sind, kommen sie raus zu unseren anderen Hühnern, die uns mit frischen Eiern versorgen.
Als ich vor Jahren damit anfing unter diesem Pseudonym zu bloggen, hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages wirkliche Klosterküken sehen würde. Und nicht nur das - gestern und heute durfte ich sie mit frischem Wasser versorgen und ihren weichen Flaum fühlen.
Das Leben ist und bleibt ein Wunder!

Drei der fünf Küken, die zur Zeit in unserem Kloster wohnen

Freitag, 23. September 2016

Culpa

Vielen ist sie völlig fremd. Aber ich finde es schön, dass unsere Oberin ganz behutsam versucht sie wieder einzuführen: die Culpa. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war sie in allen Klöstern verbreitet, danach wurde sie vielerorts abgeschafft. Dabei schenkt sie die Möglichkeit sich in einem würdigen Rahmen bei der Gemeinschaft zu entschuldigen. Dabei geht es nicht darum Sünden zu bekennen - das ist der Beichte vorbehalten. Vielmehr geht es darum einige Begebenheiten anzusprechen, bei denen man die anderen gestört oder der Gemeinschaft geschadet hat. Es wird nicht erklärt, begründet, nach Rechtfertigungen gesucht und diskutiert. Es wird einfach nur benannt und um Verzeihung gebeten. Alle unterstellen dabei jedem die besten Absichten und es wird allen neu bewusst, dass jeder Fehler macht, dass es dem anderen leid tut, was er getan hat und dass man sich nicht so darüber aufregen muss. Es tut der Atmosphäre und dem Untereinander gut.
Heute war nun meine erste richtige Culpa. Da die Menschen dazu neigen unterschiedlich zu sein, wurde festgelegt, dass jeder drei Dinge sagen soll.
Wofür ich um Verzeihung bat? Dafür in der Messe die falsche Lesung vorgelesen zu haben, dafür ein Glas zerbrochen zu haben und dafür gestern den Beginn der Messe und die Terz verschlafen zu haben.
Mal sehen, was sich im Laufe der nächsten Woche so ansammeln wird, und ob es wirklich nie vorkommt, dass einem nicht wirklich etwas einfallen will...

Donnerstag, 22. September 2016

Geduld

Es fällt mir schwer. Das Abwarten. Geduldig zu bleiben. Die Zeit nicht acht Wochen vordrehen zu können. Ich will dazugehören. So richtig. Mit allem, was dazu gehört. Ich will den Habit tragen dürfen. Morgens dran denken müssen den Schleier aufzusetzen. Ich will gebunden sein durch die Profess. Ich will Nonne sein. Innerlich und äußerlich.
Aber alles "ich will" muss ich loslassen. Mich überlassen. Dem Willen Gottes und der Oberen folgen. Und was sind schon acht Wochen?
Mein Innerstes schreit: Eine Ewigkeit!

Sonntag, 18. September 2016

Miteinander schweigen

gemeinsam schweigen - zusammen hinhören
In der ersten Woche hier habe ich das Buch "Weil du Gott bist - Hinführung zum Inneren Gebet" von Henri Caffarel gelesen. Ein wirklich gutes kleines Büchlein, das mir geholfen hat mich ganz auf Gott auszurichten. An einer Stelle - schon relativ am Ende des Buches - zitiert er aus einem Brief von jemanden, der über eine Bekanntschaft schrieb: "Wir kennen uns noch nicht gut. Wir haben es noch nicht gewagt miteinander zu schweigen."
Es gibt das unangenehme Schweigen, das entsteht, wenn man jemanden nicht gut kennt und nicht weiß, was man sagen soll, oder wenn man so sehr im Streit mit jemandem liegt, dass keiner mehr ein Wort sagen will. Aber es gibt auch das vertraute und intime Schweigen, von dem in jenem Brief die Rede ist. Ein Schweigen, in dem man sich ohne Worte versteht.
Ich finde es sehr schön, dass es im Kloster Orte und Zeiten gibt, in denen wir miteinander schweigen. Wir schweigen in der Kirche, während dem Essen, während der Arbeit, nach der Komplet. Ein Schweigen, das im inneren Gespräch mit Gott die anderen Anwesenden liebend umfängt.

Samstag, 17. September 2016

Seife ohne Ende

Meine ersten guten Seifen
Die Mitschwestern waren in den letzten beiden Wochen so produktiv in ihrer Herstellung von Lavendelsäckchen für den Klostermarkt in Walkenried, dass ich mich anstecken ließ. Schon lange hatte ich mich mit dem Gedanken getragen das Seifemachen mal auszuprobieren. Für die ersten Versuche und auf die Schnelle bestellte ich mir Glycerin-Seife zum Schmelzen und goss sie in Eiswürfelformen, die ich zu dem Zweck schon vor über einem Jahr gekauft und bisher nie genutzt hatte. Der erste Versuch war nicht zufriedenstellend, was den Geruch anging, der nächste Versuch hatte ein inakzeptable Farbe. So wurde drei Tage nach der ersten Bestellung eine weitere Bestellung aufgegeben und kurz darauf wurden Farben, Düfte und neue Formen geliefert.
Seither gibt es schöne Ergebnisse und mir kommen immer mehr Ideen. Mittlerweile ist die dritte Bestellung binnen einer Woche unterwegs und ich bin sehr gespannt, wie die Leute am nächsten Wochenende meine Seifen finden werden.
Der nächste Schritt, auf den ich mich schon freue, wird dann sein, die Seife selbst zu sieden, um richtige Naturseifen machen zu können.

Heute gegossene Engelsseife

Freitag, 16. September 2016

Mechthild von Magdeburg

Transparente Mechthildstatue in Magdeburg
Vor ein paar Tagen war eine junge Finnin hier, die erklärte, dass sie eine Dissertation über christlichen Tanz im Mittelalter schreibe. Da sie unter anderem über Mechthild von Magdeburg schreiben wolle, war sie auf der Suche nach Dokumenten und Schriften.
Originaldokumente haben wir hier natürlich nicht, nachdem an dieser Stelle über Jahrhunderte nur Ruinen standen, aber einige Schriften über die drei heiligen Frauen haben sich dann doch angesammelt. Als ich im Zuge der Recherche für die junge Frau begann in einer Arbeit über Mechthild querzulesen, sprangen mir wunderschöne Sätze ins Auge, die ich heute - anlässlich des Festes der seligen Mechthild von Magdeburg - mit euch teilen will:

"Der Heilige Geist ist ein Minnesänger, der Gott und Mensch zur Sprache der Liebe lockt. Er lässt die Saiten der Minne erklingen und lockt ihre tanzende Harmonie hervor. Er spielt der Dreifaltigkeit zum Tanz auf und singt das Lied der Schöpfung. [...]
Der Minnesänger spielt so lange auf, bis die Seele ihren Ton findet und ihren eigenen Gesang anstimmt, bis sie nicht mehr verstimmt ist und aus ihrem Verstummen erwacht. Er spielt auf zum Tanz und schlägt die Harfen des Himmels, damit der Kosmos von Leben durchflossen wird. Die Seele lebt begeistert auf im Wort, das sich in ihrem Mund formt. Hier verbinden sich Gottheit und Menschheit, und die Seele gewinnt göttliches Leben."

"Und wenn Mechthild den Heiligen Geist als Minnesänger bezeichnet, meint sie nicht, dass jemand mit einer Leier in den Wolken sitzt. Vielmehr besingt sie eine Lebensmacht, die ihr in der Dunkelheit des Verstummens das Wort erhellt und dem Leben eine neue Richtung gibt. Ihre Rede vom heiligen Geist überwindet die Gefahr tödlicher Resigation, die im Verstummen liegt. Sie macht sich einer neuen Sprache auf die Spur, ihrer Sprache der Gottesminne, damit die erleuchtende Macht der Liebe zum Leben in den zermürbenden Konflikten des Alltags die Oberhand gewinnt und das Wort spricht, das die Niedergeschlagenen aufrichtet." (aus: Verschwiegene Gottesrede - Die Mystik der Begine Mechthild von Magdeburg, von Hildegund Keul)