Samstag, 3. Dezember 2016

Spring!


Wir stehen an einem Abgrund und du sagst zu mir: "Spring! Wir sehen uns dann unten". Und ich sage: "Aber der Sprung wird mich zerstören". Und du entgegnest: "Glaubst du denn nicht, dass dir im Fallen Flügel wachsen werden?" Nein. Das glaube ich nicht. Und wenn ich das Vertrauen auf die unterwegs wachsenden Flügel in mir nicht finden kann und nicht zu tun, was du sagst keine Option für mich ist und du bei deinem "Spring!" bleibst, dann habe ich keine andere Wahl, als mir vor dem Sprung einen Gleitschirm umzuschnallen. Dieser wird mich davor bewahren beim Aufprall zu Zerschellen. Aber er wird mich auch weit von dir forttragen, denn ich bin keine gute Fliegerin.

Freitag, 2. Dezember 2016

Ich habe Angst


Angst davor, dass meine Seele daran zerbricht. Erst in Brocken, dann zu Bröseln und schließlich zu Staub, der vom kleinsten Windhauch davon geweht wird.
Aber wahrscheinlich zeugt diese Angst nur von meinem mangelhaften Gottvertrauen. Ich habe immer gedacht, dass ER meine Seele heil bewahren wird. Die tiefen Risse, die sie nun in den letzten Monaten bekommen hat, haben dieses Vertrauen stark erschüttert.
Vielleicht war es falsch zu erwarten, dass ER meine Seele beschützt. Vielleicht muss ich neu lernen IHM zu vertrauen - darauf zu vertrauen, dass ER alle Risse und Brüche, die ER zulässt eines Tages heilen wird.

Mittwoch, 30. November 2016

Liebe kostet

Man könnte sagen: "Du bist ja selber schuld. Was musst du auch so viele Gefühle investieren. Warum müssen dir Beziehungen auch so wichtig sein? Warum bist du nicht einfach bei deinem Berufswunsch aus Abizeiten (egal - hauptsache es hat nichts mit Menschen zu tun) geblieben? Warum baust du nicht einfach eine dicke Mauer um dein Herz und schützt es so vor allen Gefühlen? Vor allen Verletzungen und Enttäuschungen?"
Und manchmal frage ich mich das selbst. Aber ich will nicht, dass das eine echte Option für mich wird. Das darf nicht meine Lösung sein. Ich will kein eingemauertes, verhärtetes und verbittertes Herz. Auch wenn das manchmal als der einfachere Weg erscheint.
Ich will lieben. Auch um den Preis von Verletzungen und Enttäuschungen. Ich nehme sie in Kauf. Aber immer wieder muss ich feststellen, dass das ein verdammt hoher Preis ist. Es kostet - es kostet mich viel bei dieser Entscheidung zu bleiben.

Was hilft mir ganz praktisch bei der Umsetzung? Ich weiß nicht, ob es irgendwelche allgemeingültige Rezepte gibt, oder ob man jedes Mal, wenn man "zur Kasse gebeten" wird neue Taschen im Umhang der Liebe entdecken muss, aus denen man das nötige Kleingeld - die nötige Kraft - schöpfen kann.
Zwei Taschen, die ich bei mir in den letzten Tagen und Monaten entdeckt habe, möchte ich gerne mit euch teilen.

Einmal war ich gerade dabei mich in meinem Schmerz zu suhlen und meinen Rachegelüsten nachzuhängen. Ich überlegte, was ich der betreffenden Person alles fieses an den Kopf werfen könnte oder wie ich es ihr mit Reaktionen, die ihre Handlungsweise spiegeln, heimzahlen könnte. Ich litt wegen ihr - also sollte sollte auch sie leiden. In diesen Gedankenstrom hinein fiel mir plötzlich ein Bibelvers ein: "Mein ist die Rache, spricht der Herr." Das saß. Es dauerte einen Moment, aber dann konnte ich mithilfe dieses Satzes meine Rachegelüste loslassen. Ich sah ein, dass es nichts bringt, mich auf das gleiche Niveau hinabzubegeben und Gleiches mit Gleichem zu begleichen. Wenn mir Unrecht angetan wurde, dann wird ER für Gerechtigkeit sorgen. Ich aber soll der Person gegenüber weiterhin freundlich und zugewandt sein.

Das zweite Mal war der Preis mindestens 100 Größenordnungen höher. Der Schmerz schier unermesslich und scheinbar nie wieder nachlassend. In diesem Schmerz half mir die Tasche mit der Rache Gottes nicht im Geringsten. Es tat einfach viel zu sehr weh, als dass ich meine Wut einfach so hätte loslassen können. Sehr viel länger musste ich diesmal meinen Umhang abklopfen und als ich eigentlich schon nicht mehr daran glaubte, dass ich den Preis diesmal würde zahlen können, als ich kurz davor war, von meiner Entscheidung zu lassen und doch die Tür zu meinen Gefühlen fest zu verschließen, da erhielt ich plötzlich eine Antwort auf die Frage: "Warum sollte ich diesen Schmerz ertragen?" Sie lautete: " Weil die Liebe diesen Schmerz lieber selbst erträgt, als zu sehen, wie der Geliebte diesen Schmerz aushalten muss." Und die Antwort auf die Frage warum ich eine Person, die mir so weh tut, noch lieben sollte, wusste ich leider schon vorher die Antwort: "Weil sie geliebtes Kind Gottes ist." Und ich will mehr und mehr versuchen alle Menschen mit Gottes liebendem Blick anzuschauen. Ohne Ausnahme. Das bedeutet auch jenen Liebe zu schenken, mit denen ich nicht befreundet bin - ja, mit denen ich mir in 100 Jahren keine Freundschaft vorstellen könnte.

Ich muss ganz ehrlich sagen: auch wenn es mir damit gelingt das Ganze theoretisch zu akzeptieren, es dann wirklich in der Realität und mit meinem ganzen Sein anzunehmen ist etwas völlig anderes. Es tut weh. Und selbst wenn ich vom Kopf her sage: "Aus Liebe zu jener Person, bin ich dazu bereit den Preis zu zahlen." bin ich mir noch nicht sicher, ob mein Herz das wirklich aushält. Ich weiß nicht, ob in der Tasche, die ich da entdeckt habe, wirklich genug Kraft drin ist.

Montag, 28. November 2016

Liliengleich

In der Zeit vor meiner Profess habe ich in dem Buch Exercitia spiritualia (geistliche Übungen) von Gertrud von Helfta gelesen. Am Tag selbst dann insbesondere im vierten Exercitium, das überschrieben ist mit "Profess der Seele vor Gott". Darin finden sich wunderschöne Gebetsworte, von denen ich hier einige wiedergeben möchte:

"Jesus, guter Hirte: mach, dass ich höre und erkenne deine Stimme, die mich wegruft von allem, was hindernd mich fernhält von dir. In deinen Arm hebe mich auf. [...]
Siehe, ich trete hin zu dir, o verzehrendes Feuer, mein Gott. In der feurigen Gewalt deiner Liebe verschlingst du mich kleines Staubkorn: verzehre mich bis aufs Innerste und sauge mich hinein in dich.
Siehe, ich trete hin zu dir, mein Licht. Lass dein Angesicht aufleuchten über mir, dass meine Finsternis werde wie heller Mittag in deiner Gegenwart. [...]
In den Abgrund inniger Liebe bin ich geworfen: versenke mich vollends darin!  [...] in dir, oh mein wahres Leben, mache mich neu. [...]
O komm, edle Liebe: ich bin nur ein unedler Halm; doch durch dich, durch deinen blühenden Anblick, bin ich der Lilie gleich."

Sonntag, 27. November 2016

wie konnte ich nur?

... jemals vergessen wie schön der Advent im Kloster ist. Gestern mit der ersten Vesper des ersten Advents fing er an. Plötzlich sind es andere Antiphonen die wir zu den Psalmen singen. Sie haben einen anderen Charakter und gleich ist die ganze Stimmung irgendwie anders.
Und dann vor dem Abendessen im dunklen Refektorium bei Kerzenschein "Rorate caeli" singen - zum Dahinschmelzen. Der Advent ist eine wunderschöne Zeit und es ist schade, dass er draußen meistens untergeht. Unter normalem Alltag, unter Vorweihnachtsstress mit Weihnachtseinkäufen, Weihnachtsmärkten, Weihnachtsdeko und Weihnachtsmusik aus allen Lautsprechern. Da geht er unter - der eigentliche Advent. Der Advent der stillen und hoffnungsvollen Erwartung. Der Advent der leisen Töne und tiefen Sehnsüchte. Der Advent, der noch nicht Weihnachten ist. Der noch karg und trocken - aber schon von Kerzen erhellt ist.
Ich liebe ihn. Diesen Advent im Kloster. Und ich wünsche euch, dass ihr beim Anzünden eures Adventskranzes etwas davon erspürt. Möge der Herr euren Advent segnen und eure Sehnsucht nach Ihm stärken.


Samstag, 26. November 2016

wieder dabei

Ja, ich bin wieder dabei. Damit meine ich nicht nur, dass ich wieder richtiges Ordensmitglied bin, sondern auch, dass ich nach einer Woche im Bett nun wieder überall dabei bin. Endlich wieder mit am Chor, mit im Refektor - einfach überall dabei. So schön.
Apropos schön - auch meine Profess vor einer knappen Woche war schön. Sie war zwar echt schnell vorbei, aber mein Gast hat es recht gut in Worte gepackt: "Es war nüchtern und doch ergreifend."
Ich habe mich also festgelegt. Für drei Jahre gebunden. Bin ich jetzt festgelegt? Festgebunden? Gefesselt? Unfrei?
Nein. Ich bin enger verbunden mit der Gemeinschaft. Tiefer verwurzelt im Kloster. Mehr zu Hause.
Eine Schwester aus einem anderen Haus hat mir einen Brief geschrieben und ich habe mich riesig über einen Satz gefreut: "Du bist wieder heim gekommen."
Ich bin wieder da - dabei - da-heim.
Und dafür DAnke ich von ganzem Herzen!

Samstag, 19. November 2016

Für drei Jahre

Binde ich mich morgen an dieses Haus, diese Gemeinschaft, diese Lebensweise. Ich lege Profess ab. Wie vor fünf Jahren am 20.11. - dem Fest Christkönig. ER ist noch immer mein König. Mein Bräutigam. Mein geliebter Herr und Gott. Ich weihe Ihm mein Leben und schenke Ihm alles, was ich bin und habe. Denn Er hat sich mir zuerst geschenkt. Er hat mich von Ewigkeit her geliebt und sich mir hingegeben.
Ich freue mich auf die drei Jahre, die vor mir liegen und bin gespannt, was sie alles für mich bereithalten.
Das Leben mit und für Ihn ist einfach so schön!