Mittwoch, 21. November 2012

Was für ein Jahr!

Das Christkönigsfest ist zwar dieses Jahr erst später und kommt erst noch, aber gestern war vom Datum her meine Profess genau ein Jahr her.
Mein erster Professtag (obwohl - so richtig gefeiert wird natürlich erst am Sonntag). Ich bin wirklich noch so ein Küken. Ein totaler Frischling im Kloster.
Aber wenn ich jetzt zurückdenke an meine Profess, an die Feier, an meine Gäste - den ganzen Tag, dann habe ich das Gefühl, dass er schon Ewigkeiten her ist. Ein Jahr ist ja eigentlich nicht viel, aber dieses Jahr war irgendwie enorm lang. Nicht in dem Sinne, dass ich da gesessen hätte und darauf gewartet hätte, dass es endlich vorbeigeht, sondern vielmehr in dem Sinn, dass unheimlich viel los war. Ich hatte ungefähr alle drei Monate einen völlig anderen Alltag und auch innerlich, in meinen Einstellungen und Plänen hat sich sehr viel getan.
Ich bin äußerlich (über Köln, Südtirol und Rom) und innerlich gereist und stehe heute an einem ganz anderen "Ort" (nicht wörtlich), als vor einem Jahr.
Nach diesem Jahr bin ich gespannt auf das nächste (mein Profess hatte ich für zwei Jahre abgelegt), denn es scheint mir nicht weniger spannend und abwechslungsreich zu werden und ich habe keine Ahnung, wo ich dann in einem Jahr stehe und wie ich mich dann entscheiden werde.

Sonntag, 18. November 2012

Wochenend-Nonne?!

Wann ist man eigentlich eine Nonne? Wenn man in einem Kloster lebt? Wenn man eingekleidet wurde? Wenn man (ewige) Profess abgelegt hat? Wenn man in einer Gemeinschaft lebt, arbeitet, betet und isst? Wenn man täglich das Stundengebet betet?
Irgendwie sieht mein Leben im Moment so aus, dass ich ein richtiges "Nonnenleben" nur am Wochenende führe. Unter der Woche besteht meine Aufgabe darin zu studieren. Und das bedeutet in diesem Semester, dass ich praktisch jeden Tag aus dem Haus muss, wenn meine Mitschwestern die Laudes beten und erst wiederkomme, wenn sie in der Komplet sind. Ich schlafe im Kloster - aber das ist dann auch schon so ziemlich alles.
Natürlich bin ich trotzdem auch während der Woche eine Nonne - meine Identität geht ja dadurch nicht verloren, aber es fehlt doch ein wichtiger Teil des klösterlichen Lebens - die Gemeinschaft. Ich bete alleine, ich esse alleine, ich bin den ganzen Tag außer Haus.
Der einzige Lichtblick dabei ist die Gewissheit, dass diese Phase in ein paar Monaten vorbei sein wird.

Samstag, 17. November 2012

Zielmotivation

Ich vermute mal, dass irgendwer Schlaues das irgendwann mal gesagt hat - ich habe jedenfalls das Gefühl den Satz irgendwo schon mal gehört zu haben, aber in den letzten Wochen habe ich mehr und mehr seine Wahrheit erlebt:
"Wenn du ein Motivationsproblem hast, dann hast du wahrscheinlich ein Zielproblem."
Und zwar habe ich es in der positiven Richtung erlebt. Ich habe jetzt ein Ziel und plötzlich kein Motivationsproblem mehr. Es beeindruckt mich, wie sehr ein Ziel, eine Vision, ein Traum, Kräfte freisetzen und Freude hervorrufen kann.
Das Projekt "Ich" - es läuft nur, weil es die Vorstufe zu einem Nachfolgeprojekt ist, weil es einem höheren Ziel dient.
Und so habe ich seit einigen Wochen eine nie gekannt Selbstdisziplin. Von Natur aus bin ich Langschläfer, Chaot und Faulpelz. Irgendwie gibt mir mein Ziel die Motivation morgens früher aus dem Bett zu kommen, in meiner Zelle Ordnung zu halten und meine Aufgaben schneller zu erledigen.
Meine Empfehlung: Findet die Vision für euer Leben!

Freitag, 16. November 2012

Das Projekt Ich

Bei meiner letzten Beichte sagte mir mein Beichtvater einen wichtigen Satz. Er meinte mein Projekt sei jetzt erstmal ich. Bevor ich Pläne schmieden könne anderen etwas beizubringen, was ich selbst noch nicht gelernt hätte, müsste ich an mir arbeiten. So befinde ich mich also gerade in der Projektphase "Ich".
Eine erste Lektion, die ich in dieser Phase lernen muss(te) ist Geduld. Dabei stelle ich fest, dass sie nichts ist, was man einmal gelernt hat und dann einfach kann oder weiß. Geduld ist etwas, das man immer wieder neu in neuen Situationen und Kontexten lernen und anwenden muss. Das macht es schwierig, aber auch spannend.
Und es ist nur einer von vielen Punkten in meinem Projekt...