Sonntag, 27. Oktober 2013

Der Weg zurück ins 'normale' Leben

Ich gehe ihn, diesen Weg und blicke nicht groß zurück. Oder wie Paulus sagte: Ich strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. (Phil 3,13) Ich freue mich ehrlich auf all das, was vor mir ist.
Dennoch: das Wort, das Vieles im Moment am Besten beschreibt ist: komisch. Es ist komisch in zivil das Haus zu verlassen. Trotz voller Montur fühle ich mich dabei irgendwie nackt. Der Gedanke, dass ich bald nicht mehr 'mittendrin' bin, im Kloster, ist komisch. Nach Jahren in der Klausur, darf ich dann plötzlich nicht mehr rein.
Aber aus allen 'komisch' wird wohl sehr schnell ein 'normal' werden.
Dann ist es wieder normal, dass mich alle mit meinem Taufnamen ansprechen.
Dann ist es wieder normal, dass ich nicht mehrmals am Tag in der Kirche bin.
Es ist ein Abschied mit vielen kleinen Schritt jetzt und einem gewaltigen Schritt übermorgen. Heute war ich das letzte Mal in einer Rekreation. Gestern habe ich das erste Mal mit meiner eigenen Kreditkarte (die ich am Tag zuvor bekommen hatte) etwas eingekauft und war nach knapp vier Jahren mal wieder beim Friseur.
Und in vierzig Stunden sitze ich Zug. Eine von vielen. Und fahre in ein ganz neues Leben. An Orte, an denen ich noch nie war. Und obwohl es Quatsch ist, werde ich das Gefühl haben, dass mich alle komisch anschauen, weil ich gerade das Klosterleben verlassen habe...

Samstag, 19. Oktober 2013

Ich habe mich entschieden.

Ich gehe. Meine Profess endet in wenigen Wochen und ich werde sie nicht verlängern. Ich steige aus dem Ordensleben aus und ins Berufsleben ein.
Nachdem ich diese Entscheidung vor drei Wochen getroffen habe, war einiges zu erledigen. Gespräche führen, Konto eröffnen, Bewerbungen schreiben, Bleibe suchen, Krankenkassenfrage klären und anderes mehr.
Manche werden sich vielleicht fragen, ob das jetzt nicht ein bisschen schnell ging. Ob ich mir das auch gut überlegt und es durchbetet habe. Und ich muss zugeben, dass die Entscheidung auch für mich schnell und irgendwie überraschend kam. Ich habe nicht das Gefühl sie gründlichst durchdacht und durchbetet zu haben, aber die Entscheidung war da und ich wusste einfach, dass sie richtig ist. Es drängt mich aufzubrechen und etwas anderes zu tun. An neuen Herausforderungen zu wachsen und zu reifen, um dann in einigen Jahren neu zu überlegen wo mein Platz ist.
Bin ich also bindungsunfähig und wankelmütig? Vielleicht. Aber in allem weiß ich mich geborgen in Gottes Hand. Das ist mein Weg mit IHM, der immer mein König, Bruder und geliebter Bräutigam bleiben wird.
Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die ich im Kloster verbringen durfte und würde sie gegen nichts tauschen. Es gibt vieles, was ich sehr vermissen werde, aber es gibt auch vieles, auf das ich mich jetzt freue, und ich weiß, dass ich eine Menge "mitnehme", was mir auf meinem weiteren Weg helfen wird.
Allen, die an meinem Weg bisher Anteil genommen haben möchte ich von Herzen danken.
Gott segne euch alle!

Montag, 14. Oktober 2013

Weiterleitung

Ich möchte euch einladen mal in diesen Blog reinzuschauen: http://salome-barefoot.blogspot.de/
Barefoot ... und darum gehe ich ins Kloster. Ich kann nicht anders, als ihn zu lieben.

Samstag, 21. September 2013

Der Blick Jesu

Gestern ist mir in zwei Texten der Blick Jesu begegnet und beide Texte haben mich sehr berührt. Das erste war am Morgen die Kapitelansprache unseres Generalabtes. Hier ein Ausschnitt dieser Ansprache:

"Die wahre christliche Schönheit ist nicht die, welche man anschaut,  welche die Blicke auf sich zieht, sondern die, welche schaut, die auf alle und alles den selbstlosen Blick Gottes ausstrahlt, der in jeder Person ein von Gott und für Gott geschaffenes Herz sieht, ein Herz, das Schmerz und Freude empfindet und sich immer danach sehnt zu lieben und geliebt zu werden.
(...) Wie ich schon gesagt habe, besteht die christliche und monastische Schönheit nicht im Gesehenwerden, sondern im Sehen, im Schauen. Wie die Schönheit Jesu. Keines der Evangelien sagt uns etwas über seine Augenfarbe, ob er blond oder braun war, und auch nicht, ob er besonders schön gewesen ist. Vielleicht war er klein und dick und hatte vorstehende Zähne. 
Aber die Evangelien sprechen dauernd vom Blick Jesu, von der Art, wie er die Menschen ansah. Das war es, was an ihm Eindruck machte, das war seine Schönheit. 
Auch am Kreuz, wo man ihn nicht mehr ansehen mochte, weil er so entstellt und geschunden war, wie Jesaja schreibt (vgl. Jes 52,14; 53,23), hatte er noch einen liebenden Blick für den reumütigen Schächer, für Maria, Johannes, für den römischen Hauptmann und die Menge, die ihn verhöhnte."

Später am Tag las ich das Interview mit Papst Franziskus. Das ganze Interview ist absolut lesenswert und man kann nicht anders, als Franziskus dankbar zu sein für diese Worte. Aber ganz besonders berührt haben mich auch hier die Worte, die vom Blick Jesu sprechen:

,Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.‘ Und er wiederholt: „Ich bin einer, der vom Herrn angeschaut wird. Meinen Wahlspruch Miserando atque eligendo habe ich immer als sehr zutreffend für mich empfunden.“
Der Wahlspruch des Papstes stammt aus den Homilien des heiligen Beda Venerabilis, der in seinem Kommentar zur Episode der Berufung des heiligen Matthäus schreibt: „Jesus sah einen Zöllner, und als er ihn liebevoll anblickte und erwählte, sagte er zu ihm: Folge mir!“

Freitag, 20. September 2013

Die Angst vor dem Fortschritt

Er öffnete sich total und erzählte mir mit Tränen in den Augen:
"... und als diese Versuchung kam, dachte ich daran, dass wenn ich stark bin, eine andere kommen würde, die noch schlimmer ist und bekam Angst - also fing ich an, mit dem Feuer zu spielen ..."

Plötzlich wurde mir bewusst, dass auch andere diese Angst vor dem geistlichen Fortschritt kennen. Immer wieder hören wir, dass die Versuchungen häufiger und heftiger kommen, wenn man auf dem geistlichen Weg voranschreitet - dass der Weg immer schwerer wird. Das macht Angst und man meint mehr als im Moment kann man unmöglich ertragen, also begeht man lieber gleich eine Sünde...

Wenn wir dagegen Sport betreiben, dann wissen wir genauso, dass es mit jedem Sieg schwieriger wird. Wir wissen, wenn wir die Kreismeisterschaft gewinnen, dann wird der Kampf auf der Landesmeisterschaft härter. Und trotzdem geben wir nicht gleich auf. Je härter der Wettkampf wird, desto mehr regt sich unser Ehrgeiz. Wir trainieren und bereiten uns vor und tun was wir können, um bis zur Weltmeisterschaft zu kommen.

Aber wenn wir hören, dass nach einer bestandenen Prüfung im geistlichen Leben eine schwierigere kommt, dann bekommen wir Angst und treten im schlimmsten Fall ein paar Schritte zurück.

Ich glaube, dass es zwei Dinge gibt, die uns dabei helfen können diese Angst vor dem Fortschritt zu überwinden.
Das erste ist das Leben im hic et nunc. Also nur das hier und jetzt vor Augen. Jesus sagt uns: "Sorgt euch nicht um morgen, denn jeder Tag hat genug eigene Plage." Ich muss also nur für heute stark sein. Nur heute widerstehen und nicht daran denken, was danach kommen könnte. Mir jeden Morgen neu vornehmen: "Nur heute das Richtige tun."
Das zweite ist das Vertrauen. Die Heilige Schrift sagt uns, dass wir nicht über unsere Kraft hinaus versucht werden. Wenn wir aus Angst vor Fortschritten Rückschritte machen, dann drücken wir damit unser Misstrauen Jesus gegenüber aus. Wir zeigen Ihm, dass wir besser wissen als Er, was die richtige Geschwindigkeit für uns ist, und dass wir Ihm nicht glauben, dass Er uns die nötige Kraft gibt für das, was kommt.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem geistlichen und dem sportlichen Kampf. Der Schlüssel ist die Aussage des Heiligen Paulus, der sagt: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir." Im geistlichen Kampf sind wir nicht um so stärker, je mehr wir trainiert haben und je besser wir selbst sind, sondern wir sind jeweils so stark, wie wir Jesus in uns Raum geben, damit nicht wir, sondern Er für uns kämpft. Fortschritte im geistlichen Leben machen heißt immer mehr sagen zu können: "Nicht mehr ich kämpfe, sondern Christus kämpft in mir." Und je mehr das wahr ist, desto häufiger und heftiger können die Versuchungen werden, ohne uns etwas anzuhaben, den Christus siegt immer.
Deshalb brauche ich keine Angst zu haben.
 Hier und jetzt darf ich immer IHM vertrauen.

Donnerstag, 19. September 2013

Gott liebt die Jugend

Die Lesung der heutigen Messe ging mir durch und durch. Ich hatte gestern erst einen Traum und dann ein Gespräch in denen ich mich jeweils zu jung, zu unerfahren und irgendwie überfordert gefühlt habe. Und dann beginnt die Lesung heute mit den Worten:

"Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen."

Da war er - einer dieser Momente, in denen man genau weiß, dass Gott selbst diese Worte spricht und zwar direkt und nur für mich. Es geht nicht anders, als die ganze Lesung gebannt zu verfolgen und jedes Wort tief ins Herz einsinken zu lassen. 

"Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit."

Ich? Den anderen ein Vorbild? Wo doch die anderen hier schon so viel länger dabei sind, soviel mehr Erfahrung haben, mehr Lebens- und mehr Klosterjahre hinter sich haben, als ich. Ein Vorbild in meinem Lebenswandel -- da hat wohl jemand zugeguckt die letzten Wochen. In den ersten Wochen hier war mein Lebenswandel alles andere als vorbildlich. Erst seit einigen Tagen ist es besser. Vor allem gestern war eigentlich ein guter Tag und jetzt werde ich durch die Lesung schon zum zweiten Mal darin ermutigt so weiterzumachen. Gestern schon hat jemand hier zu mir gesagt: "Du bist heute schön. Irgendwie viel schöner, als an den anderen Tagen." Tja, unser Körper zeigt eben auf seine Weise den anderen was wir denken und tun. Er ist Ausdruck unserer Seele.

"Lies ihnen eifrig aus der Schrift vor, ermahne und belehre sie, bis ich komme."

Andere ermahnen und belehren. Ihnen Ratschläge geben. Das ist genau das, wofür ich mich gestern nicht bereit gefühlt habe. Und jetzt? Die Aufforderung genau das zu tun. Ich fühle mich erinnert an all die Beispiele in der Heiligen Schrift, in denen sich jemand nicht bereit, nicht befähigt und nicht alt genug fühlte etwas Bestimmtes zu tun, aber Gott es trotzdem verlangte und die nötige Kraft und Hilfe dazu gab. Ein Mose, der meint nicht gut genug reden zu können. Ein Jeremia, der bei seiner Berufung einwendet: "Ich bin noch zu jung". 
Irgendwie ist es ein Charakteristikum, dass Gott die Jugend erwählt. Bei Jakob und Esau wird der Jüngere der Erbe und aus ihm erwächst das Volk Israel. Bei seinen zwölf Söhnen ist es der jüngste, der auserwählt ist am Ende die ganze Familie vor dem Untergang zu retten. David wurde von Samuel zum König gesalbt, obwohl er der jüngste seiner Geschwister war. Gott liebt und erwählt die Jugend. Die Kleinen und Schwachen.

"Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten.
Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden."

In  der Gnade leben, die mir verliehen wurde. Das heißt schonmal, dass mir überhaupt Gnade verliehen wurde. Dass Gott mich gesegnet hat. Und es heißt auch, dass ich keine Angst vor Fortschritten haben darf - aber dazu kommt noch ein eigener Post...

Und den Abschluss der Lesung bildete der folgende Satz:

"Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören."

Puh! Das sind starke Worte! Das ist eine enorme Verheißung und gibt Zuversicht. Auch ich - obwohl ich so jung bin - kann anderen helfen. Ihnen helfen im geistlichen Leben zu wachsen und ihre Beziehung zu Gott zu vertiefen.
Überhaupt - die Beziehung zu Gott zu vertiefen, das war gestern bei dem Gespräch das Wichtigste für mich. Dass ich nicht versuche irgendwie meinem Gegenüber meine Meinung überzustülpen, sondern dass ich vor allem und in allem seine Beziehung zu Gott respektiere.
Denn im Grunde ist es Gott, der uns führt und lehrt - das, was wir füreinander tun können, ist uns gegenseitig die Augen für diese Wahrheit zu öffnen. 
 
 

Samstag, 14. September 2013

Der Friede sei mit dir!

Ich habe Freude daran Sprachen zu lernen und dieser Kurs hier in Rom ist dazu immer eine ausgezeichnete Gelegenheit, da die Teilnehmer aus allen Ecken der Welt zusammenkommen. Da kann man zumindest ein paar Brocken in den verschiedensten Sprachen aufschnappen.
In der hiesigen Kirche ist mein Platz dieses Jahr zwischen einer Vietnamesin und einer Ungarin und eines Tages beschloss ich den Friedensgruß nicht mehr in irgendeiner Sprache zu geben, die die andere vielleicht versteht, sondern zu lernen, wie man es in ihrer Muttersprache sagt. Dann kam mir die Idee den Friedensgruß in allen Sprachen zusammenzutragen, die hier vertreten sind. Die Liste, die dabei entstand umfasst immerhin 14 Sprachen (und das bei 48 Teilnehmern). Ich bin gespannt, ob ihr sie alle erkennt - manche sind etwas schwierig, da sie eigentlich eine andere Schrift haben. Wenn ihr den Friedensgruß noch in einer anderen Sprache kennt, dann dürft ihr gerne ergänzen!


La pace sia con te. 
Vrede zij met jou.  
Chúc binh an.  
   La paix du Christ.
Pokòj z Tobą.    
Selam le anich/anite yihun.  
Peace be with you.  
Paqja qofte me ty.  
Samadanam ninode kude.  
La paz sea contigo.  
Béke veled.  
Pokoj s Tebou.  
A paz esteja contigo.  
Der Friede sei mit Dir.

Freitag, 13. September 2013

Friedenswache auf dem Petersplatz

Blick auf die betende Menschenmenge auf dem Petersplatz
Es war ein echtes Erlebnis. Wir waren schon anderthalb Stunden vor Einlass an den "Schleusen" zum Petersplatz und konnten so tatsächlich Stühle in den allerersten Reihen ergattern. Also fast direkt vor uns der Papst und rund 100.000 Menschen hinter uns. Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten konnten wir noch rund zwei Stunden lang das Panorama des Petersdomes bei Sonnenuntergang genießen, bevor dann endlich die vierstündige Vigil begann. Es war ein außerordentliches Gefühl bei dieser Gebetswache, die überall rund um den Globus begangen wurde, mitten im Herzen der katholischen Kirche zu sein. Und ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten, wie still es in einer solch großen Menschenmenge sein kann. Es war ein intensives Gebet für den Frieden. Gut vorbereitet - mit schönen Texten, Lieder, Gebeten und Gesten und ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte.

Donnerstag, 5. September 2013

Ein Brief aus Syrien

Seit März 2005 gibt es in Syrien eine kleine trappistische Gründung. Die Schwestern, die dort leben und mit den Menschen leiden haben einen Brief geschrieben, den ich hier in Auszügen zitieren will. Mögen diese Worte viele zu inständigem Gebet für Frieden ermutigen!

Heute fehlen uns die Worte. Es bleiben uns allein die Worte des Psalmisten, die das Stundengebet uns in diesen Tagen in den Mund legt. […]
Wir schauen auf die Leute um uns herum, unsere Arbeiter, die alle irgendwie in der Luft hängen. Sie sind fassungslos: „Sie haben entschieden uns anzugreifen.“ Heute sind wir nach Tartus gegangen. Wir spürten die Wut, die Hilflosigkeit, die Unfähigkeit all dem einen Sinn zu geben. Die Menschen geben ihr Bestes ganz normal weiterzuleben und zu arbeiten. Man sieht Bauern, die gießen, Eltern, die Hefte für die Schule kaufen, die bald beginnt, unwissende Kinder, die nach Spielzeug oder Eis fragen. Man sieht die Armen – so viele von ihnen – die versuchen ein paar Münzen zusammenzukratzen. Die Straßen sind voll von 'inneren' Flüchtlingen. Sie kommen aus allen Teilen des Landes in die einzige Gegend, in der man noch einigermaßen leben kann... Man sieht die Schönheit dieser Berge, das Lächeln auf den Gesichtern, den freundlichen Blick des Jungen, der in die Armee eintritt und uns als Zeichen der Verbundenheit ein paar Kleinigkeiten gibt, die er in der Tasche hat.
Und dann erinnerst du dich daran, dass sie entschieden haben uns morgen zu bombardieren. Einfach so. Weil 'es Zeit ist etwas zu tun', wie es von den wichtigen Männern ausgedrückt wird, die morgen an ihrem Tee nippen werden und im Fernsehen beobachten werden, wie effektiv ihre humanitäre Intervention ist. [...]
Die Menschen schauen gebannt auf den Fernseher und lauschen: alles auf was sie warten ist ein Wort von Obama!
Ein Wort von Obama? Wird der Friedensnobelpreisträger uns mit Krieg bestrafen? Ungeachtet aller Gerechtigkeit, entgegen jedem gesunden Menschenverstand, aller Barmherzigkeit, Demut und Klugheit?
Der Papst hat seine Stimme erhoben, die Patriarchen und Bischöfen haben sich geäußert, unzählige Zeugen haben gesprochen, Analysten und Leute mit Erfahrung und selbst die Regierungsgegner haben ihre Stimme erhoben. Und doch sind wir alle hier und warten – warten nur auf ein Wort des großen Obama? Doch nicht er ist 'der Große', es ist der Böse selbst, der sich in diesen Tagen wirklich aufspielt.
Das Problem ist, dass es so leicht wurde Lügen als noble Gesten, rücksichtslose Eigeninteressen als Suche nach Gerechtigkeit und das Bedürfnis stark zu erscheinen und Macht auszuüben als 'moralische Verpflichtung nicht wegzuschauen' zu verkaufen.
Und trotz aller Globalisierung und den vielfältigen Informationsquellen scheint es, als könne nichts überprüft werden. Es scheint, als gäbe es nicht das kleinste Stückchen Wahrheit. Das heißt, dass sie nicht wollen, dass es Wahrheit gibt, obwohl die Wahrheit in Wirklichkeit existiert und jeder, der ehrlich ist, könnte sie finden. Wenn sie sie nur gemeinsam suchen würden. Wenn sie nicht abgehalten werden würden von jenen, die in den Diensten anderer Interessen stehen.
Es ist etwas faul. Furchtbar faul. Und das Schlimme daran ist, dass die Folgen all dessen auf dem Rücken eines ganzes Volkes ausgetragen werden. Sie zeigen sich im Blut, das unsere Straßen, unsere Augen und unsere Herzen tränkt.
Was nutzen da noch Worte? Alles wurde zerstört. Eine zerstörte Nation, Generationen junger Menschen ausgelöscht, Kinder wachsen Waffen gebrauchend auf, Frauen bleiben allein zurück und werden Opfer vielfältiger Formen von Gewalt. Familien, Traditionen, Häuser, religiöse Gebäude, Monumente die von Geschichte erzählen und sie bewahren – die Wurzeln eines Volkes .. alles zerstört.
Als Christen können wir wenigstens all das der Barmherzigkeit Gottes aufopfern - es vereinen mit dem Blut Christi, das die Erlösung der Welt in allen verwirklicht, die leiden.
Sie versuchen die Hoffnung zu vernichten, aber wir müssen mit all unserer Kraft an ihr festhalten.
All jene, die ein Herz für Syrien (für die Menschheit, für die Wahrheit,...) haben, bitten wir um Geet – überfließendes, von Herzen kommendes, mutiges Gebet.

Trappistinnen von Azeir, Syrien.
29. August 2013

Samstag, 31. August 2013

Meine Schuld

Es war ganz interessant. Ich habe einen der hier anwesenden Patres gebeten mir die Beichte abzunehmen. Und er hat nach meinem Sündenbekenntnis etwas gesagt, das mir sehr gut getan hat. Es war etwa folgendes:
"Es ist allein deine Schuld. Du musst das wieder gut machen. Die Umstände haben es zwar vielleicht erschwert das Richtige zu tun, aber deine Handlungen liegen deiner Verantwortung."
Wie schnell und leicht sind wir doch meistens damit damit uns irgendwie herauszureden. Ich habe zwar das und das getan, aber es war ja auch so, dass... und so weiter. Und oft habe ich auch in Beichten dann vom Priester Dinge der Art: "Das ist doch in der Situation ganz verständlich", oder "Unter den Umständen ist das normal" und so weiter gehört. Es mag sein, dass es manchmal richtig ist das zu sagen. Wir müssen keine Skrupulanten werden. Aber in dieser Woche war es für mich gut zu hören: "Das ist deine Schuld. Du trägst die Verantwortung."
Denn das hieß insbesondere: "Es liegt in deiner Hand. Geh und mach es jetzt besser."
Es hilft mir sehr dabei, es jetzt besser zu machen.

Donnerstag, 29. August 2013

Was mir fehlt

Einige Studenten des Corso di Formazione Monastica 2013
Eigentlich könnte man meinen, dass mir nichts fehlt - dass ich alles habe, was ich brauche. Ich bin in Rom - einer wunderschönen Stadt - gemeinsam mit unglaublich netten jungen Ordensleuten aus dem ganzen Erdkreis und habe die Gelegenheit interessante Dinge zu lernen. Unser Kurs zur monastischen Weiterbildung hat am Montag begonnen und so sitzen wir jetzt Tag für Tag und Stunde um Stunde in unserem Vorlesungssaal (Bild von http://cisterciensia.blogspot.de) und lauschen den Professoren. In den ersten Tagen haben wir schon viel über die Geschichte des Ordens, über die Psalmen und ihre Auslegung und Verwendung in der Liturgie und über mittelalterliche Briefe, insbesondere die von Bernhard von Clairvaux gelernt. Was könnte mir da also fehlen?
Ich bin wirklich dankbar, dass ich hier sein darf - keine Frage - aber das, was mir fehlt ist der Alltag. Ich liebe den wohltuenden und tiefgehenden Alltag des monastischen Lebens. Und hier ist einfach vieles anders. Wir haben weniger und kürzere gemeinsame Gebetszeiten, beim Mittagessen wird immer gesprochen und man weiß, dass man nur für einige Wochen und nicht für viele Jahre miteinander lebt. Nach den Uni-Prüfungen, dem Umzug und dem "gerade-erst-angekommen-sein" sehne ich mich jetzt mehr nach stinknormalem Alltag, als nach weiterer wissenschaftlicher "Fütterung". Aber ich weiß ja, dass er kommen wird, und so genieße ich die Zeit, die ich hier verbringen darf und freue mich schon darauf wieder zurück nach Deutschland - zurück ins Kloster - zu kommen.

Montag, 26. August 2013

R.I.P.

 
In den letzten beiden Tagen haben mich vier Todesnachrichten erreicht. Und ich denke, dass dieses Wort des Heiligen Franziskus für alle vier sehr treffend ist. Sie waren in unterschiedlichen Lebenssituation, unterschiedlich vom Alter her, aber für sie alle war der Weg zuletzt mühsam. Mögen Sie eingegangen sein in das Reich des Lichtes und der ewigen Freude!

Freitag, 23. August 2013

ER ist da für mich.

Jesus und zwei Kinder in der Kirche S. Cecilia
Es gibt Plätze in Rom, die muss man als Tourist einfach besichtigen, es gibt Ansichten, die hat jeder schon gesehen. Aber neben den Hauptattraktionen gibt es viele weitere Kleinode zu entdecken. In der Kirche Santa Cecilia habe ich zum Beispiel kein Foto von der Statue der heiligen Cäcilia gemacht. Das Motiv ist so bekannt, es gibt unzählige Postkarten und Bilder davon, da muss ich nicht auch noch eins machen.
Aber ziemlich versteckt an einer Seitenwand über einer Grabplatte findet sich diese Jesusfigur. Wahrscheinlich gehen viele Touristen in diese Kirche rein und wieder raus, ohne sie überhaupt zu entdecken, oder weiter zu beachten, aber mich hat sie total berührt. Vor einem Jahr als ich sie entdeckte stand ich lange davor und sie war der Grund, warum ich dieses Jahr unbedingt wieder in diese Kirche wollte. Da ist der Junge, der so aussieht, als weint er und trocknet sich die Tränen mit dem Gewand Jesu. Über seinem Kopf schwebt beruhigend und segnend die Hand Jesu. Dieser Junge zeigt mir, wie ich in aller Trauer, jeder Verzweiflung und jedem Schmerz zu Jesus kommen kann. Zu seinen Füßen finde ich Trost.
Und dann dieses Mädchen! Es hängt sich geradezu an Jesus und will offensichtlich von ihm hochgehoben werden. Es steckt so viel Zutraulichkeit in dieser Bewegung. Und ganz sanft liegt seine Hand auf ihrem Kopf.
Mal bin ich mehr wie das Mädchen: begeistert und nach oben strebend. Und dann wieder mehr wie der Junge: traurig und niedergedrückt. Aber immer ist Jesus da für mich. ER ist der Fels, auf den ich baue.

Donnerstag, 22. August 2013

Geschmackssachen

Ob etwas gefällt oder nicht, ist bekanntlich Geschmackssache. Das gilt insbesondere für Kirchen. Der eine mag es lieber romanisch, der nächste barock, der nächste gotisch und wieder ein anderer lieber modern. In Rom findet man Kirchen aus ziemlich jeder Zeit in allen möglichen Variationen, da ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.
Aber bei der kleinen Tour am heutigen Nachmittag bin ich auf etwas gestoßen, von dem ich glaube, dass es wohl so ziemlich jeder geschmacklos findet. Man schaue sich mal dieses Foto an:
"Kerzenständer"
In manchen Kirchen finden sich vor jedem Seitenaltar, in jeder Nische, solche "Kerzenständer". Vorne ist ein Schlitz, in den man eine Münze einwerfen kann und sogleich geht in einer der Plastikkerzen ein elektisches Licht an. Mag sein, dass das praktischer ist, weil man keine Probleme mehr mit Ruß und Wachs hat, aber das ist doch einfach nur furchtbar, oder? So ein in Plastik gepacktes Elektro-Licht kann doch niemals eine echte brennende Kerze ersetzen!

Mittwoch, 21. August 2013

a Roma, a casa

Innnenhof unseres Generalats
Eigentlich fliege ich gerne. Aber heute war ich einfach nur froh, als wir endlich gelandet waren und wir dann sogar irgendwann aussteigen durften. Was Organisatorisches betrifft, ist Italien eben nicht Deutschland. Naja, es sei ihnen verziehen - sie haben dafür andere Stärken.
Heute hieß es also für mich mal wieder: "Benvenuti a Roma". Die Ewige Stadt hat mich wieder und ich bin in unserem Casa Generalizia. Zum dritten Mal und jedes Mal sehr gerne. Der Kurs beginnt erst am Montag und so ist es noch leer im Haus. Bei der Komplet heute Abend waren wir nur zu fünft, in wenigen Tagen werden wir dann über fünfzig sein.
Ich freue mich sehr darauf all die guten Bekannten vom letzten Jahr, meine lieben Mitschwestern und Mitbrüder aus der ganzen Welt wiederzusehen. Irgendwie ist es hier für mich schon so etwas wie ein zweites zu Hause.

Sonntag, 18. August 2013

Das neue Leben

Ihr habt es schon gemerkt, dass die Frequenz meiner Beiträge deutlich zurückgegangen ist. Ein dickes Entschuldigung an alle, die jeden Tag darauf warten. Das geht einfach nicht mehr.
Das Leben hier in meinem neuen Kloster ist in vielerlei Hinsicht anders, als das zuvor. Irgendwie habe ich viel weniger Zeit und insbesondere auch viel weniger das Bedürfnis Zeit am Computer zu verbringen. Ich genieße es sehr morgens früher aufzustehen, das Ruhegebet zu beten, das ich letztes Wochenende (kennen-)lernen durfte, in die noch dunkle, nur von einer Kerze matt erleuchtete Kirche zu gehen, nach einer Weile der Stille die Laudes mit meinen Mitschwestern zu singen, nach dem Frühstück in der Bibliothek die Lectio Divina zu halten, dann zur Messe zu gehen, um Gottes unglaubliche Nähe und Güte zu feiern und danach die Arbeitsaufträge für den Tag entgegenzunehmen. Der Tag ist meist bis zur Vesper gut mit Arbeit jeder Art gefüllt und dann ist wieder gemeinsames Programm bis zur Komplet. Und die Zeit nach der Komplet ist mir vor allem deshalb kostbarer geworden, weil ich jetzt sehr viel früher schlafen gehe.
Dieser Rhythmus und die für mich damit verbundene stärkere Ausrichtung auf Gott tun mir sehr gut.
Doch übermorgen werde ich schon wieder herausgerissen - es geht auf Reisen und für einige Wochen werde ich wieder einen völlig anderen Alltag haben.
Aber davon dann später mehr, wenn es soweit ist.

Ich hoffe, dass Ihr alle einen schönen und gesegneten 15. August hattet. Das Hochfest der Himmelfahrt Mariens ist in unserem Orden ja ein besonders hohes Fest und es wurde würdig begangen. Mit sehr gutem Essen zu Mittag und einer Lichterprozession mit der Gemeinde bei Sonnenuntergang.

Zum vor der Tür stehenden Bernhardsfest wird es sogar ein Grillen im Kloster geben. Da bin ich schon gespannt.

Mittwoch, 14. August 2013

Jeden Tag Braut

Hier ziehen wir mehrmals am Tag zum Chorgebet von ganz hinten durch den Mittelgang der Kirche zum Chorgestühl im Altarraum. Wir gehen prozessionaliter, also immer zwei und zwei. Da ich die Jüngste bin, gehe ich immer in der ersten Reihe. Vor mir also nur der leere Gang, links und rechts die gespannt wartenden Leute und neben mir jemanden, der mich begleitet, muss ich jedesmal an eine Hochzeit denken. An den Einzug der Braut. Und so fühle ich mich wie eine Braut, die zum Altar schreitet. Meinem göttlichen Bräutigam entgegen. Und das jeden Tag wieder aufs Neue.
Es ist erhebend und jedes Mal durchströmt mich dabei große Freude und tiefes Glück.
Übrigens finden an den Wochenenden hier häufig Hochzeiten statt und einmal als ich über das Gelände lief, an einer Hochzeitsgesellschaft vorbei und ziemlich in Eile, rief mir einer der Gäste zu: Sie kommen ja noch zu spät zu Ihrer Hochzeit! Ich fragte völlig verdutzt zurück: Zu meiner Hochzeit?
Bis heute weiß ich nicht, wie er das gemeint hat, aber immer mal wieder muss ich daran denken. Jesus erzählt ja auch das Gleichnis von den törichten Jungfrauen, die zu spät zur Hochzeit kommen und keinen Einlass mehr finden. Er warnt uns wachsam zu sein, da der Bräutigam zu einer Stunde kommt, da wir es nicht erwarten.
Ja, ich will Ihn wachend erwarten und weiß, dass Er mir darin schon zuvorkommt. Wo immer ich hinkomme - Er ist schon da. Mein ganzes Leben will ich auf Ihn ausrichten, denn ich bin eine Braut Christi.
Und das ist wunderbar.

Sonntag, 11. August 2013

losgelassen

Dieses Wochenende war ganz wichtig für mich. Ich durfte an einem Kurs teilnehmen, und uns wurde unter anderem erzählt, wie die Einheimischen in Afrika eine bestimmte Affenart fangen. Diese Affen lieben eine Frucht ganz besonders heiß und innig. Sie gieren regelrecht danach. Die Einheimischen, die darum wissen, präparieren leere Kokosnüsse. Sie machen Löcher in einer bestimmte Größe in die Nuss und geben von der Frucht hinein. Die so präparierten Fallen werden aufgehängt. Entfernen sich dann die Menschen und beobachten aus einiger Distanz das Geschehen, so sehen sie, wie die Affen langsam neugierig näher kommen, sich umschauen und wenn sie die Luft für rein halten, begeistert die Hand in die Kokosnuss stecken, um die Frucht herauszuholen. Allerdings sind die Löcher so gemacht, dass die Hände der Affen mit den Früchten darin nicht durchpassen. Ihre Hand - und damit sie - sind so lange gefangen, wie sie die Frucht festhalten. Sie müssten eigentlich nichts weiter tun, als die Frucht loslassen, und schon wären sie frei.
Aber sie wollen diese Frucht so unbedingt haben, dass selbst dann, wenn sich die Menschen nähern und die Gefahr immer größer wird, an der Frucht festgehalten wird.
Und genau so wie diesen Affen geht es uns auch oft. Wir wollen etwas so unbedingt haben, dass es uns regelrecht gefangen hält. Als ich die Geschichte hörte, da wurde mir plötzlich klar, dass ich in meinem Inneren eine Idee, einen Plan habe, an dem ich mich festklammere und der mich darin hindert frei zu sein und wirklich hier anzukommen. Ich betete zwar immer: "Herr, dein Wille geschehe. Mach mit mir, was dir gefällt!" Aber im Hinterkopf war dabei immer der Wunsch, dass am Ende der Wille Gottes das sein möge, was ich will. Ohne, dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre.
Als ich also die Geschichte der Affen hörte, da war mir klar, dass ich loslassen muss, dass ich die Hand öffnen muss und plötzlich war ich frei. Gelöst. Und konnte ankommen. Jetzt bin ich wirklich hier und kann mit einer ganz neuen Aufrichtigkeit beten "Herr, dein Wille geschehe." Obwohl ich schon vorher dachte ich würde die Hingabe leben, spüre ich jetzt, dass sie eine ganz neue Stufe erreicht hat.

Mittwoch, 7. August 2013

erste Etappe geschafft

Seit eineinhalb Wochen bin ich nun hier. Ich habe die erste Grippe und den ersten Besuch hinter mir. Wobei mich natürlich die Grippe weniger und dafür der Besuch umso mehr gefreut hat. Und mittlerweile hängt an meiner Tür ein Täfelchen mit meinem Namen. Ich bin also irgendwie schon hier zu Hause. Aber so anfühlen tut es sich noch immer nicht.
Immerhin merke ich, dass es mir gut tut hier zu sein. Die leicht andere Tagesordnung und vor allem das Zusammenleben mit deutlich weniger Schwestern sind eine Wohltat für mich. Auch wenn eine meiner Aufgaben in dieser Woche zunächst einmal ziemlichen Stress bedeutete. Ich habe in dieser Woche das Tischdienen und das gleich nach nur einer Woche zu übernehmen kam eigentlich einer Überforderung gleich. Aber jetzt, nachdem ich einige Tage überlebt habe, legt sich der Stress und die Anspannung dabei und es ist kein Problem mehr. Ab und zu wird man halt ins kalte Wasser geworfen und kann wieder mal an seine Grenzen und darüber hinaus gehen.

Dienstag, 30. Juli 2013

ankommen

ist eben doch mehr, als plötzlich körperlich an einem bestimmten Ort zu sein. Mehr als mit dem Fuß eine Schwelle zu überschreiten. Es braucht seine Zeit. Und so langsam fange ich an etwas aufzutauen. Die innere Starre beginnt sich zu lösen - wenn auch sehr langsam. Bis ich richtig angekommen sein werde, wird es noch eine ganze Weile dauern. Aber das macht nichts. Ich habe Zeit. Ich nehme mir die Zeit und lasse mir Zeit.
Wenigstens konnte ich diese Nacht zum ersten Mal hier durchschlafen. Die vergangenen Nächte machten mir die Stechmücken und die Hitze ganz schön zu schaffen. Jetzt hat es etwas abgekühlt und ich habe ein Fliegengitter vor dem Fenster. In einigen Tagen werde ich auch an meinem neuen Arbeitsplatz in der Klosterbibliothek Internetzugang haben und wenn ich es dann noch irgendwann geschafft haben sollte allem, was ich mitgebracht habe ein neues zu Hause zu geben, und eine aufgeräumte Zelle zu haben, dann werde ich wohl schon halb angekommen sein.
Ansonsten hilft mir, dass ich jetzt in die Arbeit mit eingebunden bin. Morgens bin ich in dieser Woche für das Spülen zuständig, am Vormittag arbeite ich an unserer Zeitschrift und am Nachmittag bin ich im Garten beschäftigt. So kann ich mir gut vorstellen, dass ich in ein bis zwei Wochen ganz da bin - pünktlich zu meiner Abreise nach Rom in drei Wochen...

Sonntag, 28. Juli 2013

Ein Übertritt ist anders...

...ganz anders, als ein Eintritt. Beim Übertritt in ein anderes Kloster gibt es keine überschwengliche Begeisterung, keine Euphorie, keine riesige Freude. Es ist kein neuer Lebensabschnitt, den man schon mit großer Spannung erwartet und ersehnt hat. Es steht nicht mehr die Frage im Raum, ob das Klosterleben das Richtige für einen ist. Und irrgendwie ist die ganze jugendliche Leichtigkeit dahin.
Bei meinem Klostereintritt hatte ich gerade eine Sache erfolgreich abgeschlossen (das Studium) und konnte frisch und frei in das Neue "hineinstürzen". Der Übertritt dagegen ist ein Neu-Anfangen, nachdem ein Lebensprojekt gescheitert ist. Ich trat ein, um zu bleiben. Und ich bin nicht geblieben. Ich habe die "Sache" (ein Leben lang in diesem Kloster zu bleiben) nicht erfolgreich abgeschlossen. Im Gegenteil - ich habe Hoffnungen enttäuscht und geliebte Menschen verletzt. Und keiner kann mir sagen, ob ich jetzt am richtigen Ort angekommen bin. Ich bin zwar innerlich sicher, dass es die richtige Entscheidung war zu gehen, aber ob es richtig war hierher zu gehen, das weiß ich nicht.
Es ist ein freudloser Neuanfang. Ich fühle mich wie betäubt. Ich bin hier, nehme am Leben teil, aber fühle nichts. Und ein Psalmvers steigt immer wieder in mir hoch:
"Meine Gefährten hast Du mir entfremdet, mein Vertrauter ist nur noch die Finsternis."
Ich nehme diese Finsternis in mir wahr und habe doch keine Angst - keine Zweifel an Gottes gütiger Gegenwart, die ich im Moment nicht spüre.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Abschied

Die Kisten und Koffer füllen sich und schon in zwei Tagen ist meine Abreise. Auf den Tag genau fünf Jahre nach meinem ersten Abschied von hier, nehme ich wieder Abschied. Damals nach drei Monaten Kloster auf Zeit und diesmal nach drei Jahren Mitschwester-Sein. Ich gehe mit gemischten Gefühlen. Da ist sowohl Vorfreude auf das, was vor mir liegt, als auch Wehmut.
Es ist schon merkwürdig von hier wegzugehen. Ich war mir doch so sicher vor einigen Jahren, dass ich meinen Platz im Leben gefunden habe. Dass dies hier genau das Richtige für mich ist. Es scheint mir, als könnte ich eine solche Sicherheit nie mehr erlangen, da ab jetzt, immer, wenn sich ein solches Gefühl einstellt, mein Verstand sagen wird: "Das war damals auch so, und dann war es doch nicht das Richtige."
Nach wirklich vielen Monaten gründlichen Überlegens und Betens ziehe ich nun um - von einem Kloster ins andere - von einer Gemeinschaft in die andere - von einem Bundesland ins andere - und ich weiß nicht, wie es wird.
Aber wie der Psalmist so schön sagt: "Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht."

Samstag, 20. Juli 2013

Schwester!

Eigentlich bin ich es ja schon gewohnt, dass mir die Leute Fragen stellen, auf die ich keine Antworten weiß. Man sieht mein Ordensgewand und denkt irgendwie ich müsste jede Straße und jeden Termin kennen. Aber gestern wurde ich von einer neuen ungerechtfertigen Kompetenzzuweisung ziemlich überrascht.
Ich habe eine Mitschwester im Krankenhaus besucht. Auf dem Gang kam mir eine Dame mit recht verzweifeltem Blick entgegen und fing sogleich an: "Schwester! Hier, da tut es weh..." Es ist zwar richtig, dass ich Schwester bin - aber Krankenschwester bin ich damit noch nicht automatisch. Tja, da hilft nur das freundliche Verweisen auf das richtige Personal.

Mittwoch, 17. Juli 2013

habitare secum

Dieses "In-Sich-Ruhen", das einem ermöglicht wirklich ganz daheim zu sein, bezeichnet die Tradition mit dem Begriff des habitare secum - bei sich selbst wohnen. Um bei mir selbst zu wohnen muss ich gerne und viel bei mir und mit mir allein sein. Ich muss allein sein können, ohne einsam zu sein. Wenn ich die Stille und das Alleinsein nicht ertrage und immer, sobald ich es bin, das Radio oder den Fernseher einschalte, um es nicht zu spüren, dann laufe ich vor mir selbst weg. Ich weigere mich, Zeit mit mir zu verbringen und mich so besser kennen zu lernen. Ich treibe einen Keil in mein Inneres und werde mir selbst fremd. Ich lenke mich ab und umgebe mich mit der Gesellschaft von realen und virtuellen Personen. Es ist soviel einfacher so.
Es kostet Überwindung und Einübung bei sich selbst zu wohnen. Denn wenn man nie zu Hause ist, dann ist die Wohnung zunächst wüst und leer. Es ist mühsame Arbeit sie zu reinigen und sich darin so einzurichten, dass man sich rundum wohl fühlt. (Und aufräumen war noch nie meine Stärke...)
Ich sehne mich nach diesem habitare secum und zugleich laufe ich immer wieder weg und mache für einige Tage oder Wochen "Urlaub" auswärts, sodass alles wieder chaotisch und verwüstet ist, wenn ich zu mir zurückkehre.

Sonntag, 14. Juli 2013

Was ist eigentlich Heimat?

irgendwie verloren in Bruchstücken...
Ist die Heimat die Gegend, in der man aufgewachsen ist? Was ist dann, wenn man schon als Kind immer wieder umgezogen und an ganz verschiedenen Orten gewohnt hat?
Ist meine Heimat dort, wo ich meinen Erstwohnsitz angemeldet habe? Dort, wo meine Liebsten wohnen?
Ich habe das Gefühl, als gäbe es mehrere Orte, die für mich Heimat sind - an denen ich mich heimisch fühle. Da ist die Heimat meiner Kindheit, meines Studiums, meines Ordenslebens... und gleichzeitig fühle ich mich irgendwie heimatlos. Wo gehöre ich hin?
Im Philipperbrief schreibt Paulus: "Unsere Heimat aber ist im Himmel." Kann ein Ort meine Heimat sein, an dem ich noch nie war?
Obwohl - vor einiger Zeit habe ich hier geschrieben, dass der Himmel in mir ist. Das heißt dann wohl auch, dass meine Heimat in mir ist. Wenn ich ganz bei mir und in mir in Ruhe bin, dann bin ich daheim. Und das geht an jedem Ort dieser Welt.
Wenn ich mich also heimatlos fühle, so ist dies vielleicht einfach ein deutlicher Hinweis darauf, dass ich gerade nicht in und bei mir bin, bzw. ruhe.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Darstellung des Todes des Heiligen Benedikts von Nursia in Monte Cassino

In dieser Woche stand für mich mittags immer Pfortendienst auf dem Programm. Ein Aufgabe, die ich gerne mache, auch wenn ich nicht, wie Benedikt es eigentlich verlangt, eine "weise ältere Schwester" bin (vgl RB 66). 
... Hm, ich lese gerade in diesem Kapitel der Regel den Satz: "So brauchen die Mönche nicht draußen herumlaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut." Etwas, das ich in weder im Verlauf des letzten Jahres, noch des vergangenen Tages besonders gut beherzigt habe. Heute kamen meine Eltern kurz zu Besuch und wir waren Spazieren. Es war sehr schön und ich hoffe mal, dass der Heilige Benedikt, dessen Hochfest wir heute gefeiert haben, mit einem Lächeln auf uns geschaut hat.
Mit meinem Räumen und Sortieren bin ich jetzt fast fertig. Ich habe praktisch den kompletten Inhalt all meine Schränke, Regale und Schubladen einmal auf den Kopf gestellt. Dabei fiel mir auch eine Geburtstagskarte einer Freundin in die Hände, in der das folgende Gebet von Hermann Orgaß steht (danke Gertie!):

Vater! In Deine Arme!
Du bist der Urgrund der Erde
Du bist die Fülle im Raum.
Wandernde Wolken und Sterne
sind deines Mantels nur Saum.
Nirgends entflieh ich Dir,
Überall Du!
Vater, aus Ewigkeit
Winkst Du mir zu.

Christus! In Dein Herz!
Du bist die Mitte der Seele
Du bist im Herzen der Strom.
Alles was atmet und lebet
Baut Dir den mystischen Dom.
Alle ein Leib in Dir,
Du bist das Herz.
Du aller Mensch Freud
Du aller Schmerz.

Heiliger Geist! Unter Deine Flügel!
Du bist der Winde Winde.
Du bist der Wärme Quell.
Du aller Geister Geist,
Du maches die Erde hell.
Alles was heilig ist,
Eint sich in Dir
Liebend in Deinem Glück
Enden auch wir.

Dienstag, 9. Juli 2013

Wühlen im eigenen Leben

Nachdem der Lebensabschnitt Studium vorüber ist, bin ich nun dabei alles, was ich in meiner Zelle habe, durchzuschauen. Ich sortiere alles, was ich noch brauche und sortiere aus, was ich nicht mehr brauche. Es ist erstaunlich, was sich in der kurzen Zeit von drei Jahren alles ansammelt und wie wenig man davon eigentlich braucht. Es hat auch etwas von einer spannenden Entdeckungsreise. Immer wieder stoße ich auf Dinge, die mich an etwas erinnern, an das ich schon länger nicht mehr gedacht habe.

Ich fand unter anderem eine der Einladungen zu meiner Einkleidung. Auf der Außenseite ist ein Bild vom Guten Hirten und auf der Innenseite steht der folgende Text:


Ich kann nicht alles,
Ich weiß nicht alles,
Ich verstehe nicht alles,
Ich bin nicht aus eigener Kraft.

Doch Gott, der Schöpfer aller Dinge,
kennt mich,
umsorgt mich,
trägt mich,
und führt mich an Quellen des Lebens.

Er ist der gute Hirte,
dem ich vertraue,
dem ich mich anvertraue.

Sonntag, 7. Juli 2013

Urlaub vorbei

Ich bin wieder zurück und der Urlaub ist vorbei. Schön war's und hier gibts noch ein paar Bilder zum Nachklingen...

So ein See fast vor der Haustür - was könnte man mehr für einen perfekten Urlaub wollen? Hinradeln, reinspringen und pünktlich zum Chorgebet wieder zurück sein - so geht Erholung!


Eine der Rosen im Klostergarten


Am Abend in der Laube in der Mitte des Labyrinths



ohne Worte



Donnerstag, 27. Juni 2013

Verlangen nach Weisheit

Vor einigen Tagen schenkte mir ein Miniaturschnitzer hier diese kleine Eule aus Schwarznüssen. Jetzt steht sie auf meinem Tisch und als Symbol für die Weisheit erinnert sie mich an die Worte aus dem Buch der Weisheit (6. Kapitel):

Verlangt also nach meinen Worten;
sehnt euch danach und ihr werdet gute Belehrung empfangen.
Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit;
wer sie liebt, erblickt sie schnell, 
und wer sie sucht, findet sie.
Denen, die nach ihr verlangen, gibt sie sich sogleich zu erkennen.
Wer sie am frühen Morgen sucht, braucht keine Mühe,
er findet sie vor seiner Türe sitzen. 
Über sie nachzusinnen ist vollkommene Klugheit
wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei. 
 Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind;
freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen
und kommt jenen entgegen, die an sie denken.
Ihr Anfang ist aufrichtiges Verlangen nach Bildung;
das eifrige Bemühen um Bildung aber ist Liebe. 
 Liebe ist Halten ihrer Gebote;
Erfüllen der Gebote sichert Unvergänglichkeit,
und Unvergänglichkeit bringt in Gottes Nähe.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Gebet



Ich habe gestern die Zeit genutzt, um ein wenig Ordnung in das Chaos der Dateien auf meinem Computer zu bringen. Dabei fiel mir das folgende Gebet "in die Hände". Ich hatte es für die Novene zur Vorbereitung meiner Profess gewählt und schon fast wieder vergessen, aber dazu ist es wirklich zu schön:

Ewiger Geist! Göttlicher Lebensquell!
Ewige Liebe zwischen dem ewigen Vater und dem ewigen Sohn!
Du bist auch der Wesensgrund der Liebe,
die mich mit dem Vater und dem Sohne eint,
der Lebensatem meiner Seele.
Sei, Heiliger Geist, ohne Unterlass gelobt und
gepriesen im Grund meiner Seele!
Dreieiniger, allheiliger Gott!
Lass mich dein lebendiger Tempel sein,
in dem jeder Gedanke, jedes Wort und jede Strebung
meines Seins dich lobt und preist in Ewigkeit.
Amen.

Dienstag, 25. Juni 2013

einfach nett

Bitte lächeln!
Gestern kam ich auf einem ausgedehnten Spaziergang an diesem Haus vorbei. Ist das nicht nett?
Dass ein Haus so glücklich aussehen kann...

Samstag, 22. Juni 2013

zur Mitte

auf einem Spaziergang entdeckt

Ich habe Zeit zu lesen, zu schlafen, zu beten, spazieren zu gehen, einfach die die Möglichkeit jede Minute zu genießen. Auf den Gelände gibt es ein wunderschön angelegtes Labyrinth. Nie zuvor habe ich es als so wohltuend empfunden in einem solchen Labrinth in langsamen Kreisen zur Mitte zu kommen. Ins Innerste. Ganz bei mir angekommen kann ich mich dort unter einem Laubdach geborgen fühlen.
Oder wie Gertrud die Große einmal sagte: Da spürte mein Herz, dass Du in mir angekommen warst. 
Es ist wirklich Gott, der hier wohnt und diesen Ort segnet. Und ich kann mich neu für Ihn öffnen.
Heute wird es mit 500 Besucherinnen hier etwas turbulenter werden, aber auch die Begegnungen und Gespräche mit den Gästen und Pilgern hier sind etwas Schönes und Bereicherndes.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Balsam für die Seele

Um neu Kraft zu schöpfen darf ich ein paar Wochen in einem befreundeten Kloster verbringen. Nachdem ich jetzt ein paar Tage hier bin spüre ich, wie wieder Friede in meinem Herzen einkehrt. Ich muss an nichts denken. Muss nichts entscheiden. Ich kann einfach hier sein - da sein - und den Augenblick leben. Dieser Ort strahlt so eine wohltuende Gelassenheit aus. Das ist wahrhaft Balsam für die Seele.

Freitag, 14. Juni 2013

Alterserscheinungen ...


... zeigen sich im Moment gehäuft an meinen Schleiern. Mir sind in den letzten zwei Wochen drei Schleier kaputt gegangen. Hier ein abgerissenes Band, dort ein Loch vom Bügel. Noch ist alles zu flicken und zu reparieren, aber irgendwie scheinen drei Jahre schon ein Alter für einen Schleier zu sein. Ein Alter, in dem es plötzlich losgeht mit den Gebrechen.
Unwillkürlich fragte ich mich dann, wenn drei Jahre für einen Schleier viel sind - wieviele Jahre sind dann für eine Nonne im Kloster viel? Die älteste Mitschwester in unserem Orden ist diese Woche verstorben. Sie wurde 105 Jahre alt und war 85 Jahre lang im Kloster. Das ist definitv viel.
Aber bestimmt nicht zu viel. Denn das Schöne ist ja, dass wir - im Gegensatz zu den Schleier - von Jahr zu Jahr weiter wachsen und reifen dürfen. Wir verlieren zwar sicher auch einiges, aber es ist eher wie bei den Diamanten, bei denen muss man auch manches wegschleifen, damit sie so richtig schön funkeln.

Dienstag, 11. Juni 2013

Lectio Divina


Lectio Divina - göttliche Lesung - Lesung des Wortes Gottes. Lesen Gottes. Eintauchen in das göttliche Geheimnis. Ein Lesen, anders als gewöhnliches Lesen. Ein Lesen begleitet und durchdrungen von Gebet. Nach meiner Erfahrung wichtig dabei ist ein äußerer Rahmen. Eine feste Zeit. Egal ob täglich zehn Minuten vor dem Schlafengehen oder eine Stunde nach dem Aufstehen oder eine halbe Stunde am Nachmittag - jeder muss seine Zeit finden. Dazu ein fester Ort und ein fester Ablauf. Was mir außerdem hilft ist ein Bibelleseplan. Eine gute Übersicht über verschiedene gibt es hier.
Wir haben jetzt im Noviziat angefangen die Lectio gemeinsam zu machen. Jeder still für sich, aber alle gleichzeitig im gleichen Raum. Überraschend war dabei für mich zu spüren, wie gut das der Gemeinschaft tut. Es scheint mir, als würde das Zugehen auf Gott eines jeden Einzelnen alle einander näher bringen, als gemeinsames Reden und Diskutieren.

Sonntag, 9. Juni 2013

weiter geht's

meine neue und meine alte Brille

Mit einem neuen Netzteil kann mein Rechner wieder treue Dienste leisten.
Mit einer neuen Brille habe ich wieder neu den Durchblick.
Mit allen Prüfungen hinter mir kann ich wieder neu entspannt durchatmen.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Keine Studentin mehr. Keine Prüfungen mehr.
Wie die Zukunft aussieht? Ich habe keinen blassen Schimmer. Aber wer weiß schon, was morgen kommt?
Jetzt ist jedenfalls erstmal Erholung angesagt!

Mittwoch, 1. Mai 2013

Pause

Der nächste Tag war tatsächlich besser. Aber trotzdem muss ich jetzt erstmal Abschied nehmen. Mein Computer liegt im Koma und mein Laptop-Notbehelf ist kein Ersatz. Irgendwie ist der kaputte Computer auch ein Zeichen von oben, das mir sagt, dass ich mich jetzt erstmal auf meine Prüfungen konzentrieren soll...
Also genießt den wunderschönen Mai und dankt unserer lieben Gottesmutter, dass sie uns stets an der Hand hält und uns schützend begleitet!

Montag, 29. April 2013

nicht so mein Tag

Also heute war echt der Wurm drin; wie man so schön sagt. Heute Früh passierte etwas, das ich ich bisher noch nicht erlebt habe und auf das ich nicht gefasst war: Mein Computer ließ sich nicht einschalten! Auf Knopfdruck leuchtete er kurz und auf, gab ein kleines Summen von sich, nur um dann wieder in Schweigen und Dunkelheit zu versinken. Kein Stromkabel rausziehen und kein noch so häufiges oder langes Knopfdrücken konnten daran etwas ändern. Irgendein Bauteil hat über Nacht den Geist aufgegeben.
Ich stand noch so unter Schock in der Laudes, dass mein Hirn beim Vorsingen des Invitatoriums irgendwie aussetzte, sodass das Halleluja am Schluss nicht rauskam und die versammelte Gemeinschaft durcheinander gebracht wurde. Und das war nicht der letzte Patzer - ein klein wenig später stimmte ich übereifrig einen Psalm an, bevor die Antiphon gebetet war. Es war mühsam sich auf das Gebet zu konzentrieren und das ist nicht gerade gut, wenn man mit Chordienst dran ist...
Schon vor zwei Tagen war ich bei einem Chorgebet binnen weniger Sekunden, in denen sich der Konvent erhob, so in Gedanken versunken, dass ich vergass das "Ehre sei dem Vater" zu sprechen, bis es mir von der Seite zugeflüstert wurde.
Eine Mitschwester meinte dann heute zu mir: "Morgen wirds wieder besser!"
Und ich hoffe, dass sie recht hat.

Sonntag, 28. April 2013

nicht lieben können wie verlangt

Das heutige Evangelium schließt mit dem Satz: "Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt." (Joh 13,35)
Das ist also nach Jesu Auffassung DAS Erkennungsmerkmal Seiner Nachfolger - die Liebe zueinander. Doch scheint mir, dass das Maß in welchem hier die Liebe von mir gefordert wird, meine Möglichkeiten weit übersteigt. Jesus sagt nicht nur: "Liebt einander!" (Joh 13,34) - Er sagt: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Mt 22,39)
Und sogar diese mir schon unmögliche Aufforderung übertrifft Er noch, wenn Er noch weiter geht und sagt: "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe." (Joh 13,34) Diese Liebe, die Jesus zu Seinen Jüngern hatte ist zeitlos und sie gilt in gleichem Maße jedem Menschen, so dass ich Seine Aufforderung so verstehen muss: "Liebe deine Mitmenschen, so wie ich dich liebe."
Da ich glaube, dass Er jeden Menschen bedingungslos und grenzenlos liebt, muss ich erkennen, dass genau diese Art der Liebe auch von mir verlangt ist. Und das nicht nur zu meinen Freunden und den super netten Leuten - nein: zu jedem! Und ich sehe ein: Ich kann das nicht. Es ist mir nicht möglich. Wie könnte ich diese Person, die mir zutiefst unsympathisch ist, mit den gleichen Augen und der Liebe betrachten, mit der Gott sie anschaut? Wie könnte ich diesen Menschen, der so völlig andere Ansichten hat, als ich und nach meinen Maßstäben unmögliche und unverständliche Dinge tut, von ganzem Herzen lieben?
 Der Schlüssel scheint mir ein anderer Satz Jesu zu sein. ER sagt etwas später:
"Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch." (Joh 15,4)

Ich kann meine Mitmenschen nicht so lieben, wie Jesus sie liebt. Das ist mir einfach nicht möglich. Aber ich kann in und bei Jesus bleiben und IHN so in mir wohnen lassen. Und dann kann Er meine Mitmenschen in mir und durch mich lieben. Wenn ich in IHM und Seinem Wort bleibe, dann werde ich mit Paulus sagen können: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir." (Gal 2,20) Und dann wird der Rahmen meiner begrenzten und bedingten Liebe zu meinem Nächsten gesprengt durch Seine unendliche Liebe zu jedem einzelnen. 

Freitag, 26. April 2013

Das Hier und Jetzt

In der monastischen Spiritualität ist das "Hic et nunc" ein zentraler Punkt. Leben im Hier und Jetzt. Unter den gegebenen Umständen das im Vertrauen auf Gott tun was gerade dran ist. Weder in der Vergangenheit leben und immer wieder neu alte Erinnerungen ausgraben, noch sich in Zukunftsträumereien verlieren und so vor dem Jetzt flüchten. Den Augenblick, der mir jetzt gerade geschenkt ist, bewusst leben und füllen. Immer ganz präsent (im Präsens) sein.
Doch in diesen Wochen fällt es mehr sehr sehr schwer. Seit zehn Wochen lebe ich von Prüfung zu Prüfung und es geht die nächsten Wochen so weiter. Ich sehne mich so sehr nach dem Ende der Prüfungen, dass ich darüber den kostbaren jetzigen Augenblick zu schätzen vergesse. Dabei sollte ich doch trotz diesem Stress vor allem hier und jetzt meinen Gott suchen.

Mittwoch, 24. April 2013

Belohnungen

Gestern die Prüfung ist wieder ziemlich gut gelaufen. Und die nächste Prüfung ist erst in zwei Wochen. So habe ich mir gestern Abend zur Belohnung und Entspannung ein klein wenig Fernsehen gegönnt. Heute Vormittag ging es dann weiter mit meinem "Nach-Prüfungs-Verwöhnprogramm" - ich bin zum Optiker und habe mir eine neue Brille ausgesucht. Die alte Brille hat ihren Dienst getan und ich brauche neue Gläser, da mein linkes Auge ganz schön nachgelassen hat. In knapp zwei Wochen werde ich dann wieder einen scharfen Durchblick haben und eine kleine Veränderung im Spiegel sehen.
Munter weiter ging es dann am Abend mit meinem Wohlfühlprogramm. Beim Volleyball verausgaben und dann Leckereien genießen, die Geburtstagskinder mitgebracht hatten... herrlich!
Jetzt kann ich glücklich und zufrieden in mein Bett gehen und mich ab morgen wieder in die nächsten Prüfungsvorbereitungen stürzen.

Montag, 22. April 2013

Der große Lobpreis

Bei der Beichte in der vergangenen Woche hat mir mein Beichtvater eine sehr schöne Aufgabe mit auf den Weg gegeben. Er sprach davon, dass das Wort Halleluja soviel bedeutet wie "gepriesen sei Jahwe!" oder "Lob sei Gott!". Und jetzt in der Osterzeit kommt dieses Halleluja bei allen Chorgebetszeiten sehr häufig vor.
Mein Beichtvater trug mir auf dieses Halleluja nicht einfach so zu singen und zu sprechen, wie ein x-beliebiges Wort, sondern wirklich ganz bewusst jedes mal zu bedenken, für was ich Gott danken kann, für was ich IHN preisen will, warum IHM mein Lob gilt.
Ich gebe zu, dass ich nicht bei jedem einzelnen Halleluja daran denke, aber doch immer wieder und sicher häufiger, als wenn er nicht davon gesprochen hätte. Und es ist schön. Es ist wirklich schön, in dieses Wort ganz bewusst meine ganze Dankbarkeit und Freude hineinzulegen. So ist die diesjährige Osterzeit für mich geprägt von meinem ganz persönlichen HALLELUJA!

Sonntag, 21. April 2013

Eine kontemplative Nonne die bloggt!?


In einem Kommentar zum letzten Post wurde die Frage aufgeworfen, was eine kontemplative Nonne dazu bringt ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Gedanken für alle Welt sichtbar im Internet zu veröffentlichen.
Es stimmt, dass man nicht absehen kann, wie weit sich das verbreitet, und es geht mir schon jetzt immer wieder so, dass ich überrascht bin, wenn mir jemand aus meiner Umgebung sagt, dass er regelmäßig meinen Blog liest. Es ist dann doch etwas anderes, ob es eine unbestimmte anonyme und entfernte Masse ist, oder ob es auch Menschen in nächster Nähe sind, die lesen, was ich da so schreibe.
Aber egal ob nah oder fern, ob bekannt oder unbekannt, möchte ich weiter teilen mit denen, die es interessiert. Es muss ja niemand lesen. Doch die vielen Zugriffe jeden Tag zeigen, dass Interesse da ist.
Das Schreiben dieses Blogs dient aber nicht nur der Befriedigung der Neugier verschiedener Leute. Es hilft mir das, was ich denke und erlebe in Worte zu fassen und es freut mich, wenn der ein oder andere Satz auch jemand anderem auf seinem Weg mit Gott weiterhilft.
Dabei spielt für mich auch der Aspekt der geistlichen Armut eine Rolle. Benedikt sagt, dass wir nichts als unser Eigentum ansehen sollen, da uns ja nicht einmal unser Leben gehört. Damit gehören auch meine Erfahrungen mit Gott nicht allein mir, die ich als kostbaren Schatz hüten könnte. Vieles blüht erst im Teilen mit anderen auf.

Mittwoch, 17. April 2013

Barfuß!

Endlich ist es soweit. Anfang dieser Woche konnte dank des wunderbaren Sonnenscheins die diesjährige Barfuß-Saison eröffnet werden. Wie ich das genieße!
Und bei dem schönen Wetter geht auch das Lernen gleich viel leichter. Jetzt sind es nur noch sieben Prüfungen - nur noch acht Wochen und dann ...


Dienstag, 16. April 2013

mit dem Leib beten

Während des Abendessens wird bei uns momentan aus dem Buch "Geistlich kämpfen lernen - Benediktinische Lebenskunst für den Alltag" von Fidelis Ruppert vorgelesen. Es ist ein wirklich gutes und lesenswertes Buch. Und gestern ging es ganz passend zu den Einträgen der letzten Tage, um den Leib beim Beten.
Hier ein kleiner Ausschnitt:

"Für die frühen Mönche war klar, dass die körperliche Geste notwendig zum Gebet gehört. Dazu noch ein kleines Beispiel: 'Einige fragten den Altvater Makarios: >Wie müssen wir beten?< Der Greis antwortete: >Es ist nicht notwendig, viele Worte zu machen, sondern man muss die Hände ausstrecken und sprechen: Herr, wie du willst und weißt, erbarme dich! Wenn aber eine Anfechtung kommt, dann: Herr, hilf! Denn Er weiß, was förderlich ist, und wirkt an uns Erbarmen.<'
Die Worte können auf ein Minimum reduziert werden, aber die ausgestreckten Hände verleihen dem Wort Eindringlichkeit und ganzheitlichen Ausdruck. Mann muss es nur einmal für sich selbst ausprobieren, um diese Intensität zu erleben.
... Auch Roger Schutz berichtet, wie wichtig für ihn die Einbeziehung des Leibes ist, gerade dann, wenn worthaftes Beten schwierig wird: '...Ein Gebet auf dem bloßen Boden: niederknien, sich niederwerfen... Der Leib ist da, ganz gegenwärtig, um zu lauschen, zu begreifen, zu lieben. Wie lächerlich, nicht mit ihm rechnen zu wollen.'

... Ob nicht manche Unfähigkeit zu beten auch damit zu tun hat, dass jemand nur mit seinem Denken beten will? Aber mit dem Denken kann man Gott nicht berühren. Karlfried Graf Dürckheim, der vielen Menschen die Bedeutung des Leibes für das geistliche Leben erschlossen hat, berichtet von einer Frau, die ihn um Rat fragte, weil sie nicht mehr beten konnte. Er sagte, sie solle sich abends vor dem Bett einfach niederknien und beten. Die Frau war irritiert, ahnte aber plötzlich, dass an diesem Rat etwas dran war. Als sie dann in ihrem Zimmer vor dem Bett in die Knie ging, brach eine tiefe Erfahrung in ihr auf, nämlich die, dass, als ihr Körper in die Knie ging, ihr das Herz aufging, jenes Herz, das durch Denken und Wollen keinen Kontakt zu Gott gefunden hatte..."

Auch in dem Buch "Von Gott berührt: die Kraft des Gebetes" von Anthony de Mello ist ein lesenswertes Kapitel über die verschiedenen Gebetshaltungen und Gebärden.
Wichtig ist, dass man seine eigene Form und Haltung (für die jeweilige Phase des Gebetslebens) findet.

Sonntag, 14. April 2013

Liebst du mich?

Im heutigen Evangelium fragt Jesus Petrus dreimal: "Liebst du mich?" Meistens habe ich, wenn ich diese Stelle gelesen oder gehört habe die Frage auch auf mich bezogen und ganz einfach mit Petrus geantwortet: "Ja, Herr. Du weißt, dass ich dich liebe."
Heute musste ich daran denken, dass wir in unserem Alltag wohl viel häufiger die Frage umdrehen - dass wir fragen: "Jesus, liebst du mich?" Sie ist enthalten in all den Fragen: "Bist du da?", "Hörst du mich?", "Interessierst du dich für mich?", "Willst du mir Gutes?", "Bist du Gott wirklich so, dass du mich ganz persönlich liebst?". Wenn uns etwas Negatives zustößt, dann fragen wir: "Warum ich?" oder "Warum jetzt?" und immer schwingt darin die Frage mit: "Liebst du mich?"
Auch mir ist in diesem Zusammenhang der in einem Kommentar zum vergangenen Post angesprochene Psalm 139 sehr wichtig. Darin heißt es unter anderem: "Käme ich bis zum Ende, wäre ich immer noch bei dir."

Ich habe ein kleines Abschluss-Ritual, wenn ich alleine in unserem Oratorium bete. Bevor ich gehe, knie ich mich nieder und danke dafür, dass ich diese Weile bei IHM verbringen durfte. Dann mache ich mich ganz klein und spreche im Inneren ganz bewusst den Psalmvers: "Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich." Ich stelle es mir vor, und spüre dem nach, wie ER mich umgibt und seine Hand auf mich legt. Erst dann erhebe ich mich langsam und gehe.

Samstag, 13. April 2013

beten

Gestern beim Beten ist es mir so richtig unter die Haut gegangen. Mir ist wieder einmal bewusst geworden, dass ich einfach so - im Gebet - mit Gott sprechen kann. Ich brauche nur zu beten und schon stehe ich vor dem Thron der göttlichen Majestät und kann nicht nur dem König aller Könige alles erzählen, was mich gerade bewegt, sondern mit dem Schöpfer des ganzen Universums von Herz zu Herz sprechen.
Wow.
Nicht zu fassen dieses Wunder, dieses Geschenk, diese Gnade. ER hat immer Zeit für mich und wartet nur auf mich.
Aber wie oft bete ich nicht. Wie oft bin ich zu feige oder zu faul oder zu unbedacht.
Dabei erfüllt das Gebet mich mit neuer Kraft und Freude.
Wieso vernachlässige ich immer wieder was mir so gut tut?

Dienstag, 9. April 2013

Halleluja und andere Stolpersteine

Während der Osterzeit ist das Responsorium der Komplet ein wenig anders, als während des Rest des Jahres - die eingeschobenen Hallelujas verändern die Melodie. Heute stolperte dann die Vorsängerin darüber, als sie mittendrin merkte, dass sie die Kurve falsch genommen hatte. Dann hörte man ihrer Stimme an, dass sie sich extrem zusammenreißen musste um nicht in Lachen auszubrechen. Das brachte dann auch Schwestern rundherum zum Grinsen und unterdrücktem Lachen.
Ich weiß, dass die Liturgie ernst und würdig gefeiert werden sollte, aber ab und zu sind so kleine Pannen dann doch gut für's Gemüt. Ich erinnere mich noch an meinen allerersten Tag hier. Ich hatte noch von nix ne Ahnung und hab mich kaum getraut im Chorgestühl die Augen weiter als bis knapp über meine Fußspitzen zu heben. Ich fühlte mich total beobachtet, und ich dachte, dass alle außer mir ganz genau wissen, was sie wann wie tun müssen und dabei nie einen Fehler machen. Die Liturgie wirkte so perfekt. Als dann ein Fehler passierte an jenem Abend, der etliche Schwestern zum Lachen brachten, da war ich total erleichtert. Plötzlich war klar:
Das sind auch nur Menschen. Jeder macht mal Fehler und es ist halb so wild, wenn's mal passiert.

Montag, 8. April 2013

weiter geht's

Nachdem ich mit meinen schriftlichen Prüfungen vor der Karwoche durch war, ging es heute munter weiter mit der ersten mündlichen Prüfung. Ich war also wieder auf den Straßen der Stadt unterwegs und ich freute mich, als mir ein gut erkennbarer junger Priester entgegenkam und freundlich grüßte. Ich finde es immer wieder schön, dass die Menschen mich mit "Grüß Gott, Schwester!" oder "Guten Tag, Schwester!" begrüßen können. Dieser kleine Zusatz des Wörtchens Schwester lässt es gleich viel persönlicher klingen. Es ist fast, als würden sie mich kennen und mit meinem Namen begrüßen.

Später dann auf einer anderen Straße hörte ich im vorbeigehen, wie bei meinem Anblick eine zur anderen sagte: "Ist denn schon wieder Mittelaltermarkt?"
Sehe ich vielleicht aus, als hätte ich mich verkleidet?

Wiederum an einer anderen Ecke kam eine junge Frau auf mich zu und gab mir ein Kärtchen mit einem Bild von Maria der Frau aller Völker. Auf der Rückseite steht das Gebet:
Herr Jesus Christus,
Sohn des Vaters,
Sende jetzt deinen Geist über die Erde.
Lass den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker,

damit sie bewahrt bleiben mögen vor Verfall, Unheil und Krieg.
Möge die Frau aller Völker, die selige Jungfrau Maria,
unsere Fürsprecherin sein.
Amen.

Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll, aber auf jeden Fall war es mal wieder interessant in der Stadt.    ;-)

Sonntag, 7. April 2013

Ich bin da.


Ich bin wieder zurück. Ich war abgetaucht in eine Oase der Stille und des Friedens. Oh, war das erholsam!
Und was hat nun mein oberster Chef, mein gütiger Vater und geliebter Bräutigam gesagt? Unter anderem dies:
"ICH gehe mit dir - egal wohin. Ja - ich bin immer schon dort und warte auf dich. Meine Gegenwart ist die einzige Sicherheit, die du brauchst - Hab keine Angst!"

Mittwoch, 20. März 2013

ich bin dann mal still...

...und ziehe mich nach meinen überstandenen schriftlichen Prüfungen für zwei Wochen zurück.
Ich wünsche euch allen gesegnete Kar- und Ostertage und bitte um euer Gebet.

dieses Jahr werde ich Ostern hier verbringen - ohne Internet.

Montag, 18. März 2013

dort wo ich bin

Wo ist mein Platz? Und in welcher Form und Farbe soll ich mich entfalten?

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das sagt: "Dort wo Gott dich hingesät hat, sollst du blühen." Man kann es auf viele Bereiche seines Lebens anwenden. Vielleicht kann es auch einen Hinweis geben für meine Überlegungen von gestern. Eine Aufforderung nicht so sehr an das Elend der ganzen Welt zu denken, da dabei das Gefühl der Ohnmacht übermächtig werden kann und man Gefahr läuft zu resignieren und nur noch hier und da ein bisschen das Gewissen zu beruhigen.
Wir hatten in den letzten Wochen als Tischlesung ein Buch über Mutter Teresa und sie sagte auch etwas in dieser Richtung. Sie sagte denen, die im "reichen Westen" leben, dass sie nicht nach Indien kommen sollen, um dort große Wohltaten für die Menschheit zu tun, sondern dass sie dort wo sie sind für ihre Nächsten da sein sollen.
Das scheint mir eine gewaltige Herausforderung zu sein, weil es viel konkreter und damit anspruchsvoller ist. Was kann ich den Menschen in meiner Umgebung Gutes tun? Woran mangelt es ihnen? Wie kann ich da helfen?
Denn ist es nicht auch eine Art Armut, wenn ich trotz Geld keinen Sinn in meinem Leben sehe? Wenn ich Geld habe, aber keine Freunde und Verwandten? Wenn ich reiche Eltern habe, aber die nie Zeit für mich finden? In unserem Land mag es nicht viele geben, die zu verhungern drohen, aber das heißt nicht, dass es nicht noch ganz andere Arten von Armut gibt.
So will ich mich fragen, welches die Not meiner Zeit - meiner Umgebung und Gesellschaft - ist, bei deren Bekämpfung ich einen Beitrag leisten kann. Oder ganz traditionell gefragt: "Was kann ich tun zum Aufbau des Reiches Gottes?"
Dabei darf ich allerdings auch nicht ins andere Extrem verfallen. Die globalen Probleme dürfen nicht aus dem Blick geraten. Und da freut es mich zu sehen, dass viele umdenken und überall Initiativen entstehen. So habe ich heute Plakate gesehen für einen sogenannten Heldenmarkt, eine Messe für nachhaltigen Konsum, oder wie es im Untertitel hieß: Shoppen für Weltverbesserer. Wir müssen uns bewusst sein, welche Auswirkungen unser Konsumverhalten hat. Und dann stieß ich heute Abend noch auf dieses Video, in dem es um den Kampf gegen die Wüstenbildung geht. Dieser Vortrag mit seinen Informationen und Bildern macht Hoffnung.

Sonntag, 17. März 2013

arm für die Armen!?

Das Foto habe ich im Sommer 2007 in Irkutsk, Sibirien, gemacht und frage mich: was kann ich tun angesichts der Armut auf der Welt?

Unser Papst Franziskus hat gestern vor Journalisten diesen Satz gesagt: er wünscht sich eine arme Kirche für die Armen. Das hat in mir eine längere Gedankenkette angeschubst, die ich versuchen will etwas zu entwirren und darzulegen.
Die Kirche - das ist nicht allein der Papst, nicht allein der Vatikan - das sind wir alle, die wir Glieder dieses Leibes Christi sind. Wir alle zusammen bilden diese Kirche. Wenn also das Haupt dieses Leibes von einer armen Kirche spricht, die er sich wünscht, dann ist dies eine Aufforderung für einen jeden von uns. Damit wir eine arme Kirche für die Armen sein können muss jeder von uns ein armer Christ für die Armen sein.
Damit stellt sich die Frage, was das konkret für mich und mein Leben bedeutet.
Ich muss meinen Umgang mit Geld und materiellen Gütern überdenken. Selbst, wenn ich zu dem Schluss komme, dass damit nicht Armut im Sinne echter Not, sondern ein einfacher Lebensstil, der den wirklich Armen zu Gute kommt, gemeint ist, kann das weitreichende Folgen für mein Leben haben. Einige Dinge sind in diesem Zusammenhang recht einfach. Es kann zum Beispiel bedeuten selbst bei einem entsprechenden Einkommen nicht in einer Villa, sondern in einer einfachen Wohnung zu leben und die Preisdifferenz zu spenden. Aber in vielen Dingen ist die Entscheidung sehr viel schwieriger. Ist es zum Beispiel unnötig teure Schuhe zu kaufen? Sollte ich statt dessen die Billigeren nehmen und die Differenz spenden? Oder halten vielleicht die Teureren länger und spare ich am Ende dadurch, dass ich seltener Neue kaufen muss? Und wie werden die billigen Schuhe produziert?
Wenn meine Armut den Armen zu Gute kommen soll, dann heißt es doch, dass ich unter Umständen teurere Dinge kaufen muss, wenn ich dafür weiß, dass im Herstellungsprozess keine Menschen ausgebeutet werden.

Außer dem Umgang mit Geld (zu dem es sicher noch viel, viel mehr zu sagen gäbe) gibt es auch noch den Umgang mit Lebensmitteln zu bedenken. Ich selbst gehöre zu Menschen mit Übergewicht und heute frage ich mich, ob nicht jedes Kilo Fett zuviel auf meinen Rippen eine wabernde Anfrage an mein Gewissen darstellt. Wie kannst du ruhigen Gewissens schlemmen, wenn so viele Menschen vor Hunger sterben? Müsste einem bei dem Gedanken daran, dass es unzählige Menschen gibt, die soviele Kilos reine Fettmasse mit sich schleppen, wie andere hungernde Menschen insgesamt wiegen, nicht jeder Appetit vergehen?

Und so, wie jeder Christ sich diese Fragen stellen sollte, so denke ich muss sich auch jedes Kloster diese Fragen stellen. Was kann es für uns bedeuten ein armes Kloster für die Armen zu sein?

Ich bin gespannt, was unser Papst alles in Gang setzen und verändern wird. Vielleicht vermag er als Haupt der Kirche ein Leben zu führen, das uns beschämt und eine ständige Anfrage an unser Gewissen ist. Vielleicht kommt es soweit, dass niemand in dieser Kirche mehr ein ruhiges Gewissen hat, der in übermässigem Reichtum und Luxus lebt - egal ob Kardinal, Manager, Politiker , Celebrity oder Ordensmensch.