Mittwoch, 30. Januar 2013

Gott und die Welt

Ich habe heute (!) mit großer Überraschung gelesen, dass Dirk Bach im vergangenen Herbst gestorben ist. Ich hatte das bis jetzt in keinster Weise mitbekommen.
Das war wieder einmal ein Beispiel dafür, wie die Dinge der Welt im Kloster an einem vorbeigehen können. Obwohl - eigentlich kennt das wohl jeder. Denn in diesem Fall lag es weniger an meinem "Im-Kloster-sein", als vielmehr an meinem "Im-Ausland-sein" zu diesem Zeitpunkt. Und wer war nicht schon einmal nach einem Urlaub überrascht, was sich in der Zwischenzeit zu Hause getan hat?
Aber vielleicht ist es auch eine schöne Parallele - das Kloster und das Ausland. Man sagt ja zum Beispiel: "Andere Länder, andere Sitten." Und im Kloster gibt es jede Menge solcher anderen Sitten. In gewisser Weise gibt es sogar eine eigene Sprache...

Einen anderen Sterbefall habe ich jetzt sehr viel zeitnaher mitbekommen. Gestern ist der frühere Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher, gestorben. Hier kann man eine schöne Predigt von ihm lesen.
Hier ein kleiner Ausschnitt:
"...wie damals, wie mir der Neunjährige sein Bild von Gott gezeigt hat. Es waren lauter bunte Flecken. „Das musst du mir erklären!“, habe ich gesagt. „Also“, hat er gemeint, „Rot bedeutet, dass Er uns gern hat. Grün heißt, dass Er alles erschaffen hat, Blau soll sagen, dass Er sehr großzügig ist ...“. „Und was bedeutet Schwarz?“, habe ich gefragt. „Schwarz bedeutet, dass wir viel zu wenig an ihn denken ...“. Da springt einem der schöpferische Funke des Geistes fast blendend entgegen, aus Kindermund."

Dienstag, 29. Januar 2013

Wieviele?

Wieviele Menschen passen in ein Herz?
Wieviele Personen kann ein Mensch intensiv lieben und in sein Herz schließen?
Wieviele Leute haben in einem Herzen Platz?

Im Laufe von 90 Lebensjahren - wievielen Leuten begegnet man da? Wenn man jemanden ins Herz geschlossen hat, kann man ihn dann je wieder verlieren, oder hat er dann für immer einen Platz im Herzen?

Montag, 28. Januar 2013

Kopf über

Heute ein Bild, das im letzten Sommer die Journalistin Franziska Broich von mir gemacht hat. Ich finde es äußert gelungen.
Vielleicht kann es dazu einladen ab und zu mal die Perspektive auf die Dinge zu ändern, hin und wieder alles auf den Kopf zu stellen oder auch dazu mit Schwung an das, was vor uns liegt, ranzugehen.


Freitag, 25. Januar 2013

Leute fragen

Eine Sache, die mir immer wieder auffällt, ist, dass ich viel häufiger nach dem Weg gefragt werde, seit ich im Ordensgewand unterwegs bin. Die hilfesuchenden Menschen schauen sich um und unter allen Leuten, die sie rund um sich sehen, falle ich auf. Bei den meisten scheint dann meine Kleidung zu signalisieren: freundlich und hilfsbereit - und schon bin ich die erste Anlaufstelle. Da ich auch nicht überall alle Straßen kenne, kann ich häufig nicht weiterhelfen und bin immer wieder überrascht, wenn man mich nach den Weg fragt. Aber eigentlich finde ich, dass es etwas Schönes ist. Zumal ich ja sehr gerne Menschen den Weg weisen und sie auf ihrem Weg begleiten möchte - wenn auch in einem eher geistlichen Sinn.

Gestern wurde ich etwas Unerwartetes gefragt. Schon als sich von Weitem unsere Blicke das erste Mal trafen dachte ich: "Der sieht aus, als würde er sich riesig freuen, mich zu sehen." Und prompt kam die Frage: "Darf ich Sie etwas fragen?", als wir uns nahe genug gekommen waren. Selbstverständlich durfte er. Und dann kam's: "Wir machen eine Umfrage zum Thema Lieblingswort. Was ist denn Ihr Lieblingswort? Einfach ein Wort, das Sie gerne hören. Das kann sowohl vom Klang her, als auch vom Inhalt her sein." Sprachs und hielt mir ein Aufnahmegerät vor den Mund. Ziemlich überrumpelt von einer Frage, über die ich mir noch nie tiefere Gedanken gemacht hatte, sagte ich, was mir spontan als Erstes einfiel: "Vom Klang her 'Kuddelmuddel' und vom Inhalt her 'Jesus'". Er strahlte und bedankte sich für die ungewöhnliche Kombination.

Anders als auf der Straße ist es, wenn ich länger neben jemandem sitze. Im Hörsaal oder im Zug. Wenn die Leute sich trauen mich anzusprechen, dann sind es immer erst irgendwelche alltäglichen Dinge. Aber früher oder später fragen sie dann alle nach meiner Berufung. So z.B. letzte Woche. Nach einem kurzen Geplänkel fragte sie: "Wie entscheidet man sich denn eigentlich dazu ins Kloster zu gehen?" Da musste ich nachfragen: "Wie entscheidet man sich dazu oder warum entscheidet man sich dafür?" - "Ja, also schon warum." Und während ich mich bisher irgendwie immer genötigt sah gleich meine Geschichte zu erzählen, erschien mir das diesmal unangebracht und mir fiel eine viel bessere Antwort ein. Eine Antwort genau auf ihre Frage:
"Warum entscheidet man sich ins Kloster zu gehen?"
- "Weil man ein Leben führen will, wie es im Kloster gelebt wird."

So einfach ist das.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Dinge

Es folgt ein kleines Sammelsurium...

...aus der Rubrik "Dinge, die mir noch nie passiert sind":
Gestern habe ich das erste Mal die Haltestelle verschlafen, an der ich eigentlich aussteigen wollte - und das obwohl ich fast immer in Bussen und Bahnen schlafe. Irgendwie ist es mir bisher immer gelungen rechtzeitig aufzuwachen. Zum Glück war es nur in der S-Bahn und nicht im Regional-Express, sonst wäre ich statt zwei locker 30 km zu weit gefahren...

...aus der Rubrik "Dinge, die ich noch nie gesehen habe":
Heute Mittag im Stadtbus mitgefahren: Eine Briefträgerin in Uniform mit ihrem Briefewagen.

...aus der Rubrik "Dinge, die ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe":
Heute Vormittag: Ein Herr telefonierte in einer Telefonzelle. Auf offener Straße. Ich musste direkt stehen bleiben und mich wundern... und hinschauen, ob er mit einer Telefonkarte oder Münzen telefoniert - ersteres war der Fall.

...aus der Rubrik "Dinge, die sich im Moment häufen":
Heute Nachmittag ist eine meiner Mitschwestern gestorben. Sie ist die Zweite in diesem noch jungen Jahr und eine weitere liegt im Sterben.

...aus der Rubrik "Dinge, über die ich so nachdenke":
Beim Mittagessen kam mir plötzlich der Gedanke, dass keiner weiß, was ich weiß. Also wahrscheinlich gibt es zu fast allem, was ich weiß auch andere Personen, die diese Sachen wissen, aber niemand sonst hat genau diese Wissenskombination - die Mischung im Kopf, wie ich. Bei dem Gedanken, dass jeder Mensch einzigartig ist, habe ich bisher immer nur das Aussehen und die Persönlichkeit gedacht, aber nicht an die "gespeicherte Datenmenge". Irgendwie gefällt mir der Gedanke. Und er bedeutet auch, dass sich mit jedem ein Gespräch lohnt, weil nur genau diese Person genau diese Verknüpfungen zwischen Dingen herstellen kann...

Dienstag, 22. Januar 2013

Angst kann...

Jetzt, wo ich davon überzeugt bin, dass es so besser ist, habe ich mich natürlich gefragt, warum ich dann nicht schon vorher von selbst darauf gekommen bin es so zu machen. Und die Antwort ist einfach: Angst.
Dabei meine ich nicht eine Angst, bei der einem die Knie schlottern und das Herz klopft, sondern eine Angst, der ich mir gar nicht bewusst war, und die doch mein Denken in eine bestimmte Richtung blockiert hat.
So scheint es einerseits eine Art Angst zu geben, die man ganz deutlich spürt, die einen Lähmen oder auch motivieren und mit neuen Kräften beflügeln kann und andererseits eine Art Angst, die viel subtiler ist. Die man nicht wahrnimmt und die trotzdem die Sicht auf die Dinge und das Werturteil beeinflusst. So kann Angst unser Denken und Handeln bestimmen, ohne dass wir es merken.
Das kann zum Beispiel die Angst sein zu scheitern, allein zu sein oder sich zu blamieren.
Ich bin froh, dass mir das so bewusst geworden ist und will versuchen besser zu erkennen, wenn mein Denken und Handeln von Angst gesteuert wird. Denn Angst müssen wir keine mehr haben. Denn:

"Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? ... Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn."(Röm 8,31.39)

Montag, 21. Januar 2013

nocheinmal: Freude!

Passend zu meinem momentanen Hauptthema wurde heute bei Tisch ein kurzer Text von Hanswerner Reißner vorgelesen. (Bevor die wichtigsten Meldungen der Tageszeitung gelesen werden, gibt es immer einen kurzen geistlichen Impuls aus dem Pauluskalender)

"Menschen der Freude
Dass ein Christ möglichst harmlos sein müsse, ist eine Ketzerei. Das Evangelium ist eine frohe Botschaft, und der Christ ist einer, der immer noch 'trotzdem lachen' kann. Der Christ ist vorzüglich ein Mensch der Freude.
- 'Freuet euch im Herrn allezeit, und nochmals sage ich euch: Freuet euch!' (Phil 4) ...
Kann man Freude beschreiben?
- 'Wohl schwer. Ein wundersames Gelöstsein ist sie, eine tiefinnere Freiheit, ein Stehen und Schweben über den Dingen, eine Art Unverletzlichkeit, was immer auch an uns herankomme; ein seliger Einklang mit allem, was ist und geschieht' (Franz Moschner)."

Und so war ich an meinem Tag nach dem drüber schlafen dann auch schon wieder voller Freude - gelöst und schwebend über den Dingen. Auch wenn die Antwort nicht so war wie gehofft, so bin ich doch sicher, dass es so das Beste und freue mich auf das, was nun folgen wird.


Und dann habe ich es noch geschafft heute meine Seminararbeit, die ich schon vor Wochen fertig haben wollte, ziemlich fertig zu stellen. Wenn das mal kein Grund zur Freude ist!

Sonntag, 20. Januar 2013

Weihnachtliche Nachwehen

ein leuchtender Christbaum in einem unserer Innenhöfe
Liturgisch ist die Weihnachtszeit schon vorbei. Wir benutzen wieder die Stundenbücher von der Zeit im Jahreskreis und die Farbe der Messgewänder ist wieder grün.
Aber manche von den 17 Weihnachtsbäumen in unserem Kloster stehen noch und auch die ein oder ander Krippe kann man noch entdecken, sodass es hier und da noch ganz weihnachtlich aussieht. Mit dem vielen Schnee im Moment fühlt es sich auch fast weihnachtlich an.
Und dann kam heute auch noch die Nachricht, auf die ich seit Anfang Advent gewartet habe. Damit ist Weihnachten nun also wirklich da ;-)
Die Antwort ist nich ganz so, wie ich gehofft hatte, aber immerhin - sie ist da und das Warten hat endlich ein Ende.
Was ich jetzt daraus mache weiß ich noch nicht. Am Besten erstmal drüber schlafen...

Samstag, 19. Januar 2013

alles gut


Das war es - unser Schwarzes Brett. Hieran fand man immer alle wichtigen Informationen. Die Tagesordnung, wichtige Termine und Ankündigungen und vieles mehr. Der Blick darauf gehörte zu den unerlässlichen täglichen Dingen.
Seit wir aus unserem Provisorium in unser neu renoviertes Refektorium zurückgezogen sind, hängt es unbenutzt weiter an dem Platz, an dem man nun viel seltener vorbeikommt. Es wurde gewissermaßen ausrangiert.
Statt dessen gibt es jetzt eine große weiße Wand, an der man alles Wichtige findet. Aus dem Schwarzen Brett wurde eine weiße Wand.
Gefreut habe ich mich, als ich einmal zufällig wieder an unserem alten Schwarzen Brett vorbeikam und sah, was jemand mit den alten Magneten gemacht hatte.
So findet sich jetzt wieder eine wichtige Information dort: "Lächeln! Das Leben ist schön!"
Und es ist wirklich schön. Es geht mir gut. So richtig gut und zwar in jeder Beziehung. Rundum gut.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Entschleunigung von oben

In meiner Uni-Großstadt schneit es seit ungefähr 24 Stunden ununterbrochen und einigermaßen stark. Das hat zur Folge, dass die Menschen langsamer durch den fallenden und gefallenen Schnee gehen und die Autos auf den trotz regelmäßiger Räumung schneeglatten Straßen langsamer fahren.
Ich freue mich an der, wie mir scheint, von oben verordneten Entschleunigung und darüber, dass wir alle mal wieder daran erinnert werden, dass wir vielleicht auch mit ein bisschen mehr Geduld und Gelassenheit durchs Leben gehen könnten.

Mittwoch, 16. Januar 2013

der geschüttelte Kopf

Was bedeutet er eigentlich?
An verschiedensten Orten zu den unterschiedlichsten Zeiten kann man ihn auf den diversesten Hälsen sehen - den geschüttelten Kopf.
Aber was wollen diese Menschen, die ihr Haupt auf diese Weise in Bewegung versetzen damit eigentlich ausdrücken?
Ich denke es gibt mindestens zwei Interpretationsweisen. Die erste ist anzuwenden, wenn die betreffende Person etwas gefragt wurde und mit dem Kopfschütteln dem Fragenden gegenüber die ausgesprochenen Worte "Nein. Danke." oder "Nee, geht nicht." oder ähnliches bekräftigen oder ersetzen möchte. Die Geste ist in diesem Fall als einfach negierende Antwort auszulegen.
Anders sieht es aus, wenn das Schütteln nicht speziell an eine Person gerichtet ist, sondern eher ganz allgemein für alle, die es sehen könnten gedacht ist. Diese Art sieht man häufig, wenn jemand ein Verhalten zeigt, das nicht gesellschafts- oder gemeinschaftskonform ist, bei denen, die dieses Verhalten bemerken. Egal, ob jemand beim Essen schmatzt, an einem eigentlich stillen Ort laut ist oder eine unangemessene Frage stellt - irgendwo in der Nähe kann man bestimmt einen oder mehrere geschüttelte Köpfe sehen.
Und in diesem Fall drückt die Geste meiner Meinung nach eine deutliche Wertung - eine eindeutige Missbilligung - aus.
Die Heilige Schrift ruft uns zu: "Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet!" (Mt 7,1). Und auch wenn ich - wie ich zumindest hoffe - nicht zu den eifrigen Kopfschüttlern gehöre, so gehöre ich doch zu all den Menschen, die nur allzu schnell alles und jeden vor ihren Augen werten, be- und verurteilen und damit richten.
So will ich mir in Zukunft mehr Mühe geben jedes gedankliche Kopfschütteln zu unterlassen und nicht zu richten, was ich sehe.
Aber auch das gehört zu den vielen vielen Dingen, die leichter gesagt, als getan sind!

Sonntag, 13. Januar 2013

Lectio: Johannes Chrysostomus

Hier ein kleiner Ausschnitt der morgigen Vigil-Lesung. Der Text ist von Johannes Chysostomus (gestorben 407) zum Brief an die Römer und einfach herrlich:

"Immer wenn ich eine Lesung aus den Briefen des heiligen Paulus höre..., freue ich mich an dem Klang dieser geistlichen Posaune. Ich gerate in Begeisterung und empfinde ein heißes Verlangen.
Wenn ich die liebe Stimme vernehme, meine ich fast ihn vor mir zu sehen und seine Erklärungen zu hören. Aber es bedrückt und schmerzt mich, dass nicht alle diesen Mann so kenn, wie er es verdient. Manche wissen so wenig von ihm, dass sie nicht einmal die genaue Anzahl seiner Briefe wissen. Das kommt nicht von geistiger Unfähigkeit, sondern sie versäumen, sich mit seinen Schriften unablässig zu beschäftigen. Auch ich verdanke, was ich weiß - wenn ich etwas weiß -, nicht einer besonderen Begabung und Geistesschärfe, sondern ich liebe diesen Mann und beschäftige mich dauernd mit seinen Schriften...
Wenn ihr daher nur der Lesung aufmerksam folgt, braucht ihr sonst nichts. Denn wahrhaftig ist das Wort Christi: 'Sucht, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch geöffnet!'
Freilich haben die meisten, die mit uns zusammenkommen, für die Erziehung der Kinder, für ihre Frauen und für den Unterhalt der Familie zu sorgen und können sich dem Studium des Apostels nicht ganz widmen. Aber macht euch wenigstens daran, das mitzunehmen, was andere zusammengetragen haben. So viel Eifer sollte jeder wenigstens für das aufwenden, wovon wir gesprochen haben, wie für das Geldverdienen. Es ist zwar eigentlich eine Schande, dass ich nicht mehr Eifer von euch verlange - aber wenigstens soviel solltet ihr aufbringen."

Samstag, 12. Januar 2013

Liebe: Hingabe ohne Forderungen


Ich habe ein paar meiner alten CD's ausgekramt. Darunter ist eine mit einem Lied, das wie ich finde einen wunderschönen Text hat. Es geht darum, was es bedeutet wahrhaft zu lieben. Dabei ist es egal, ob es um die Liebe von Eltern zu Kindern, zwischen Männern und Frauen oder von einer Gemeinschaft zu jedem ihrer Mitglieder geht.
Liebe sollte immer bereit machen zu schenken, ohne dafür etwas zu erwarten.

Das Lied ist von Alanis Morissette und heißt "you owe me nothing in return". Reinhören kann man z.B. hier mal: http://www.youtube.com/watch?v=aeGFu05xB-8


Hier der Text auf Deutsch:

Ich werde dir haufenweise aufrichtige Anerkennung geben, wenn du es willst.
Ich werde dir Unterstützung geben, den Pfad zu wählen, den du gehen willst, wenn du sie brauchst.
Du kannst über Wut und Zweifel, deine Ängste und Ausraster sprechen und ich werde es für mich behalten.
Du kannst deine sogenannten schamerfüllten Berichte über Zeiten in deinem Leben mit mir teilen und ich werde sie nicht verurteilen.
Und es gibt keinen Haken dabei.

Du schuldest mir nichts für die Liebe , die ich gebe.
Du schuldest mir nichts für die Fürsorge, mit der ich dich bedacht habe.
Ich danke dir, dass du sie annimmst. Es ist mir eine Ehre.
Und du bist mir nichts im Gegenzug dafür schuldig.

Du kannst um Raum für dich selbst und nur dich selbst bitten und ich werde ihn dir gewähren.
Du kannst genauso um Freiheit oder um Zeit zum Reisen bitten und du wirst sie haben.
Du kannst darum bitten alleine zu leben oder jemand anderen zu lieben und ich werde es unterstützen.
Du kannst um alles bitten was du willst, um alles in der Welt, und ich werde es verstehen.
Und es gibt keinen Haken dabei.

Du schuldest mir nichts für die Liebe , die ich gebe.
Du schuldest mir nichts für die Fürsorge, mit der ich dich bedacht habe.
Ich danke dir, dass du sie annimmst. Es ist mir eine Ehre.
Und du bist mir nichts im Gegenzug dafür schuldig.

Ich wette du fragst dich, wann die nächste Rückzahlungsforderung schließlich endlich eintreffen wird.
Ich wette du fragst dich, wann das Kleingedruckte meines Vertrages dich dazu zwingen wird, zurückzuzahlen.
Ich wette du fragst dich, wie weit du dich jetzt wieder in Schuld bei mir begeben hast.

Meiner Ansicht nach ist dies die einzige Art Liebe, die es wirklich gibt 

Du kannst die geheimste deiner Wahrheiten offenbaren, sogar, wenn sie bedeutet, dass ich dich verlieren werde, und ich werde sie anhören.
Du kannst auf deinem Weg zu deiner Glückseligkeit in den Abgrund stürzen. Ich werde mit dir fühlen.
Du kannst sagen, dass du aus der Stadt abhauen musst, um deiner Leidenschaft nachzujagen, und ich werde es mir anhören.
Du kannst sogar einen Tiefpunkt erreichen, eine Midlife-Crisis haben und ich werde es aushalten.
Und es ist kein Haken an der Sache

Du schuldest mir nichts für die Liebe , die ich gebe.
Du schuldest mir nichts für die Fürsorge, mit der ich dich bedacht habe.
Ich danke dir, dass du sie annimmst. Es ist mir eine Ehre.
Und du bist mir nichts im Gegenzug dafür schuldig.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Der Himmel ist in dir!

Heute im Zug auf der Heimfahrt habe ich die Vesper und die Komplet gebetet und blieb danach innerlich in einer tiefen Gebetshaltung. Ich betete immer wieder "Dein Wille geschehe - Dein Wille geschehe - Ich überlasse mich Dir - Dein Wille geschehe - Ich lege mein Leben in Deine Hände - Dein Wille geschehe..."
Und dann fing ich das Vater Unser an:
"Vater unser - " und plötzlich durchströmte mich dieses Bewusstsein, dass all diese Menschen, die da mit mir im Zug saßen, dass wir alle - ja, alle Menschen auf der ganzen Welt - den gleichen Vater im Himmel haben, dass wir eine Familie sind.
"Vater unser, der Du bist im Himmel - " moment mal - im Himmel, was soll das eigentlich heißen? Wo soll das sein? Ich weiß doch, dass Gott in mir, in meinem Innersten wohnt. Da war sie die Verbindung, und ich sagte zu mir: "Der Himmel ist in dir!"
Was für eine Freude! Was für ein wunderschöner Gedanke.

Sonntag, 6. Januar 2013

Freut euch!

Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass unserem Konvent die Freude verloren gegangen ist. Schaue ich in die Gesichter meiner Mitschwestern, so sehe ich angespannte Sorge, erschöpfte Resignation oder einfach tiefe Müdig- oder Teilnahmslosigkeit.
Irgendwie kam mir gestern dann der 4. Vers aus Philipper 4 in den Sinn:

"Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!"

Und jedes Mal, wenn ich eine Schwester ansah schickte ich ihr innerlich von ganzem Herzen ein "Freue dich!" zu.
Ich erzählte einer Schwester davon und während des Chorgebetes trafen sich dann jedesmal unsere Blicke, wenn das Wort "Freude" fiel. Und das war unerwartet oft. Wirklich, da wird einem erstmal bewusst, wie oft in den Psalmen von Freude die Rede ist. Wir grinsten uns jedenfalls jedes Mal fett an und auch sonst jedesmal, wenn wir uns unter tags begegneten.
Und plötzlich war da eine ganz andere Leichtigkeit und Freude da. Zumindest bei uns beiden.

Da frage ich mich natürlich, ob ich nicht, statt nur festzustellen, dass man den Schwestern momentan keine Freude ansieht, etwas dafür tun sollte, dass sie sich wieder mehr freuen.
Aber sofort meldet sich eine Stimme und fragt wie ich in den nächsten Wochen, in denen die Uni wieder mit Vorlesungen, Seminaren und Praktika läuft und ich sowieso schon nicht weiß, wie ich mich nebenher für meine in fünf Wochen beginnenden Prüfungen vorbereiten soll, auch noch Verantwortung für die Freude der Schwestern übernehmen könnte.
Ich versuche wirklich noch bewusster, als sonst schon immer jede, die mir begegnet freudestrahlend anzulächeln, aber oft kommt nichts zurück - manchmal nicht einmal ein müder Blick.

Samstag, 5. Januar 2013

Weihrachduft im ganzen Haus


Die Heiligen drei Könige sind angekommen. Sie zogen am heutigen Nachmittag von Tür zu Tür und segneten jeden Raum des Klosters mit Weihwasser, Weihrauch und Kreide.
Da es sehr viele Räume in unserem Haus gibt, war die Vesper vier Stunden früher als sonst. Im Anschluss an die Vesper wurden vom Priester in der Sakristei Salz, Wasser, Brot, Weihrauch und Kreide geweiht und dann begannen die Könige ihre Runde. Alle Schwestern, die nicht mit unterwegs waren warteten in ihrer Zelle auf deren Ankunft.
Irgendwie mag ich diesen Vigiltag von Epiphanie sehr gerne. Dieser lange Nachmittag in Erwartung und Schweigen - und dann der Weihrauchduft wohin man auch kommt...

Freitag, 4. Januar 2013

von Zielen und Verzichten

Passend zu meinem letzten Post fiel mir ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer in die Hände:

"Das Wesentliche an der Enthaltsamkeit ist nicht der Verzicht auf Lust, sondern die Ausrichtung auf ein Ziel."

Das sollte man bei jeder Art des Verzichtes - egal ob Vorsatz zum Neuen Jahr oder als Teil der Ordensgelübde - bedenken. Nur wenn ich weiß, mit welchem Ziel ich mich von diesem oder jenem enthalte, hat das Ganze überhaupt einen Sinn.

Vielleicht sollte ich also mal konkret überlegen: Was sind die Dinge auf die ich mit welchem Ziel verzichte?
  1.  Ich verzichte auf Filme mit dem Ziel meine Zeit sinnvoller zu nutzen, meine Verhaltensmuster grundlegend zu ändern und bewusster in der Wirklichkeit und der Gegenwart Gottes zu leben.
  2. Ich verzichte auf einen Partner und eine eigene Familie mit dem Ziel offener für alle meine Mitmenschen zu sein, ein Leben im Kloster geprägt von Gebet führen zu können und die Sehnsucht nach letzter Erfüllung immer zu spüren.
  3. Ich verzichte auf persönliches Eigentum und Karriere mit dem Ziel freier zu sein von allem, was mich ungut bindet, ohne Sorgen um meinen Status und mein Vermögen zu leben und Christus nachzufolgen, der für uns arm wurde.
Das sind wohl die drei Verzichte, die mir im Moment am schwersten fallen. Aber mit Paulus möchte ich sagen:
"Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt." (Phil 3,14)

Dienstag, 1. Januar 2013

Todesfall zum Jahresauftakt

Am Mittag habe ich noch mit einer Mitschwester darüber gesprochen wieviele Schwestern gestorben sind, seit ich eingetreten war. Und kurz darauf war es wieder eine mehr. Eine unserer über-neunzig-jährigen Mitschwestern ist heute, am 1. Januar gestorben.
Noch vor der Vesper war die Aussegnung, also die Übertragung des Sarges mit ihrem Leichnam von ihrer Zelle zum Aufbahrungsort. Dort singen wir dann zum Abschluss immer ein Lied mit dem folgenden Text:

Gib Leben unsrer Schwester, nimm auf sie in Dein Licht.
Herr, schenk ihr Dein Erbarmen, zähl' ihre Mängel nicht.
Gib, was Dein Sohn erworben durch Kreuz und schweres Leid;
schenk Frieden, Freude, Leben in Deiner Herrlichkeit.

Herr, schenke unsrer Schwester die sel'ge Ewigkeit;
Du wirst sie nie verlassen, auch in der Läut'rung Leid.
Herr, führe sie barmherzig durch alle Seelennot
und lasse sie bald schauen, Dich unsern guten Gott.

Wir werden alle sterben; die Zeit, sie fliegt dahin.
Den Tod wir alle erben; die Lebensuhr steht still.
Doch hoffen wir vertrauend auf Den, Der für uns litt,
Der unser Leben lebte, bei Gott für uns eintritt.

Herr, hilf uns so zu leben, dass wir einst sind bereit,
den letzten Weg zu gehen, hin zu der Ewigkeit.
Du willst uns ja beschenken mit Trost nach allem Leid,
drum wollen wir jetzt leben die Liebe in der Zeit.

Wir beten an den Vater, der uns voll Liebe schuf,
wir danken Seinem Sohne, der uns einst zu sich ruft.
Wir preisen auch die Liebe, wir preisen Gottes Geist,
Der uns den Weg zum Leben - ins Vaterhaus uns weist.