Donnerstag, 28. Februar 2013

Hommage

Auf der offiziellen Seite des Vatikans findet sich ab sofort ein elektronisches Buch, das dem Pontifikat Benedikts XVI. gewidmet ist. Darin finden sich Bilder und Zitate seiner Amtzeit jeweils mit einem Link zum entsprechenden Volltext. Sehr empfehlenswert!

Link zur Hommage à Benedictus XVI.

Abschied

Die Amtszeit unseres lieben Heiligen Vaters Benedikt XVI. ist zu Ende. Der Stuhl Petri verwaist. Zum letzten Mal wurden in der heutigen Messe während des Hochgebetes die Worte "...unserem Papst Benedikt, unserem Bischof...." gesprochen und ich habe genau hingehört. (Ich bin schon gespannt, wie es morgen heißen wird, denn einen Diözesanadministrator wie bei einem freien Bischofsstuhl gibt es so ja nicht.)
Dieser ganze Trubel um den Papst, angefangen mit seiner Ankündigung, dass er zurücktreten werde, hat - ich gebe es zu - meine Fernseh-Abstinenz ins Wackeln gebracht. Ein paar Nachrichten und Berichterstattungen konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. So auch gestern die Generalaudienz und heute seinen Abflug.

Um zwanzig Uhr haben dann unsere Glocken geläutet und nochmal alle daran erinnert, dass von diesem Moment an kein Papst mehr an der Spitze der Kirche steht.
Während der Komplet, die wir immer gegen acht Uhr beten, hatten heute die ersten Worte des "nunc dimittis" einen ganz besonderen Klang: "Nun lässt Du Herr, Deinen Knecht in Frieden scheiden..."

"Danke und Gute Nacht!"

Montag, 25. Februar 2013

Zuspruch zur rechten Zeit

Vor zwei Tagen hätte ich folgenden Dialog schreiben können:

"Hast du Angst?" -"Ja."

"Wie äußert sie sich?" -"Mit einem unangenehm beklemmenden Gefühl in der Magengegend."

"Wovor hast du Angst?" -"Ich weiß es nicht genau. Vor dem was kommt. Davor zu scheitern."

"Hast du kein Vertrauen?" -"Doch. Mein Verstand sagt 'Ich vertraue total und habe keine Angst', aber auf dem Weg vom Kopf zum Herz bleiben mir diese Worte im Hals stecken und das macht mir noch mehr Angst."

Mit dieser Stimmung machte ich meinen Computer an und das erste, was mir unter die Augen kam war dieser Post mit seiner Aufforderung zum Hoffen gegen alle Hoffnung.
Und als nächstes flatterte noch eine Botschaft von einem guten Freund, der lange nichts von sich hat hören lassen, in meinen elektronischen Briefkasten, die einfach sagte: "Ich denke an dich und bete für dich."
Einfach so.

Wie hat das gut getan!

kostbar: wahre Freundschaft, die trägt in allen Lebenslagen

Freitag, 22. Februar 2013

dieser Weg

Gerade bin ich im Internet über diesen Text gestolpert, der schöner, als ich es ausdrücken könnte, sagt, was ich denke:

Ich steh am Anfang eines Weges, seh nicht sein Ende nicht sein Ziel.
Ich sehe Kurven, sehe Schranken, und Hindernisse gibt es viel.
Die einen sagen: Du musst wagen, die andern: das wird dir zu viel.
Doch was sie mir auch immer sagen: Ich gehe fort in Richtung Ziel.

Ich werd es einfach mal versuchen, wenn es auch nicht so einfach geht.
Ich werd es einfach mal versuchen, auch wenn man mich nicht recht versteht.

Hab ich dann einen Berg erklommen, seh ich vor mir das weite Land,
ich spür ein Teil ist schon gewonnen und dank für jede Freundeshand.
Denn die mit mir gemeinsam gingen, sie gaben mir oft neuen Mut
Und wenn ich ihnen helfen konnte, so tat das auch mír selber gut.

Bin ich am Ende meies Weges, sag ich vielleicht: "Nun schaut mich an.
Trotz aller Zweifel aller Fragen, ich habs versucht und ich gewann,
und hätt's vielleicht ein ganzes Leben, umsonst versucht, wenn ich allein
auf meinem Weg gewesen wäre, drum will ich euer Freund auch sein!"

(Kathi Stimmer-Salzeder)

Ich weiß nicht, wo der Weg mich hinführt, doch ich gehe weiter, im Vertrauen darauf, dass ER bei mir ist.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Von der Schönheit des Augenblicks

Heute vormittag konnte ich durch mein Fenster diesen wunderschönen Blick genießen. Doch der Schnee, der gestern mal wieder gefallen war, hielt in der Sonne nicht lange durch und im Laufe des Tages lösten sich immer wieder mit deutlich vernehmbarem Grollen kleinere Schneelawinen, bis das Dach wieder ganz rot war.
Eines von unzähligen Beispielen, das uns mahnt genau hinzuschauen und den Moment zu genießen, denn schon im Nächsten kann alles anders aussehen.
So freue ich mich auch sehr über meinen momentanen Alltag, der jetzt, wo das Semester rum ist, wieder ein "normalerer Nonnen-Alltag" ist. Es ist wunderbar nicht mehr "Wochenend-Nonne" zu sein, sondern bis auf ganz wenige Ausnahmen wieder jeden  Tag den ganzen Tag im Kloster mit all den gemeinsamen Gebetszeiten zu sein.

Montag, 18. Februar 2013

Schweigen

Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir uns etwas Zurückhaltung auflegen beim Essen. In der gleichen Weise sollten wir uns auch bewusster zurückhalten beim Reden. Es ist eine Zeit der bewussten Umkehr und Hinwendung zu Gott. Des vertieften Gebetes und Suchens nach Seinem Willen. Und wir müssen still werden, um Seine leise Stimme zu vernehmen.
Das Schweigen war für mich eine der ersten und schwersten Lektionen im Kloster. Aus einer Welt kommend, in der immer Begleitmusik läuft - im Auto, im Wohnzimmer, im Einkaufsladen - war die Stille fast unerträglich. Besonders am Ende des Tages, wenn nach der Komplet das große Stillschweigen beginnt, hatte ich in den ersten Tagen das unheimlich große Bedürfnis jemanden anzurufen, um nicht allein zu sein in diesem Schweigen.
Nach einer Weile gewöhnt man sich an diese Stille und lernt sie zu lieben. Als ich nach drei Monaten zu Gast im Kloster wieder in meinen Alltag zurückkehrte fand ich Radio im Auto unerträglich und schaltete völlig gegen meine früheren Gewohnheiten ab. Plötzlich schätzte ich die Ruhe mehr als das Gedudel.
Die Fastenzeit gibt uns wieder neu Gelegenheit bewusst Momente der Stille zu suchen und zur Ruhe zu kommen.

Samstag, 16. Februar 2013

Fastenlesebuch

"Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit. Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten und gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen. Das geschieht dann in rechter Weise, wenn wir uns vor allen Fehlern hüten und uns um das Gebet unter Tränen, um die Lesung, die Reue des Herzens und um Verzicht mühen. Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinaus durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken. So möge jeder über das ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen in
der Freude des Heiligen Geistes Gott etwas darbringen; er entziehe seinem Leib etwas an Speise, Trank und Schlaf und verzichte auf Geschwätz und Albernheiten. Mit geistlicher Sehnsucht und Freude erwarte er das heilige Osterfest. Was aber der einzelne als Opfer bringen will, unterbreite er seinem Abt. Es geschehe mit seinem Gebet und seiner Einwilligung; denn was ohne Erlaubnis des geistlichen Vaters geschieht, wird einmal als
Anmaßung und eitle Ehrsucht gelten und nicht belohnt. Also werde alles mit Einwilligung des Abtes. In diesen Tagen der Fastenzeit erhält jeder einen Band der Bibel, den er von Anfang bis Ende lesen soll. Diese Bände werden zu Beginn der Fastenzeit ausgegeben."


 So heißt es in der Regel Benedikts zur Fastenzeit und so hören wir es jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit, wenn die sogenannten Fastenlesebücher ausgeteilt werden. Üblicherweise geschieht dies am Aschermittwoch. Aus verschiedenen Gründen war es diesmal ein paar Tage später. Die Äbtissin hält eine kurze Ansprache, dann wird der Regeltext vorgelesen und dann bekommt jeder ein Buch überreicht, das er im Laufe der Fastenzeit zu lesen hat. Ich bekam heute das Buch "Der Helfer" von Eugen Biser.

Freitag, 15. Februar 2013

Der Anfang...

... ist gemacht. Die erste Prüfung ist überstanden. Und damit eigentlich schon das Schlimmste geschafft. Denn meistens ist es ja so, dass wenn man erst einmal angefangen hat, dann geht der Rest ganz leicht.
Aber ich gebe zu, dass so eine vierstündige Klausur schon ziemlich schlaucht. Da freut man sich am Abend wieder so richtig aufs Bett.
Weihnachtsstern und Amaryllis, wie sie momentan in meiner Zelle blühen

Mittwoch, 13. Februar 2013

Aschermittwoch

Die Liturgie des heutigen Tages hat uns eindringlich aufgefordert unser Leben unter dem Blickwinkel seiner Vergänglichkeit zu betrachten. Wir treten ein in die Fastenzeit, die uns innehalten lässt. Die uns einlädt Überflüssiges wegzulassen und uns mit dem Notwendigen zufrieden zu geben. Die uns neu darüber nachdenken lässt, was wirklich wichtig ist im Leben.
Besonders angesprochen hat mich der Satz aus Psalm 94: "Heute, wenn ihr Seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht!" Er hat mich in allem Folgenden genau hinhören lassen: "Was sagt Er mir? - Was ist heute Seine Botschaft für mich?"
Dabei kann man Seine Stimme in verschiedensten Momenten und Situationen hören - wenn man genau hinhört. Aber wie kann ich es schaffen, dass ich mein Herz nicht verhärte? Dass ich kein verstocktes Herz habe wie selbst die Jünger Jesu, die doch Tag für Tag mit Ihm unterwegs waren und gerade das Wunder der Brotvermehrung gesehen hatten und doch nichts begriffen, als Er über das Wasser zu ihnen kam (vgl Mk 6, 45-52). Vielleicht ist es wie mit dem Dämon zu dessen Austreibung die Jünger nicht genug Kraft hatten. Manche Textzeugen geben an, dass Jesus dazu gesagt habe, dass diese Art nur mit Gebet und Fasten ausgetrieben werden könne. Vielleicht sind also genau diese beiden Dinge, das Gebet und das Fasten, die Instrumente, die wirkungsvoll dabei helfen, dass unsere Herzen nicht verhärten sondern weich und formbar und offen für Gott bleiben.

Ich wünsche allen eine gesegnete Vorbereitungszeit auf Ostern!

Montag, 11. Februar 2013

dieser Tag


Es war die Nachricht des Tages: der Papst kündigt seinen Rücktritt an. Die allermeisten wurden völlig überrascht. Aber einige wenige werden vielleicht sagen: Es konnte nur ein Antwort auf die Frage geben, an welchem Tag des Jahres der Papst zurücktreten würde - am 42. ;-) !
Ja, es ist der 42. Tag des Jahres. Eines Jahres ohne Filme, mit bisher drei Beerdigungen und 14 bevorstehenden Prüfungen für mich. Also vielleicht ein guter Zeitpunkt, um eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Ich könnte diese Zwischenbilanz (und vielleicht das ganze Leben?) unter die Überschrift stellen:
"Es läuft eigentlich alles nach Plan - ich muss nur immer wieder meinen Plan anpassen"
Manches von dem, was ich mir vorgenommen habe ist schwieriger als ich dachte. Zum Beispiel mein "nicht-mehr-auf-morgen-Verschieben". Gleich am ersten Abend hatte ich wieder mindestens fünf Dinge, die ich "morgen mache". Ich kann nicht sagen, dass mein Bemühen in dieser Hinsicht irgendeine Verbesserung gebracht hätte. Vielleicht muss ich mich einfach damit zufrieden geben, dass ich die Dinge dann erledige, wenn es nicht mehr anders geht.
Eine andere Sache war das Fasten. Die Psyche hat sich da als sehr trickreich herausgestellt. Bei dem Gedanken daran, dass ich ja am Abend nichts "richtiges" mehr zu essen bekomme, hatte ich gleich tagsüber viel mehr Hunger. Es hat einfach seinen Zweck in keinster Weise erfüllt und wurde wieder aufgegeben. Die Frage nach dem Fasten stellt sich natürlich mit dem herannahenden Aschermittwoch wieder neu, aber ich frage mich jetzt, so mitten in meiner Prüfungsvorbereitung, ob nicht wochen- und monatelanges Lernen vielleicht schon Fasten und Opfer genug ist...

Zurück zum Papst - natürlich war auch ich völlig überrascht von dieser Nachricht. Das Foto oben habe ich selbst im letzten Herbst bei einer Generalaudienz auf dem Peterplatz gemacht. So nah bin ich ihm mal gekommen. Und hätte nie gedacht, dass, bis ich wieder nach Rom komme, jemand anderes auf seinem Stuhl sitzen würde.
Er war mir sehr sympathisch. Er war klug und unglaublich bescheiden und irgendwie auch einfach süß. Ich gehöre zur "Generation Benedikt" in dem Sinne, dass er für mich der erste Papst war, den ich wirklich aktiv und bewusst miterlebt habe. Erst während seines Pontifikates habe ich mich bewusst für den katholischen Glaube und diese Kirche entschieden. Ich bin ihm sehr dankbar für alles, was er geleistet hat und wünsche ihm von Herzen alles Gute für die Zeit des Überganges und des Ruhestandes.
Beten wir für ihn und einen würdigen Nachfolger im Petrusamt!

Freitag, 8. Februar 2013

Gefühlslage


Es ist ein merkwürdiges Gefühl zur Zeit. Ich gehe meinen Weg und sehe noch ein Stückchen wo und und wie er verläuft, aber dann endet es abrupt und ich habe nicht den blassesten Schimmer wie es dort aussehen könnte.
Es ist, als würde ich auf einen Abgrund, eine Kante zulaufen und wüsste, dass ich dort eine Entscheidung treffen muss. Ein Entscheidung die den nächsten Jahren und womöglich Jahrzehnten eine Richtung geben wird. Aber wie ich mich entscheiden werde - das kann ich noch nicht sagen. Denn ob es einen Weg nach rechts oder links oder vielleicht ins Tal geben wird, das sehe ich erst wenn ich dort bin. Und ich kann nichts tun, um schneller zu dieser Kante zu kommen. Ich muss Schritt für Schritt gehen, auch wenn das bedeutet, dass es noch Wochen oder Monate dauert, bis ich mehr sehe.
Ich weiß nicht, was mich erwarten wird. Wird sich vor meinen Augen ein grünes lebendiges Tal auftun, oder treffen meine Augen auf eine trostlose Einöde?
Wieviele Wege wird es geben und in welche Richtungen?
Für was werde ich mich entscheiden?

Für den Moment bleibt nur eines: Geduld haben und einen Fuß vor den anderen setzen.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Vom zwischenmenschlichen Umgang

Letzte Woche sagte während eines Seminars jemand "Der Einwand von der Nonne war schon der beste....". Es folgte mehr oder weniger verlegenes Lachen der Seminarteilnehmer und mir wurde plötzlich bewusst, dass ich mit jemanden seit Monaten Woche für Woche zwei gemeinsame Seminare besuche, wir uns auch grüßen und ab und zu ein paar Worte wechseln, aber gegenseitig nicht einmal unsere Namen kennen.
Das hat mich betroffen gemacht. Kann es wirklich sein, dass ich mit so wenig Interesse für meine Mitstudenten - für meine Mitmenschen - durch die Gegend laufe? Auch wenn ich keine neuen besten Freunde suche, weil die Zeit an der Uni sowieso bald zu Ende ist, ist das doch ein echtes Armutszeugnis.

Ein anderer Aspekt des zwischenmenschlichen Umganges fällt mir in letzter Zeit zunehmend schwer. Ich bin viel draußen auf den Straßen unterwegs und wann immer ich mit jemanden im Vorübergehen Blickkontakt bekomme lächle ich ihn an und nicke kurz. Ich habe das Gefühl, dass immer weniger Leute darauf irgendeine Reaktion zeigen. Sicher - es gibt sie, die Ausnahmen - wenn jemand erst irritiert schaut und dann über das ganze Gesicht strahlt und zurückgrüßt. Dann scheinen all die enttäuschenden Begegnungen vergessen. Aber auf der anderen Seite passiert es so oft, dass die Leute mich nur unverwandt grimmig anschauen und weitergehen. Dann komme ich mir jedesmal vor wie der letzte Depp und ich merke, wie ich langsam auch anfange an Leuten einfach nur vorbeizugehen, ohne zumindest zu versuchen sie zu grüßen. Das macht mich traurig.

Dienstag, 5. Februar 2013

Der Umgang mit dem Tod


Wir alle verlieren Freunde und Angehörige durch den Tod. Und eines Tages trifft er uns selbst. Aber wie gehen wir damit um?
Ich kenne viele in meinem Alter, die noch nie in ihrem Leben den leblosen Körper eines toten Menschen gesehen haben. Manche von ihnen haben fast panische Angst davor, dass es einmal soweit kommen könnte.
Ich bin froh, dass mir diese Angst schon als Kind genommen wurde. Als ich zehn wurde starb meine Oma und wir sind mit der Familie ins Leichenschauhaus gegangen und haben uns von meiner Großmutter verabschiedet.
Wir hatten Anfang dieser Woche den dritten Todesfall in diesem noch jungen Jahr. Wie bei allen toten Schwestern vor ihr, ist mir auch bei ihr wieder aufgefallen, wie unglaublich friedlich ihr Gesichtsausdruck war. 

Sonntag, 3. Februar 2013

Wieso denn bloß?


einer unserer alten Gewölberäume
In Anknüpfung an den Tag des geweihten Lebens möchte ich gerne eine Frage aufgreifen, die hier gestellt wurde. Sie lautete: "Warum will man ein Leben führen, wie es im Kloster gelebt wird?".

Dazu muss man wohl erst mal die Frage beantworten: "Was für ein Leben wird denn im Kloster gelebt? Was ist das Charakteristische daran?"
Nun, zumindest im zönobitischen Mönchtum ist ein wichtiges Charakteristikum das Leben in Gemeinschaft. Entscheidend für diesen Zusammenschluss im Kloster ist weiterhin das gemeinsame Ziel. Die Ausrichtung dieses Lebens. Der Tagesablauf, die Regeln, alles ist ausgerichtet auf die persönliche und gemeinsame Gottsuche und Gottesbegegnung. Diesem Ziel wird alles zu- und untergeordnet. Das bedeutet, dass das Klosterleben vor allem geprägt wird durch die Gebetszeiten. Das gemeinsame 'Vor-Gott-stehen' und Psalmensingen, sowie die persönliche Begegnung mit Gott in der Lectio Divina, bilden die Stützpfeiler unseres Lebens. Diese erwachsen aus dem Fundament der Bibel - dem Worte Gottes - Jesus Christus selbst.
Diese Pfeiler tragen und nähren das klösterliche Leben - das gemeinsame Arbeiten, die Tischgemeinschaft, das gegenseite Dienen in Liebe.

Und warum will man nun so ein Leben führen? Es ist die Sehnsucht, die einen dazu treibt. Die Sehnsucht nach einem erfüllten und glücklichen Leben. Die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle - mit Herausforderungen und geprägt von der Liebe. Es ist die Sehnsucht nach Gott.

Samstag, 2. Februar 2013

Tag des geweihten Lebens


Da der Tag des geweihten Lebens in diesem Jahr auf einen Samstag fiel (an denen Priester abends gewöhnlich schon Termine haben...), fand die Vespermesse dazu bereits am gestrigen Freitag statt. Alljährlich sind dazu die Ordensleute und Priester aus Stadt und Umgebung eingeladen. In der Abteikirche singen wir gemeinsam die Vesper, es werden Kerzen gesegnet, mit brennenden Kerzen in der Hand und Lobpreis auf den Lippen machen wir eine Prozession durch den Kreuzgang, sie mündet in die Heilige Messe, in deren Anschluss alle zu einem einfachen Abendessen eingeladen sind.
Heute Abend gab es dann schon wieder einen alljährlichen Programmpunkt. Einmal im Jahr sind alle unsere Angestellten eingeladen mit uns einen Rosenkranz und die Komplet zu beten. Es ist immer wieder nett, wenn unsere kleine Kapelle so gefüllt ist und man ein paar kräftige Männerstimmen hört. Da das Gebet nicht in der großen Kirche stattfindet, hat es einen sehr familiären Charakter und es stärkt das gegenseitige Zugehörigkeitsgefühl.
Ich habe mit dem Rosenkranz gebetet, den ihr oben im Bild seht. Letztes Jahr beim monastischen Kurs in Rom hat mich ein Mitbruder gefragt was denn meine Lieblingsfarbe sei. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und geantwortet, dass ich eigentlich alle Farben gerne mag - und am liebsten bunt. Am nächsten Tag drückte er mir dann diesen Rosenkranz in die Hand. Er hat ihn am Abend für mich geknüpft - als Namenstagsgeschenk. Ich war richtig gerührt und habe mich total gefreut. So ein schön bunter Rosenkranz!