Dienstag, 30. Juli 2013

ankommen

ist eben doch mehr, als plötzlich körperlich an einem bestimmten Ort zu sein. Mehr als mit dem Fuß eine Schwelle zu überschreiten. Es braucht seine Zeit. Und so langsam fange ich an etwas aufzutauen. Die innere Starre beginnt sich zu lösen - wenn auch sehr langsam. Bis ich richtig angekommen sein werde, wird es noch eine ganze Weile dauern. Aber das macht nichts. Ich habe Zeit. Ich nehme mir die Zeit und lasse mir Zeit.
Wenigstens konnte ich diese Nacht zum ersten Mal hier durchschlafen. Die vergangenen Nächte machten mir die Stechmücken und die Hitze ganz schön zu schaffen. Jetzt hat es etwas abgekühlt und ich habe ein Fliegengitter vor dem Fenster. In einigen Tagen werde ich auch an meinem neuen Arbeitsplatz in der Klosterbibliothek Internetzugang haben und wenn ich es dann noch irgendwann geschafft haben sollte allem, was ich mitgebracht habe ein neues zu Hause zu geben, und eine aufgeräumte Zelle zu haben, dann werde ich wohl schon halb angekommen sein.
Ansonsten hilft mir, dass ich jetzt in die Arbeit mit eingebunden bin. Morgens bin ich in dieser Woche für das Spülen zuständig, am Vormittag arbeite ich an unserer Zeitschrift und am Nachmittag bin ich im Garten beschäftigt. So kann ich mir gut vorstellen, dass ich in ein bis zwei Wochen ganz da bin - pünktlich zu meiner Abreise nach Rom in drei Wochen...

Sonntag, 28. Juli 2013

Ein Übertritt ist anders...

...ganz anders, als ein Eintritt. Beim Übertritt in ein anderes Kloster gibt es keine überschwengliche Begeisterung, keine Euphorie, keine riesige Freude. Es ist kein neuer Lebensabschnitt, den man schon mit großer Spannung erwartet und ersehnt hat. Es steht nicht mehr die Frage im Raum, ob das Klosterleben das Richtige für einen ist. Und irrgendwie ist die ganze jugendliche Leichtigkeit dahin.
Bei meinem Klostereintritt hatte ich gerade eine Sache erfolgreich abgeschlossen (das Studium) und konnte frisch und frei in das Neue "hineinstürzen". Der Übertritt dagegen ist ein Neu-Anfangen, nachdem ein Lebensprojekt gescheitert ist. Ich trat ein, um zu bleiben. Und ich bin nicht geblieben. Ich habe die "Sache" (ein Leben lang in diesem Kloster zu bleiben) nicht erfolgreich abgeschlossen. Im Gegenteil - ich habe Hoffnungen enttäuscht und geliebte Menschen verletzt. Und keiner kann mir sagen, ob ich jetzt am richtigen Ort angekommen bin. Ich bin zwar innerlich sicher, dass es die richtige Entscheidung war zu gehen, aber ob es richtig war hierher zu gehen, das weiß ich nicht.
Es ist ein freudloser Neuanfang. Ich fühle mich wie betäubt. Ich bin hier, nehme am Leben teil, aber fühle nichts. Und ein Psalmvers steigt immer wieder in mir hoch:
"Meine Gefährten hast Du mir entfremdet, mein Vertrauter ist nur noch die Finsternis."
Ich nehme diese Finsternis in mir wahr und habe doch keine Angst - keine Zweifel an Gottes gütiger Gegenwart, die ich im Moment nicht spüre.

Mittwoch, 24. Juli 2013

Abschied

Die Kisten und Koffer füllen sich und schon in zwei Tagen ist meine Abreise. Auf den Tag genau fünf Jahre nach meinem ersten Abschied von hier, nehme ich wieder Abschied. Damals nach drei Monaten Kloster auf Zeit und diesmal nach drei Jahren Mitschwester-Sein. Ich gehe mit gemischten Gefühlen. Da ist sowohl Vorfreude auf das, was vor mir liegt, als auch Wehmut.
Es ist schon merkwürdig von hier wegzugehen. Ich war mir doch so sicher vor einigen Jahren, dass ich meinen Platz im Leben gefunden habe. Dass dies hier genau das Richtige für mich ist. Es scheint mir, als könnte ich eine solche Sicherheit nie mehr erlangen, da ab jetzt, immer, wenn sich ein solches Gefühl einstellt, mein Verstand sagen wird: "Das war damals auch so, und dann war es doch nicht das Richtige."
Nach wirklich vielen Monaten gründlichen Überlegens und Betens ziehe ich nun um - von einem Kloster ins andere - von einer Gemeinschaft in die andere - von einem Bundesland ins andere - und ich weiß nicht, wie es wird.
Aber wie der Psalmist so schön sagt: "Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht."

Samstag, 20. Juli 2013

Schwester!

Eigentlich bin ich es ja schon gewohnt, dass mir die Leute Fragen stellen, auf die ich keine Antworten weiß. Man sieht mein Ordensgewand und denkt irgendwie ich müsste jede Straße und jeden Termin kennen. Aber gestern wurde ich von einer neuen ungerechtfertigen Kompetenzzuweisung ziemlich überrascht.
Ich habe eine Mitschwester im Krankenhaus besucht. Auf dem Gang kam mir eine Dame mit recht verzweifeltem Blick entgegen und fing sogleich an: "Schwester! Hier, da tut es weh..." Es ist zwar richtig, dass ich Schwester bin - aber Krankenschwester bin ich damit noch nicht automatisch. Tja, da hilft nur das freundliche Verweisen auf das richtige Personal.

Mittwoch, 17. Juli 2013

habitare secum

Dieses "In-Sich-Ruhen", das einem ermöglicht wirklich ganz daheim zu sein, bezeichnet die Tradition mit dem Begriff des habitare secum - bei sich selbst wohnen. Um bei mir selbst zu wohnen muss ich gerne und viel bei mir und mit mir allein sein. Ich muss allein sein können, ohne einsam zu sein. Wenn ich die Stille und das Alleinsein nicht ertrage und immer, sobald ich es bin, das Radio oder den Fernseher einschalte, um es nicht zu spüren, dann laufe ich vor mir selbst weg. Ich weigere mich, Zeit mit mir zu verbringen und mich so besser kennen zu lernen. Ich treibe einen Keil in mein Inneres und werde mir selbst fremd. Ich lenke mich ab und umgebe mich mit der Gesellschaft von realen und virtuellen Personen. Es ist soviel einfacher so.
Es kostet Überwindung und Einübung bei sich selbst zu wohnen. Denn wenn man nie zu Hause ist, dann ist die Wohnung zunächst wüst und leer. Es ist mühsame Arbeit sie zu reinigen und sich darin so einzurichten, dass man sich rundum wohl fühlt. (Und aufräumen war noch nie meine Stärke...)
Ich sehne mich nach diesem habitare secum und zugleich laufe ich immer wieder weg und mache für einige Tage oder Wochen "Urlaub" auswärts, sodass alles wieder chaotisch und verwüstet ist, wenn ich zu mir zurückkehre.

Sonntag, 14. Juli 2013

Was ist eigentlich Heimat?

irgendwie verloren in Bruchstücken...
Ist die Heimat die Gegend, in der man aufgewachsen ist? Was ist dann, wenn man schon als Kind immer wieder umgezogen und an ganz verschiedenen Orten gewohnt hat?
Ist meine Heimat dort, wo ich meinen Erstwohnsitz angemeldet habe? Dort, wo meine Liebsten wohnen?
Ich habe das Gefühl, als gäbe es mehrere Orte, die für mich Heimat sind - an denen ich mich heimisch fühle. Da ist die Heimat meiner Kindheit, meines Studiums, meines Ordenslebens... und gleichzeitig fühle ich mich irgendwie heimatlos. Wo gehöre ich hin?
Im Philipperbrief schreibt Paulus: "Unsere Heimat aber ist im Himmel." Kann ein Ort meine Heimat sein, an dem ich noch nie war?
Obwohl - vor einiger Zeit habe ich hier geschrieben, dass der Himmel in mir ist. Das heißt dann wohl auch, dass meine Heimat in mir ist. Wenn ich ganz bei mir und in mir in Ruhe bin, dann bin ich daheim. Und das geht an jedem Ort dieser Welt.
Wenn ich mich also heimatlos fühle, so ist dies vielleicht einfach ein deutlicher Hinweis darauf, dass ich gerade nicht in und bei mir bin, bzw. ruhe.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Darstellung des Todes des Heiligen Benedikts von Nursia in Monte Cassino

In dieser Woche stand für mich mittags immer Pfortendienst auf dem Programm. Ein Aufgabe, die ich gerne mache, auch wenn ich nicht, wie Benedikt es eigentlich verlangt, eine "weise ältere Schwester" bin (vgl RB 66). 
... Hm, ich lese gerade in diesem Kapitel der Regel den Satz: "So brauchen die Mönche nicht draußen herumlaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut." Etwas, das ich in weder im Verlauf des letzten Jahres, noch des vergangenen Tages besonders gut beherzigt habe. Heute kamen meine Eltern kurz zu Besuch und wir waren Spazieren. Es war sehr schön und ich hoffe mal, dass der Heilige Benedikt, dessen Hochfest wir heute gefeiert haben, mit einem Lächeln auf uns geschaut hat.
Mit meinem Räumen und Sortieren bin ich jetzt fast fertig. Ich habe praktisch den kompletten Inhalt all meine Schränke, Regale und Schubladen einmal auf den Kopf gestellt. Dabei fiel mir auch eine Geburtstagskarte einer Freundin in die Hände, in der das folgende Gebet von Hermann Orgaß steht (danke Gertie!):

Vater! In Deine Arme!
Du bist der Urgrund der Erde
Du bist die Fülle im Raum.
Wandernde Wolken und Sterne
sind deines Mantels nur Saum.
Nirgends entflieh ich Dir,
Überall Du!
Vater, aus Ewigkeit
Winkst Du mir zu.

Christus! In Dein Herz!
Du bist die Mitte der Seele
Du bist im Herzen der Strom.
Alles was atmet und lebet
Baut Dir den mystischen Dom.
Alle ein Leib in Dir,
Du bist das Herz.
Du aller Mensch Freud
Du aller Schmerz.

Heiliger Geist! Unter Deine Flügel!
Du bist der Winde Winde.
Du bist der Wärme Quell.
Du aller Geister Geist,
Du maches die Erde hell.
Alles was heilig ist,
Eint sich in Dir
Liebend in Deinem Glück
Enden auch wir.

Dienstag, 9. Juli 2013

Wühlen im eigenen Leben

Nachdem der Lebensabschnitt Studium vorüber ist, bin ich nun dabei alles, was ich in meiner Zelle habe, durchzuschauen. Ich sortiere alles, was ich noch brauche und sortiere aus, was ich nicht mehr brauche. Es ist erstaunlich, was sich in der kurzen Zeit von drei Jahren alles ansammelt und wie wenig man davon eigentlich braucht. Es hat auch etwas von einer spannenden Entdeckungsreise. Immer wieder stoße ich auf Dinge, die mich an etwas erinnern, an das ich schon länger nicht mehr gedacht habe.

Ich fand unter anderem eine der Einladungen zu meiner Einkleidung. Auf der Außenseite ist ein Bild vom Guten Hirten und auf der Innenseite steht der folgende Text:


Ich kann nicht alles,
Ich weiß nicht alles,
Ich verstehe nicht alles,
Ich bin nicht aus eigener Kraft.

Doch Gott, der Schöpfer aller Dinge,
kennt mich,
umsorgt mich,
trägt mich,
und führt mich an Quellen des Lebens.

Er ist der gute Hirte,
dem ich vertraue,
dem ich mich anvertraue.

Sonntag, 7. Juli 2013

Urlaub vorbei

Ich bin wieder zurück und der Urlaub ist vorbei. Schön war's und hier gibts noch ein paar Bilder zum Nachklingen...

So ein See fast vor der Haustür - was könnte man mehr für einen perfekten Urlaub wollen? Hinradeln, reinspringen und pünktlich zum Chorgebet wieder zurück sein - so geht Erholung!


Eine der Rosen im Klostergarten


Am Abend in der Laube in der Mitte des Labyrinths



ohne Worte