Samstag, 31. August 2013

Meine Schuld

Es war ganz interessant. Ich habe einen der hier anwesenden Patres gebeten mir die Beichte abzunehmen. Und er hat nach meinem Sündenbekenntnis etwas gesagt, das mir sehr gut getan hat. Es war etwa folgendes:
"Es ist allein deine Schuld. Du musst das wieder gut machen. Die Umstände haben es zwar vielleicht erschwert das Richtige zu tun, aber deine Handlungen liegen deiner Verantwortung."
Wie schnell und leicht sind wir doch meistens damit damit uns irgendwie herauszureden. Ich habe zwar das und das getan, aber es war ja auch so, dass... und so weiter. Und oft habe ich auch in Beichten dann vom Priester Dinge der Art: "Das ist doch in der Situation ganz verständlich", oder "Unter den Umständen ist das normal" und so weiter gehört. Es mag sein, dass es manchmal richtig ist das zu sagen. Wir müssen keine Skrupulanten werden. Aber in dieser Woche war es für mich gut zu hören: "Das ist deine Schuld. Du trägst die Verantwortung."
Denn das hieß insbesondere: "Es liegt in deiner Hand. Geh und mach es jetzt besser."
Es hilft mir sehr dabei, es jetzt besser zu machen.

Donnerstag, 29. August 2013

Was mir fehlt

Einige Studenten des Corso di Formazione Monastica 2013
Eigentlich könnte man meinen, dass mir nichts fehlt - dass ich alles habe, was ich brauche. Ich bin in Rom - einer wunderschönen Stadt - gemeinsam mit unglaublich netten jungen Ordensleuten aus dem ganzen Erdkreis und habe die Gelegenheit interessante Dinge zu lernen. Unser Kurs zur monastischen Weiterbildung hat am Montag begonnen und so sitzen wir jetzt Tag für Tag und Stunde um Stunde in unserem Vorlesungssaal (Bild von http://cisterciensia.blogspot.de) und lauschen den Professoren. In den ersten Tagen haben wir schon viel über die Geschichte des Ordens, über die Psalmen und ihre Auslegung und Verwendung in der Liturgie und über mittelalterliche Briefe, insbesondere die von Bernhard von Clairvaux gelernt. Was könnte mir da also fehlen?
Ich bin wirklich dankbar, dass ich hier sein darf - keine Frage - aber das, was mir fehlt ist der Alltag. Ich liebe den wohltuenden und tiefgehenden Alltag des monastischen Lebens. Und hier ist einfach vieles anders. Wir haben weniger und kürzere gemeinsame Gebetszeiten, beim Mittagessen wird immer gesprochen und man weiß, dass man nur für einige Wochen und nicht für viele Jahre miteinander lebt. Nach den Uni-Prüfungen, dem Umzug und dem "gerade-erst-angekommen-sein" sehne ich mich jetzt mehr nach stinknormalem Alltag, als nach weiterer wissenschaftlicher "Fütterung". Aber ich weiß ja, dass er kommen wird, und so genieße ich die Zeit, die ich hier verbringen darf und freue mich schon darauf wieder zurück nach Deutschland - zurück ins Kloster - zu kommen.

Montag, 26. August 2013

R.I.P.

 
In den letzten beiden Tagen haben mich vier Todesnachrichten erreicht. Und ich denke, dass dieses Wort des Heiligen Franziskus für alle vier sehr treffend ist. Sie waren in unterschiedlichen Lebenssituation, unterschiedlich vom Alter her, aber für sie alle war der Weg zuletzt mühsam. Mögen Sie eingegangen sein in das Reich des Lichtes und der ewigen Freude!

Freitag, 23. August 2013

ER ist da für mich.

Jesus und zwei Kinder in der Kirche S. Cecilia
Es gibt Plätze in Rom, die muss man als Tourist einfach besichtigen, es gibt Ansichten, die hat jeder schon gesehen. Aber neben den Hauptattraktionen gibt es viele weitere Kleinode zu entdecken. In der Kirche Santa Cecilia habe ich zum Beispiel kein Foto von der Statue der heiligen Cäcilia gemacht. Das Motiv ist so bekannt, es gibt unzählige Postkarten und Bilder davon, da muss ich nicht auch noch eins machen.
Aber ziemlich versteckt an einer Seitenwand über einer Grabplatte findet sich diese Jesusfigur. Wahrscheinlich gehen viele Touristen in diese Kirche rein und wieder raus, ohne sie überhaupt zu entdecken, oder weiter zu beachten, aber mich hat sie total berührt. Vor einem Jahr als ich sie entdeckte stand ich lange davor und sie war der Grund, warum ich dieses Jahr unbedingt wieder in diese Kirche wollte. Da ist der Junge, der so aussieht, als weint er und trocknet sich die Tränen mit dem Gewand Jesu. Über seinem Kopf schwebt beruhigend und segnend die Hand Jesu. Dieser Junge zeigt mir, wie ich in aller Trauer, jeder Verzweiflung und jedem Schmerz zu Jesus kommen kann. Zu seinen Füßen finde ich Trost.
Und dann dieses Mädchen! Es hängt sich geradezu an Jesus und will offensichtlich von ihm hochgehoben werden. Es steckt so viel Zutraulichkeit in dieser Bewegung. Und ganz sanft liegt seine Hand auf ihrem Kopf.
Mal bin ich mehr wie das Mädchen: begeistert und nach oben strebend. Und dann wieder mehr wie der Junge: traurig und niedergedrückt. Aber immer ist Jesus da für mich. ER ist der Fels, auf den ich baue.

Donnerstag, 22. August 2013

Geschmackssachen

Ob etwas gefällt oder nicht, ist bekanntlich Geschmackssache. Das gilt insbesondere für Kirchen. Der eine mag es lieber romanisch, der nächste barock, der nächste gotisch und wieder ein anderer lieber modern. In Rom findet man Kirchen aus ziemlich jeder Zeit in allen möglichen Variationen, da ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.
Aber bei der kleinen Tour am heutigen Nachmittag bin ich auf etwas gestoßen, von dem ich glaube, dass es wohl so ziemlich jeder geschmacklos findet. Man schaue sich mal dieses Foto an:
"Kerzenständer"
In manchen Kirchen finden sich vor jedem Seitenaltar, in jeder Nische, solche "Kerzenständer". Vorne ist ein Schlitz, in den man eine Münze einwerfen kann und sogleich geht in einer der Plastikkerzen ein elektisches Licht an. Mag sein, dass das praktischer ist, weil man keine Probleme mehr mit Ruß und Wachs hat, aber das ist doch einfach nur furchtbar, oder? So ein in Plastik gepacktes Elektro-Licht kann doch niemals eine echte brennende Kerze ersetzen!

Mittwoch, 21. August 2013

a Roma, a casa

Innnenhof unseres Generalats
Eigentlich fliege ich gerne. Aber heute war ich einfach nur froh, als wir endlich gelandet waren und wir dann sogar irgendwann aussteigen durften. Was Organisatorisches betrifft, ist Italien eben nicht Deutschland. Naja, es sei ihnen verziehen - sie haben dafür andere Stärken.
Heute hieß es also für mich mal wieder: "Benvenuti a Roma". Die Ewige Stadt hat mich wieder und ich bin in unserem Casa Generalizia. Zum dritten Mal und jedes Mal sehr gerne. Der Kurs beginnt erst am Montag und so ist es noch leer im Haus. Bei der Komplet heute Abend waren wir nur zu fünft, in wenigen Tagen werden wir dann über fünfzig sein.
Ich freue mich sehr darauf all die guten Bekannten vom letzten Jahr, meine lieben Mitschwestern und Mitbrüder aus der ganzen Welt wiederzusehen. Irgendwie ist es hier für mich schon so etwas wie ein zweites zu Hause.

Sonntag, 18. August 2013

Das neue Leben

Ihr habt es schon gemerkt, dass die Frequenz meiner Beiträge deutlich zurückgegangen ist. Ein dickes Entschuldigung an alle, die jeden Tag darauf warten. Das geht einfach nicht mehr.
Das Leben hier in meinem neuen Kloster ist in vielerlei Hinsicht anders, als das zuvor. Irgendwie habe ich viel weniger Zeit und insbesondere auch viel weniger das Bedürfnis Zeit am Computer zu verbringen. Ich genieße es sehr morgens früher aufzustehen, das Ruhegebet zu beten, das ich letztes Wochenende (kennen-)lernen durfte, in die noch dunkle, nur von einer Kerze matt erleuchtete Kirche zu gehen, nach einer Weile der Stille die Laudes mit meinen Mitschwestern zu singen, nach dem Frühstück in der Bibliothek die Lectio Divina zu halten, dann zur Messe zu gehen, um Gottes unglaubliche Nähe und Güte zu feiern und danach die Arbeitsaufträge für den Tag entgegenzunehmen. Der Tag ist meist bis zur Vesper gut mit Arbeit jeder Art gefüllt und dann ist wieder gemeinsames Programm bis zur Komplet. Und die Zeit nach der Komplet ist mir vor allem deshalb kostbarer geworden, weil ich jetzt sehr viel früher schlafen gehe.
Dieser Rhythmus und die für mich damit verbundene stärkere Ausrichtung auf Gott tun mir sehr gut.
Doch übermorgen werde ich schon wieder herausgerissen - es geht auf Reisen und für einige Wochen werde ich wieder einen völlig anderen Alltag haben.
Aber davon dann später mehr, wenn es soweit ist.

Ich hoffe, dass Ihr alle einen schönen und gesegneten 15. August hattet. Das Hochfest der Himmelfahrt Mariens ist in unserem Orden ja ein besonders hohes Fest und es wurde würdig begangen. Mit sehr gutem Essen zu Mittag und einer Lichterprozession mit der Gemeinde bei Sonnenuntergang.

Zum vor der Tür stehenden Bernhardsfest wird es sogar ein Grillen im Kloster geben. Da bin ich schon gespannt.

Mittwoch, 14. August 2013

Jeden Tag Braut

Hier ziehen wir mehrmals am Tag zum Chorgebet von ganz hinten durch den Mittelgang der Kirche zum Chorgestühl im Altarraum. Wir gehen prozessionaliter, also immer zwei und zwei. Da ich die Jüngste bin, gehe ich immer in der ersten Reihe. Vor mir also nur der leere Gang, links und rechts die gespannt wartenden Leute und neben mir jemanden, der mich begleitet, muss ich jedesmal an eine Hochzeit denken. An den Einzug der Braut. Und so fühle ich mich wie eine Braut, die zum Altar schreitet. Meinem göttlichen Bräutigam entgegen. Und das jeden Tag wieder aufs Neue.
Es ist erhebend und jedes Mal durchströmt mich dabei große Freude und tiefes Glück.
Übrigens finden an den Wochenenden hier häufig Hochzeiten statt und einmal als ich über das Gelände lief, an einer Hochzeitsgesellschaft vorbei und ziemlich in Eile, rief mir einer der Gäste zu: Sie kommen ja noch zu spät zu Ihrer Hochzeit! Ich fragte völlig verdutzt zurück: Zu meiner Hochzeit?
Bis heute weiß ich nicht, wie er das gemeint hat, aber immer mal wieder muss ich daran denken. Jesus erzählt ja auch das Gleichnis von den törichten Jungfrauen, die zu spät zur Hochzeit kommen und keinen Einlass mehr finden. Er warnt uns wachsam zu sein, da der Bräutigam zu einer Stunde kommt, da wir es nicht erwarten.
Ja, ich will Ihn wachend erwarten und weiß, dass Er mir darin schon zuvorkommt. Wo immer ich hinkomme - Er ist schon da. Mein ganzes Leben will ich auf Ihn ausrichten, denn ich bin eine Braut Christi.
Und das ist wunderbar.

Sonntag, 11. August 2013

losgelassen

Dieses Wochenende war ganz wichtig für mich. Ich durfte an einem Kurs teilnehmen, und uns wurde unter anderem erzählt, wie die Einheimischen in Afrika eine bestimmte Affenart fangen. Diese Affen lieben eine Frucht ganz besonders heiß und innig. Sie gieren regelrecht danach. Die Einheimischen, die darum wissen, präparieren leere Kokosnüsse. Sie machen Löcher in einer bestimmte Größe in die Nuss und geben von der Frucht hinein. Die so präparierten Fallen werden aufgehängt. Entfernen sich dann die Menschen und beobachten aus einiger Distanz das Geschehen, so sehen sie, wie die Affen langsam neugierig näher kommen, sich umschauen und wenn sie die Luft für rein halten, begeistert die Hand in die Kokosnuss stecken, um die Frucht herauszuholen. Allerdings sind die Löcher so gemacht, dass die Hände der Affen mit den Früchten darin nicht durchpassen. Ihre Hand - und damit sie - sind so lange gefangen, wie sie die Frucht festhalten. Sie müssten eigentlich nichts weiter tun, als die Frucht loslassen, und schon wären sie frei.
Aber sie wollen diese Frucht so unbedingt haben, dass selbst dann, wenn sich die Menschen nähern und die Gefahr immer größer wird, an der Frucht festgehalten wird.
Und genau so wie diesen Affen geht es uns auch oft. Wir wollen etwas so unbedingt haben, dass es uns regelrecht gefangen hält. Als ich die Geschichte hörte, da wurde mir plötzlich klar, dass ich in meinem Inneren eine Idee, einen Plan habe, an dem ich mich festklammere und der mich darin hindert frei zu sein und wirklich hier anzukommen. Ich betete zwar immer: "Herr, dein Wille geschehe. Mach mit mir, was dir gefällt!" Aber im Hinterkopf war dabei immer der Wunsch, dass am Ende der Wille Gottes das sein möge, was ich will. Ohne, dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre.
Als ich also die Geschichte der Affen hörte, da war mir klar, dass ich loslassen muss, dass ich die Hand öffnen muss und plötzlich war ich frei. Gelöst. Und konnte ankommen. Jetzt bin ich wirklich hier und kann mit einer ganz neuen Aufrichtigkeit beten "Herr, dein Wille geschehe." Obwohl ich schon vorher dachte ich würde die Hingabe leben, spüre ich jetzt, dass sie eine ganz neue Stufe erreicht hat.

Mittwoch, 7. August 2013

erste Etappe geschafft

Seit eineinhalb Wochen bin ich nun hier. Ich habe die erste Grippe und den ersten Besuch hinter mir. Wobei mich natürlich die Grippe weniger und dafür der Besuch umso mehr gefreut hat. Und mittlerweile hängt an meiner Tür ein Täfelchen mit meinem Namen. Ich bin also irgendwie schon hier zu Hause. Aber so anfühlen tut es sich noch immer nicht.
Immerhin merke ich, dass es mir gut tut hier zu sein. Die leicht andere Tagesordnung und vor allem das Zusammenleben mit deutlich weniger Schwestern sind eine Wohltat für mich. Auch wenn eine meiner Aufgaben in dieser Woche zunächst einmal ziemlichen Stress bedeutete. Ich habe in dieser Woche das Tischdienen und das gleich nach nur einer Woche zu übernehmen kam eigentlich einer Überforderung gleich. Aber jetzt, nachdem ich einige Tage überlebt habe, legt sich der Stress und die Anspannung dabei und es ist kein Problem mehr. Ab und zu wird man halt ins kalte Wasser geworfen und kann wieder mal an seine Grenzen und darüber hinaus gehen.