Samstag, 21. September 2013

Der Blick Jesu

Gestern ist mir in zwei Texten der Blick Jesu begegnet und beide Texte haben mich sehr berührt. Das erste war am Morgen die Kapitelansprache unseres Generalabtes. Hier ein Ausschnitt dieser Ansprache:

"Die wahre christliche Schönheit ist nicht die, welche man anschaut,  welche die Blicke auf sich zieht, sondern die, welche schaut, die auf alle und alles den selbstlosen Blick Gottes ausstrahlt, der in jeder Person ein von Gott und für Gott geschaffenes Herz sieht, ein Herz, das Schmerz und Freude empfindet und sich immer danach sehnt zu lieben und geliebt zu werden.
(...) Wie ich schon gesagt habe, besteht die christliche und monastische Schönheit nicht im Gesehenwerden, sondern im Sehen, im Schauen. Wie die Schönheit Jesu. Keines der Evangelien sagt uns etwas über seine Augenfarbe, ob er blond oder braun war, und auch nicht, ob er besonders schön gewesen ist. Vielleicht war er klein und dick und hatte vorstehende Zähne. 
Aber die Evangelien sprechen dauernd vom Blick Jesu, von der Art, wie er die Menschen ansah. Das war es, was an ihm Eindruck machte, das war seine Schönheit. 
Auch am Kreuz, wo man ihn nicht mehr ansehen mochte, weil er so entstellt und geschunden war, wie Jesaja schreibt (vgl. Jes 52,14; 53,23), hatte er noch einen liebenden Blick für den reumütigen Schächer, für Maria, Johannes, für den römischen Hauptmann und die Menge, die ihn verhöhnte."

Später am Tag las ich das Interview mit Papst Franziskus. Das ganze Interview ist absolut lesenswert und man kann nicht anders, als Franziskus dankbar zu sein für diese Worte. Aber ganz besonders berührt haben mich auch hier die Worte, die vom Blick Jesu sprechen:

,Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.‘ Und er wiederholt: „Ich bin einer, der vom Herrn angeschaut wird. Meinen Wahlspruch Miserando atque eligendo habe ich immer als sehr zutreffend für mich empfunden.“
Der Wahlspruch des Papstes stammt aus den Homilien des heiligen Beda Venerabilis, der in seinem Kommentar zur Episode der Berufung des heiligen Matthäus schreibt: „Jesus sah einen Zöllner, und als er ihn liebevoll anblickte und erwählte, sagte er zu ihm: Folge mir!“

Freitag, 20. September 2013

Die Angst vor dem Fortschritt

Er öffnete sich total und erzählte mir mit Tränen in den Augen:
"... und als diese Versuchung kam, dachte ich daran, dass wenn ich stark bin, eine andere kommen würde, die noch schlimmer ist und bekam Angst - also fing ich an, mit dem Feuer zu spielen ..."

Plötzlich wurde mir bewusst, dass auch andere diese Angst vor dem geistlichen Fortschritt kennen. Immer wieder hören wir, dass die Versuchungen häufiger und heftiger kommen, wenn man auf dem geistlichen Weg voranschreitet - dass der Weg immer schwerer wird. Das macht Angst und man meint mehr als im Moment kann man unmöglich ertragen, also begeht man lieber gleich eine Sünde...

Wenn wir dagegen Sport betreiben, dann wissen wir genauso, dass es mit jedem Sieg schwieriger wird. Wir wissen, wenn wir die Kreismeisterschaft gewinnen, dann wird der Kampf auf der Landesmeisterschaft härter. Und trotzdem geben wir nicht gleich auf. Je härter der Wettkampf wird, desto mehr regt sich unser Ehrgeiz. Wir trainieren und bereiten uns vor und tun was wir können, um bis zur Weltmeisterschaft zu kommen.

Aber wenn wir hören, dass nach einer bestandenen Prüfung im geistlichen Leben eine schwierigere kommt, dann bekommen wir Angst und treten im schlimmsten Fall ein paar Schritte zurück.

Ich glaube, dass es zwei Dinge gibt, die uns dabei helfen können diese Angst vor dem Fortschritt zu überwinden.
Das erste ist das Leben im hic et nunc. Also nur das hier und jetzt vor Augen. Jesus sagt uns: "Sorgt euch nicht um morgen, denn jeder Tag hat genug eigene Plage." Ich muss also nur für heute stark sein. Nur heute widerstehen und nicht daran denken, was danach kommen könnte. Mir jeden Morgen neu vornehmen: "Nur heute das Richtige tun."
Das zweite ist das Vertrauen. Die Heilige Schrift sagt uns, dass wir nicht über unsere Kraft hinaus versucht werden. Wenn wir aus Angst vor Fortschritten Rückschritte machen, dann drücken wir damit unser Misstrauen Jesus gegenüber aus. Wir zeigen Ihm, dass wir besser wissen als Er, was die richtige Geschwindigkeit für uns ist, und dass wir Ihm nicht glauben, dass Er uns die nötige Kraft gibt für das, was kommt.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem geistlichen und dem sportlichen Kampf. Der Schlüssel ist die Aussage des Heiligen Paulus, der sagt: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir." Im geistlichen Kampf sind wir nicht um so stärker, je mehr wir trainiert haben und je besser wir selbst sind, sondern wir sind jeweils so stark, wie wir Jesus in uns Raum geben, damit nicht wir, sondern Er für uns kämpft. Fortschritte im geistlichen Leben machen heißt immer mehr sagen zu können: "Nicht mehr ich kämpfe, sondern Christus kämpft in mir." Und je mehr das wahr ist, desto häufiger und heftiger können die Versuchungen werden, ohne uns etwas anzuhaben, den Christus siegt immer.
Deshalb brauche ich keine Angst zu haben.
 Hier und jetzt darf ich immer IHM vertrauen.

Donnerstag, 19. September 2013

Gott liebt die Jugend

Die Lesung der heutigen Messe ging mir durch und durch. Ich hatte gestern erst einen Traum und dann ein Gespräch in denen ich mich jeweils zu jung, zu unerfahren und irgendwie überfordert gefühlt habe. Und dann beginnt die Lesung heute mit den Worten:

"Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen."

Da war er - einer dieser Momente, in denen man genau weiß, dass Gott selbst diese Worte spricht und zwar direkt und nur für mich. Es geht nicht anders, als die ganze Lesung gebannt zu verfolgen und jedes Wort tief ins Herz einsinken zu lassen. 

"Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit."

Ich? Den anderen ein Vorbild? Wo doch die anderen hier schon so viel länger dabei sind, soviel mehr Erfahrung haben, mehr Lebens- und mehr Klosterjahre hinter sich haben, als ich. Ein Vorbild in meinem Lebenswandel -- da hat wohl jemand zugeguckt die letzten Wochen. In den ersten Wochen hier war mein Lebenswandel alles andere als vorbildlich. Erst seit einigen Tagen ist es besser. Vor allem gestern war eigentlich ein guter Tag und jetzt werde ich durch die Lesung schon zum zweiten Mal darin ermutigt so weiterzumachen. Gestern schon hat jemand hier zu mir gesagt: "Du bist heute schön. Irgendwie viel schöner, als an den anderen Tagen." Tja, unser Körper zeigt eben auf seine Weise den anderen was wir denken und tun. Er ist Ausdruck unserer Seele.

"Lies ihnen eifrig aus der Schrift vor, ermahne und belehre sie, bis ich komme."

Andere ermahnen und belehren. Ihnen Ratschläge geben. Das ist genau das, wofür ich mich gestern nicht bereit gefühlt habe. Und jetzt? Die Aufforderung genau das zu tun. Ich fühle mich erinnert an all die Beispiele in der Heiligen Schrift, in denen sich jemand nicht bereit, nicht befähigt und nicht alt genug fühlte etwas Bestimmtes zu tun, aber Gott es trotzdem verlangte und die nötige Kraft und Hilfe dazu gab. Ein Mose, der meint nicht gut genug reden zu können. Ein Jeremia, der bei seiner Berufung einwendet: "Ich bin noch zu jung". 
Irgendwie ist es ein Charakteristikum, dass Gott die Jugend erwählt. Bei Jakob und Esau wird der Jüngere der Erbe und aus ihm erwächst das Volk Israel. Bei seinen zwölf Söhnen ist es der jüngste, der auserwählt ist am Ende die ganze Familie vor dem Untergang zu retten. David wurde von Samuel zum König gesalbt, obwohl er der jüngste seiner Geschwister war. Gott liebt und erwählt die Jugend. Die Kleinen und Schwachen.

"Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten.
Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden."

In  der Gnade leben, die mir verliehen wurde. Das heißt schonmal, dass mir überhaupt Gnade verliehen wurde. Dass Gott mich gesegnet hat. Und es heißt auch, dass ich keine Angst vor Fortschritten haben darf - aber dazu kommt noch ein eigener Post...

Und den Abschluss der Lesung bildete der folgende Satz:

"Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören."

Puh! Das sind starke Worte! Das ist eine enorme Verheißung und gibt Zuversicht. Auch ich - obwohl ich so jung bin - kann anderen helfen. Ihnen helfen im geistlichen Leben zu wachsen und ihre Beziehung zu Gott zu vertiefen.
Überhaupt - die Beziehung zu Gott zu vertiefen, das war gestern bei dem Gespräch das Wichtigste für mich. Dass ich nicht versuche irgendwie meinem Gegenüber meine Meinung überzustülpen, sondern dass ich vor allem und in allem seine Beziehung zu Gott respektiere.
Denn im Grunde ist es Gott, der uns führt und lehrt - das, was wir füreinander tun können, ist uns gegenseitig die Augen für diese Wahrheit zu öffnen. 
 
 

Samstag, 14. September 2013

Der Friede sei mit dir!

Ich habe Freude daran Sprachen zu lernen und dieser Kurs hier in Rom ist dazu immer eine ausgezeichnete Gelegenheit, da die Teilnehmer aus allen Ecken der Welt zusammenkommen. Da kann man zumindest ein paar Brocken in den verschiedensten Sprachen aufschnappen.
In der hiesigen Kirche ist mein Platz dieses Jahr zwischen einer Vietnamesin und einer Ungarin und eines Tages beschloss ich den Friedensgruß nicht mehr in irgendeiner Sprache zu geben, die die andere vielleicht versteht, sondern zu lernen, wie man es in ihrer Muttersprache sagt. Dann kam mir die Idee den Friedensgruß in allen Sprachen zusammenzutragen, die hier vertreten sind. Die Liste, die dabei entstand umfasst immerhin 14 Sprachen (und das bei 48 Teilnehmern). Ich bin gespannt, ob ihr sie alle erkennt - manche sind etwas schwierig, da sie eigentlich eine andere Schrift haben. Wenn ihr den Friedensgruß noch in einer anderen Sprache kennt, dann dürft ihr gerne ergänzen!


La pace sia con te. 
Vrede zij met jou.  
Chúc binh an.  
   La paix du Christ.
Pokòj z Tobą.    
Selam le anich/anite yihun.  
Peace be with you.  
Paqja qofte me ty.  
Samadanam ninode kude.  
La paz sea contigo.  
Béke veled.  
Pokoj s Tebou.  
A paz esteja contigo.  
Der Friede sei mit Dir.

Freitag, 13. September 2013

Friedenswache auf dem Petersplatz

Blick auf die betende Menschenmenge auf dem Petersplatz
Es war ein echtes Erlebnis. Wir waren schon anderthalb Stunden vor Einlass an den "Schleusen" zum Petersplatz und konnten so tatsächlich Stühle in den allerersten Reihen ergattern. Also fast direkt vor uns der Papst und rund 100.000 Menschen hinter uns. Nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten konnten wir noch rund zwei Stunden lang das Panorama des Petersdomes bei Sonnenuntergang genießen, bevor dann endlich die vierstündige Vigil begann. Es war ein außerordentliches Gefühl bei dieser Gebetswache, die überall rund um den Globus begangen wurde, mitten im Herzen der katholischen Kirche zu sein. Und ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten, wie still es in einer solch großen Menschenmenge sein kann. Es war ein intensives Gebet für den Frieden. Gut vorbereitet - mit schönen Texten, Lieder, Gebeten und Gesten und ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte.

Donnerstag, 5. September 2013

Ein Brief aus Syrien

Seit März 2005 gibt es in Syrien eine kleine trappistische Gründung. Die Schwestern, die dort leben und mit den Menschen leiden haben einen Brief geschrieben, den ich hier in Auszügen zitieren will. Mögen diese Worte viele zu inständigem Gebet für Frieden ermutigen!

Heute fehlen uns die Worte. Es bleiben uns allein die Worte des Psalmisten, die das Stundengebet uns in diesen Tagen in den Mund legt. […]
Wir schauen auf die Leute um uns herum, unsere Arbeiter, die alle irgendwie in der Luft hängen. Sie sind fassungslos: „Sie haben entschieden uns anzugreifen.“ Heute sind wir nach Tartus gegangen. Wir spürten die Wut, die Hilflosigkeit, die Unfähigkeit all dem einen Sinn zu geben. Die Menschen geben ihr Bestes ganz normal weiterzuleben und zu arbeiten. Man sieht Bauern, die gießen, Eltern, die Hefte für die Schule kaufen, die bald beginnt, unwissende Kinder, die nach Spielzeug oder Eis fragen. Man sieht die Armen – so viele von ihnen – die versuchen ein paar Münzen zusammenzukratzen. Die Straßen sind voll von 'inneren' Flüchtlingen. Sie kommen aus allen Teilen des Landes in die einzige Gegend, in der man noch einigermaßen leben kann... Man sieht die Schönheit dieser Berge, das Lächeln auf den Gesichtern, den freundlichen Blick des Jungen, der in die Armee eintritt und uns als Zeichen der Verbundenheit ein paar Kleinigkeiten gibt, die er in der Tasche hat.
Und dann erinnerst du dich daran, dass sie entschieden haben uns morgen zu bombardieren. Einfach so. Weil 'es Zeit ist etwas zu tun', wie es von den wichtigen Männern ausgedrückt wird, die morgen an ihrem Tee nippen werden und im Fernsehen beobachten werden, wie effektiv ihre humanitäre Intervention ist. [...]
Die Menschen schauen gebannt auf den Fernseher und lauschen: alles auf was sie warten ist ein Wort von Obama!
Ein Wort von Obama? Wird der Friedensnobelpreisträger uns mit Krieg bestrafen? Ungeachtet aller Gerechtigkeit, entgegen jedem gesunden Menschenverstand, aller Barmherzigkeit, Demut und Klugheit?
Der Papst hat seine Stimme erhoben, die Patriarchen und Bischöfen haben sich geäußert, unzählige Zeugen haben gesprochen, Analysten und Leute mit Erfahrung und selbst die Regierungsgegner haben ihre Stimme erhoben. Und doch sind wir alle hier und warten – warten nur auf ein Wort des großen Obama? Doch nicht er ist 'der Große', es ist der Böse selbst, der sich in diesen Tagen wirklich aufspielt.
Das Problem ist, dass es so leicht wurde Lügen als noble Gesten, rücksichtslose Eigeninteressen als Suche nach Gerechtigkeit und das Bedürfnis stark zu erscheinen und Macht auszuüben als 'moralische Verpflichtung nicht wegzuschauen' zu verkaufen.
Und trotz aller Globalisierung und den vielfältigen Informationsquellen scheint es, als könne nichts überprüft werden. Es scheint, als gäbe es nicht das kleinste Stückchen Wahrheit. Das heißt, dass sie nicht wollen, dass es Wahrheit gibt, obwohl die Wahrheit in Wirklichkeit existiert und jeder, der ehrlich ist, könnte sie finden. Wenn sie sie nur gemeinsam suchen würden. Wenn sie nicht abgehalten werden würden von jenen, die in den Diensten anderer Interessen stehen.
Es ist etwas faul. Furchtbar faul. Und das Schlimme daran ist, dass die Folgen all dessen auf dem Rücken eines ganzes Volkes ausgetragen werden. Sie zeigen sich im Blut, das unsere Straßen, unsere Augen und unsere Herzen tränkt.
Was nutzen da noch Worte? Alles wurde zerstört. Eine zerstörte Nation, Generationen junger Menschen ausgelöscht, Kinder wachsen Waffen gebrauchend auf, Frauen bleiben allein zurück und werden Opfer vielfältiger Formen von Gewalt. Familien, Traditionen, Häuser, religiöse Gebäude, Monumente die von Geschichte erzählen und sie bewahren – die Wurzeln eines Volkes .. alles zerstört.
Als Christen können wir wenigstens all das der Barmherzigkeit Gottes aufopfern - es vereinen mit dem Blut Christi, das die Erlösung der Welt in allen verwirklicht, die leiden.
Sie versuchen die Hoffnung zu vernichten, aber wir müssen mit all unserer Kraft an ihr festhalten.
All jene, die ein Herz für Syrien (für die Menschheit, für die Wahrheit,...) haben, bitten wir um Geet – überfließendes, von Herzen kommendes, mutiges Gebet.

Trappistinnen von Azeir, Syrien.
29. August 2013