Freitag, 28. Oktober 2016

Alles am richtigen Platz

Endlich. Seit heute darf ich wieder Habit tragen. In Vorbereitung auf das Fest des Patrons der hoffnungslosen Fälle und meine Umkleidung habe ich gestern meine Zelle aufgeräumt und geputzt und meine Haare geschnitten.
Da wurde es gleich etwas luftiger am Kopf.
In der Schneiderei durfte ich ein letztes mal einige Stücke anprobieren und dann meine Ordenskleidung mitnehmen. Das Outfit für heute hängte ich gleich hinter die Tür und hatte sofort das Gefühl, dass der Habit endlich wieder am richtigen Platz hängt.
Da gehört er hin, wenn ich ihn nicht gerade an habe.
Noch viel intensiver wurde das Gefühl von "endlich passt alles" dann heute früh, als ich in voller Montur meine Zelle verließ. Erst im Tragen des Habits wurde mir klar, wie sehr ich ihn vermisst hatte.
Wenn ich sagen soll, wie es mir jetzt am Ende dieses Tages geht, so würde ich - um im Bild der letzten Tage zu bleiben - sagen, dass mein Herz vom Grund des tiefen Brunnens in meine Brust zurück gekehrt ist, dass es singen und spielen will, dass es jauchzt und Gott lobpreist.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

keine einmalige Sache

Mit einem Mal war es nicht getan. Schon am nächsten Tag merkte ich, dass der Klumpen der Gleichgültigkeit wieder in den Brunnen gefallen war. Ich übergab ihn erneut Jesus und goss einen Krug mit Wasser der Freude in den Brunnen. Und bei genauerem "In-mich-hineinhören" fand ich da noch ein paar Brocken, die mir tags zuvor noch nicht bewusst geworden waren. Einer - nicht besonders groß, aber dafür in der Wand verkeilt und nur mit größter Mühe und Seiner Hilfe überhaupt rauszuholen - war ein Stein des Widerwillens und der Abneigung einer anderen Person gegenüber. Als er draußen war ließ ich mir einen Krug der Liebe geben. Nicht den Kleinen und auch nicht den Mittelgroßen. Sondern einen sehr großen Krug. Auch den Fels der Enttäuschung holten wir herauf und begossen mein Herz mit Wasser des Verständnisses.
Es ist wohl eine Arbeit, die mich jeden Tag erwartet. Zu schauen, welche Steine wieder in meinem Brunnen gelandet sind und sie meinem Bräutigam zu übergeben, um mich von Ihm mit Liebe erfüllen zu lassen.

Das mögen alles nur erdachte Bilder sein. Hirngespinste in meinem Kopf. Aber mir helfen sie im Moment gerade sehr dabei, wieder ein normales und positives Gefühlsleben zu entwickeln.

Montag, 24. Oktober 2016

Der Brunnen


Mir war, als läge mein Herz auf dem Grund eines tiefen Brunnens. Verschüttet unter vielen Gesteinsbrocken, die ich hineingeworfen hatte, um die Tiefe aufzufüllen. Um die Leere nicht mehr zu spüren. Und ich spürte sie tatsächlich nicht mehr. Verschüttet unter all dem Unrat spürte mein Herz gar nichts mehr. Keine Sorgen, keine Ungeduld, keine Freude, keine Liebe. Meine Gefühlswelt war zu einer weglosen Ödnis geworden. Einem umfassenden Nichts.
Es war im Gebet, als in mir dieses Bild des Brunnens aufstieg, das mir half zu verstehen. Im Gebet, nachdem ich immer und immer wieder in meiner Hilflosigkeit gefragt hatte: Was soll ich tun? Mein König, was soll ich tun? Mein Freund, was soll ich tun? Mein Geliebter, was soll ich tun?
Und plötzlich gab es etwas, das ich tun konnte. Ich konnte mit IHM gemeinsam den Brunnen leeren und neu füllen, indem ich sagte: "Ich gebe Dir diesen großen schweren Stein der Gleichgültigkeit." Und ich legte ihn IHM in die Hände. Und weiter sagte ich: "Ich nehme von Dir einen Krug voll Wasser der Sehnsucht." Und ich goß ihn in den Brunnen. Weiter sagte ich: "Ich gebe Dir diesen großen schweren Stein der Taubheit und nehme von Dir einen Krug voll Wasser der Freude." - "Ich gebe Dir diesen Klumpen Eis, in den ich mein Herz gepackt habe und nehme von Dir einen Krug voll Wasser des Lebens."
Und Stück für Stück begann ich mein Herz wieder zu fühlen und ich erinnerte mich schließlich daran, wie ein Brunnen eigentlich funktioniert. Er füllt sich von unten her mit Wasser. Er wird gespeist aus den Tiefen. Und tief drin in mir lebt ER. Und ER ist es, der nun den Brunnen, in dem mein Herz liegt, mit dem Wasser Seiner Liebe tränkt.

Samstag, 15. Oktober 2016

O Herr hilf!

Dass ich mich nicht abhängig mache von der Anerkennung anderer.
Dass ich nicht herumposaune, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, nur um Mitleid zu erhaschen.
Dass ich sehe, wenn es anderen schlecht geht und Worte finde, die aufbauen statt weiter runterzuziehen.
Dass ich an meinen Fehlern arbeite, statt über die von anderen zu grübeln.
Dass ich für jeden zu jederzeit ein offenes Ohr und ein offenes Herz habe.
Dass ich mich nicht so wichtig nehme.
Dass sich die Ungeduld in mir in Langmut und nicht in Gleichgültigkeit und Resignation wandelt.
Dass ich mich nicht von Kleinigkeiten runterziehen lasse.
Dass ich nicht so empfindlich bin.
Dass ich nicht gesehen werden will, wenn ich Gutes tue.
Dass ich den anderen liebevoll sein lasse, wie er ist.
Dass ich Dich in allem suche und Deinen Willen erkenne.

Denn ohne Dich schaffe ich das nicht!

Freitag, 14. Oktober 2016

Der Kampf hat begonnen

 
Ich konnte es nie leiden, wenn die Leute gesagt haben: "Das Leben ist ein Kampf." Ich fand immer den Satz "Das Leben ist schön!" angemessener und hilfreicher. Dabei bleibe ich auch. Aber trotzdem habe ich nun den Kampf angenommen. Den Kampf gegen den Bandscheibenvorfall. Ich kämpfe darum wieder einen gesunden und starken Rücken zu haben (natürlich in dem Wissen, dass die LWS eine Schwachstelle bleiben wird).
Ich habe das Gefühl nun in der dritten Phase angekommen zu sein. Die erste Phase, die von April bis Juli ging, war durch einen Lernprozess und die stärksten Schmerzen gekennzeichnet. Ich lernte neu auf meinen Körper zu hören und auf ihn zu achten. Ich wurde ihm gegenüber gehorsam - in dem Sinne, dass ich Pausen einlegte, wenn er es verlangte und mich leicht bewegte, wenn ich spürte, dass es ihm gut tut.
In der zweiten Phase, die bis vor drei Wochen ging, habe ich das Problem vor allem verdrängt und die Schmerzen ignoriert.
Dann begann ich mit Arztbesuchen und wiederaufgenommener Physiotherapie wieder an dem Problem zu arbeiten, hatte aber zunächst keine deutlichen Erfolge. Das lag wohl auch daran, dass ich eher passiv geschehen ließ. Nun habe ich beschlossen, dass es an der Zeit ist härtere Bandagen anzulegen und wirklich zu kämpfen. Mein Wecker klingelt nun eine halbe Stunde früher (also um viertel nach vier), damit ich vor der Vigil MaxxF machen kann. Es sind mir zwar noch nicht ganz alle Übungen wieder möglich, aber da gibt es ja Alternativen. Abends vor dem Schlafengehen mache ich nun ein 30-minütiges Stretching-Programm und zum Chorgebet trage ich eine Bandage, die die LWS stützt und entlastet.
Meine Orthopädin meinte, dass ich in meinem Alter und mit dem Befund (keine deutliche Höhenverringerung der betroffenen Bandscheibe) gute Chancen habe, dass sich der Vorfall zurückbildet.
Das klingt doch, als würde es sich lohnen zu kämpfen! Ich freue mich jedenfalls schon auf die Zeit, in der der Alltag wieder völlig schmerzfrei sein wird.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

eine richtige Schwester

Natürlich bleibe ich nett und freundlich. Aber so langsam muss ich zugeben, bin ich ein bisschen genervt. Durch die Arbeit in der Sakristei komme ich jeden Tag mit Priestern in Kontakt. Und es ist fast jeden Tag ein anderer. Früher oder später kommt dann immer die unvermeidliche Frage: "Sind Sie Postulantin hier?" Vielleicht sollte ich einfach dazu übergehen mit "Ja" zu antworten. Das wäre deutlich einfacher - aber eben nicht die Wahrheit. Die braucht mehr Worte und zieht oft noch mehr Fragen nach sich.

Heute kam die Frage in einer anderen Form, nachdem ich einer Gruppe während der Führung als jüngste Schwester der Gemeinschaft präsentiert worden war. Eine Frau kam auf mich zu und meinte: "Entschuldigen Sie, darf ich Sie mal was fragen?" Sicher. Auch wenn es selten angenehm weitergeht, wenn es so angefangen hat...
Die Frage lautete dann: "Sind Sie eine richtige Schwester?" Wiederum wand ich mich und erklärte meine Situation. Dabei hätte ich eigentlich mit einer Gegenfrage antworten sollen: "Was macht denn für Sie eine richtige Schwester aus?" Denn erst, wenn ich weiß, wann man in ihren Augen eine richtige Schwester ist, kann ich die Frage mit Ja oder Nein beantworten.

Die Frage ging mir nach. Wann bin ich eine richtige Schwester? In rund zwei Wochen, wenn ich den Habit tragen darf? Wenn also jeder von außen sieht: das ist eine Schwester!? Oder in knapp sechs Wochen, wenn ich für drei Jahre Profess ablege? Wenn ich durch ein Gelübde an das Leben als Ordensschwester gebunden bin? Oder ist man erst dann richtige Schwester, wenn man eine Lebensentscheidung getroffen und Ewige Profess abgelegt hat? Oder vielleicht erst nach 12 Jahren im Orden, einer Zeit, die man - wie mir gesagt wurde - braucht, bis man wirklich versteht, was es bedeutet ein monastisches Leben zu führen.
Irgendwie ist für mich keine dieser Antworten wirklich befriedigend. Vielleicht ist die Frage einfach grundsätzlich falsch.
Was meint ihr?
War ich damals als Novizin richtigere Schwester als jetzt?

Sonntag, 9. Oktober 2016

Aufgaben und Dienste


So wie es wohl in den meisten WGs einen Putzplan gibt, so gibt es im Kloster einen Plan für die Dienste. Dieser ist nicht für die Aufgaben, die eine Schwester fest für einen langen Zeitraum übertragen bekommen hat - wie die Betreuung der Gäste, des Klosterladens, das Waschen der Wäsche u.ä. - sondern für die "kleinen" Dienste, die in jeder Woche von jemand anderem übernommen werden. Da gibt es eher praktische Dienste, wie das Spülen und Tischdienen und die liturgischen Dienste, wie Invitatorin und Leserin.
In den ersten Wochen meines Hier-Seins hatte ich immer jeweils einen Dienst und als ich nun zum ersten Mal nicht auf dem Plan stand, war ich enttäuscht. Es fühlte sich an wie weggeschickt-werden. Bis mir dann eine Schwester erklärte in welcher Reihenfolge die Schwestern mit welchem Dienst wann dran sind und dass es ganz normal sei, dass es immer wieder Wochen gebe, in denen man keinen von den Diensten auf dem Plan hat.
Eine Woche später habe ich dann wieder einen Dienst und in der Zwischenzeit gibt es ja andere Möglichkeiten sich einzubringen. So gibt es zum Beispiel einen anderen Plan, auf dem man sich selbst eintragen kann, um Essen zuzubereiten für die Schwestern.
Als feste Aufgabe (neben der Arbeit am Computer) habe ich im Moment vertretungsweise die Sakristei. Eine Aufgabe, die ich auch in meinem alten Kloster schon immer gerne gemacht habe. Besonders liebe ich es in die dunkle Kirche zu kommen - morgens um die erste Kerze zu entzünden und abends, um die Kirchentüre abzuschließen. Den Kirchenraum in Dunkelheit und Stille zu erleben und zu erspüren ist etwas ganz besonderes, das mich jedes Mal aufs neue mit Freude erfüllt und meine Hingabe an Gott stärkt.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Gemeinschaft!

Den Quasi-Ausschluss von gestern nehme ich zurück. Es ging mir einfach wirklich nicht gut, aber am Ende des Tages war ich dann ganz gerührt von der liebevollen Sorge meiner Mitschwestern. Es kamen Schwestern, um mich zu trösten, mir zuzuhören, mir etwas zu essen zu bringen, mich in den Arm zu nehmen.
Das war großartig. Und so ging es mir heute gleich viel besser. Nicht vom Rücken her, aber von der inneren Verfassung. Morgen habe ich einen Termin bei einem sehr guten Physiotherapeuten und nächste Woche beginne ich mit einem Rückenfitness-Kurs.
Irgendwie wird das alles schon wieder.

Dickes Danke an meine Mitschwestern: Ihr seid die Besten!


Mittwoch, 5. Oktober 2016

Am Boden


zerstört ist vielleicht zu viel gesagt, aber gebrochen auf jeden Fall. Der Bandscheibenvorfall bereitet mir nach wie vor Probleme. Die letzten beiden Monate habe ich die Schmerzen einfach so gut es ging ignoriert. Seit ich letzte Woche beim Arzt war und mir gesagt wurde, dass die Reflexe links schlechter sind als rechts und dass dies, wenn man es zu lange nicht behandelt zu dauerhaften Lähmungen führen kann, geht das nicht mehr. Ich nehme die Schmerzen plötzlich wieder viel aufmerksamer wahr und habe das Gefühl,  dass sie von Tag zu Tag schlimmer werden. Die Überweisung zum Neurologen wurde mir mit dem Hinweis gegeben, dass die Nervenleitmessung möglichst bald durchgeführt werden sollte. Ich habe versucht einen Termin zu bekommen. In dieser und umliegenden Städten. Alles was ich zu hören bekam, waren Sätze wie: "dieses Jahr geht nichts mehr" oder "wegen Überfüllung nehmen wir keine neuen Patienten" oder "der früheste Termin, den wir Ihnen geben können, ist im März 17".
Das sind Momente, in denen ich mich dann doch leise frage: "warum bin ich nicht in Bremen geblieben?"
Was mir noch mehr ausmacht, als das erdrückende Gefühl der Ohnmacht angesichts des Ärtztemangels hier, ist der quasi-Ausschluss aus der Gemeinschaft. Zumindest, wenn ich die Anweisung meines Physiotherapeuten befolge, der sagte: "Tu alles, um Schmerzen zu vermeiden." Schmerzen vermeiden bedeutet unter anderem nicht sitzen. Nicht sitzen bedeutet nicht zu Chor und nicht zu Tisch gehen zu können.
Wenn ich daran denke, wie sehr ich das Chorgebet in meiner Zeit "draußen" vermisst habe, und dass ich jetzt nicht hingehen kann, weil diese dämlichen Schmerzen nicht weggehen, dann ist mir nur mehr nach heulen zu mute.


Sonntag, 2. Oktober 2016

Dank mit Flashback

Altar zum Erntedankfest
Ich mag Erntedank. Es ist ein wirklich schönes Fest. Alle werden daran erinnert Danke zu sagen. Und es gibt so viele Gründe zu danken. Die Dankbarkeit ist eine Haltung, die mich - Gott sei Dank! - mein ganzes Leben begleitet hat. Selbst in Phasen, in denen ich nicht an Gott geglaubt habe, war ich dankbar. Heute weiß ich, wem mein Dank in erster Linie gilt. IHM sage ich gerne jeden Tag aufs Neue:

Danke!
Für dieses Leben.
Danke!
Für meine Familie.
Danke!
Für diese Welt.
Danke!
Für meine Freunde.
Danke!
Für meine Talente.
Danke!
Für meine Gesundheit.
Danke!
Für Deine Nähe.

Und ich kann die Liste beinahe endlos fortsetzen...

Mit dem Fest Erntedank verbindet mich seit sechs Jahren noch eine ganz besondere Erinnerung. Es war damals der Tag meiner Einkleidung. Der Beginn meines Noviziates. Der erste Tag als Schwester Maria ... . So kehrten meine Gedanken heute immer wieder zu diesem Tag zurück. Zu einzelnen Momenten. Der Zeremonie im Kapitelsaal. Dem Umkleiden in einem Nebenraum. Dem Abschied von meiner Familie.
Und so schön und wichtig die Erfahrungen während des Noviziates auch waren - ich bin dankbar, dass ich nicht nochmal eines machen muss.


Erinnerungssplitter vom Tag meiner Einkleidung - Führung meiner Familie durch das Kloster