Samstag, 24. Dezember 2016

Frieden

im Herzen. Gewürzt mit Dankbarkeit.
Es ist ok, dass ich liebe. Es ist ok, dass ich Schmerzen habe. Es ist ok, dass ich keine Lust habe. Es ist ok, dass ich so bin, wie ich bin. Mit all meinen Stärken und Schwächen.
Gott liebt mich. Unendlich. Bedingungslos. Ewig.

Das zu spüren und glauben zu können wünsche ich euch allen. Möge tiefer Friede euer Herz erfüllen - an diesem Heiligen Abend und jedem Tag, der kommt.


Donnerstag, 22. Dezember 2016

Nee,

dieses Jahr war einfach nicht meins. Ich bin froh, dass es jetzt bald vorbei ist und hoffe darauf, dass das nächste besser wird.
Erst der Bandscheibenvorfall, dann der schmerzende Zahn. Monatelange Schmerzen. Spritzen, Wurzelbehandlungen, Schmerztabletten und allergische Reaktionen. Und jetzt zum krönenden Abschluss wurde mir der Backenzahn gezogen. Quer durch gerissen. Nicht mehr zu retten. Das "Zahngezogenbekommen" gehört ganz klar zu den Top 3 der unangenehmsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens. Meine Befürchtungen wurden übertroffen - es war grausam. Und auch jetzt - drei Tage danach - bin ich noch nicht drüber weg.
Bis 2016 dachte ich, ich sei noch jung. Jetzt habe ich das Gefühl in diesem Jahr um mindestens zehn Jahre gealtert zu sein...

Samstag, 17. Dezember 2016

Ich strahle

Was für ein schöner Tag!
Nicht nur, weil ich in der Messe am Morgen Klarinette spielen durfte.
Nicht nur, weil mittags bei der Runde mit dem Hund die Sonne schien.
Nicht nur, weil ich ein Kompliment bekam.
Nicht nur, weil wir heute Nachmittag Sport gemacht haben (zwar noch in unserem Provisorium auf dem Speicher - aber ich bin schon voller Vorfreude auf den neu entstehenden Sportraum).

Heute ist ein schöner Tag, denn jetzt ist es soweit: die vierte Kerze brennt. Wir haben vor dem Abendessen wieder im dunklen Refektorium das Rorate gesungen. Und vorher in der Vesper haben die O-Antiphonen begonnen.
Ab jetzt ist der Advent noch intensiver - die Erwartung des Herrn noch größer - die Vorfreude auf Weihnachten noch tiefer.

Wie schön, dass ich heute hier sein darf!


Freitag, 16. Dezember 2016

Eine Tasse Kaffee spendieren

Während meiner Arbeit an der neuen Homepage habe ich eine Seite kennengelernt, auf der Fotos frei zur Verfügung gestellt werden. Wenn einem ein Bild so gut gefällt, dass man es benutzen möchte und herunterlädt, dann wird man ganz dezent gefragt, ob man nicht eine Tasse Kaffee spendieren möchte. Man muss nicht, aber man kann - wenn man mag - ein kleines Dankeschön geben.
Es widerstrebt mir um Geld zu bitten, und doch tue ich es jetzt hier und das nicht einmal besonders dezent. Einfach weil mir das Projekt so sehr am Herzen liegt. Und vielleicht habt ihr ja gar nichts dagegen, mir eine Tasse Kaffe zu spendieren. Vielleicht hat euch schon mal ein Post gefallen, geholfen, zum Nachdenken oder Lachen gebracht oder ihr sagt einfach "Danke für das Teilhabenlassen."
Ich freue mich jedenfalls riesig über jeden einzelnen Euro, der gerne gespendet wird. Das Projekt, um das es geht ist kein Kaffee, sondern die Einrichtung eines Sportraumes im Kloster. Training ist für mich insbesondere seit dem Bandscheibenvorfall echt wichtig und auch allen anderen Schwestern tut es gut, sich zu bewegen.
Wenn ihr die Idee eines Sportraumes im Kloster gut und unterstützenswert findet, dann könnt ihr hier spenden.

Vielen DANK und einen gesegneten vierten Advent!


Mittwoch, 14. Dezember 2016

Lieblingsmomente

Das kennt ihr sicher auch: es gibt so Momente, da geht es einem einfach immer gleich ein bisschen besser - egal wie es einem sonst so gerade geht. Momente, die man einfach gern haben muss. Lieblingsmomente eben. Es gibt solche, die überraschend und unerwartet kommen, aber es gibt auch solche, die fest im Tages- oder Wochenplan drin sind.
Momente, die wie verlässliche gute alte Bekannte einfach immer wieder da sind und einem ein wohliges Seufzen und ein kleines Stück Glück schenken.
Für manche ist das vielleicht der Moment in dem der erste Kaffee am Morgen fertig ist, für andere vielleicht das Über-die-Schwelle-treten beim Verlassen des Arbeitsplatzes am Freitag Nachmittag.
Schon lange ein Lieblingsmoment für mich ist die Komplet am Abend. Ein weiterer absoluter Lieblingsmoment, der mir jedes Mal ein Lächeln entlockt, ist der Psalm 114 in der Vesper jeden Montag.

Am vergangenen Wochenende habe ich in meiner Zelle eine Gebetsecke eingerichtet. Etwas, das ich schon lange vorhatte, aber immer wieder vor mir hergeschoben habe. Und plötzlich wird für mich eine Zeit zu einem Lieblingsmoment, die ich bisher meistens verschlafen habe: die Zeit für die persönliche Meditation vor der Messe am Morgen. Jetzt freue ich mich schon während der Vigil und Laudes auf diese Zeit des intimen Verweilens bei Gott.
Schön, dass es diese Momente gibt!


Dienstag, 13. Dezember 2016

ein besonderer Ort

Die drei Fenster in der Morgensonne

Helfta wächst mir mehr und mehr ans Herz. Als ich hier ankam, dachte ich noch: "Ich liebe es hier zu sein. Nicht in erster Linie wegen des Ortes oder der Gemeinschaft, sondern vor allem weil ich das Leben hier liebe." Ich liebe den monastischen Rhythmus des Tages, die Ausrichtung auf Gott, das Zeit-haben fürs Gebet, das Leben in Gemeinschaft, die vielfältigen Herausforderungen jeden Tag. Es gibt einfach kein Leben, das ich lieber leben würde, als das klösterliche.

Sonnenaufgang von meinem Fenster aus gesehen

In den letzten Wochen ist mir dann immer wieder bewusst geworden, dass auch meine Liebe zu diesem Ort stetig zunimmt. Die Atmosphäre morgens in der Kirche, bevor der Tag beginnt und wenn nur zwei Kerzen den Kirchenraum schwach erleuchten. Der Himmel über Helfta, der mir jeden Tag aufs neue den Atem raubt. Die Kirchenfenster, durch die am Vormittag das Sonnenlicht fällt und die schon hier waren, als die heilige Gertrud hier lebte. Der Reiher, der täglich in unseren Teichen fischt. Das Refektorium, das schlicht und schön ist. Die Krypta aus der man immer wieder wie aus dem Inneren der göttlichen Gebärmutter hervortritt ans Licht...

Blick aus der Krypta in den Kirchenraum

Helfta ist ein besonderer Ort, den ich mittlerweile fest in mein Herz geschlossen habe. Auf den ersten Blick ist es nicht der schönste Ort, an dem ich je war (im Ernst: wie konnte man sich für diese Farbe beim Verputzen der Häuser entscheiden?), aber je länger ich hier bin, desto mehr erspüre ich die kostbare Einzigartigkeit dieses Ortes.




Mittwoch, 7. Dezember 2016

berühmt?

Eineinhalb Wochen ist es jetzt her. Da tauchte in einer What's app-Gruppe ein Foto von einem Zeitungsartikel auf. Jemand schrieb dazu: "Die Anne ist berühmt."  Ob man das so sagen kann, weiß ich nicht - ich denke eher nicht. Auf jeden Fall ist Berühmtheit nichts, wonach ich je gestrebt hätte.
Seit letztem Wochenende ist der Artikel auch online zugänglich. An dieser Stelle nun eine kurze Bestandsaufnahme dazu aus meiner Sicht.
Sehr gefreut habe ich mich über die unerwartet netten Begegnungen, die mir dank des Artikels zuteil wurden. Sowohl die Journalistin, als auch die Fotografin sind junge Frauen, die mir auf Anhieb sehr sympathisch waren. Die Gespräche mit ihnen haben mir große Freude bereitet und es wäre schön sie irgendwann mal wiederzusehen.


Am Tag der Veröffentlichung gingen die Zugriffszahlen auf diesen Blog steil nach oben und ich möchte die Gelegenheit nutzen hier ganz offiziell alle neuen Leser herzlich Willkommen zu heißen. Schön, dass ihr da seid und viel Spaß beim Mitlesen!


Seit dem Erscheinungstag wurde ich nun von unterschiedlichsten Seiten kontaktiert. Darunter waren Anfragen für weitere Artikel, für Bücher und von bekannten Fernsehsendern. Irgendwie fühlt sich das komisch an. Es ist mein Leben - das für mich normalste von der Welt - und plötzlich meinen alle, dass es soo interessant sei. Naja. Ich weiß nicht.
Für den Augenblick reicht mir der eine Artikel jedenfalls. Mal sehen, wenn sich jemand von all jenen, die sich jetzt gemeldet haben, in zwei bis drei Jahren nochmal meldet, dann sage ich vielleicht Ja.

Montag, 5. Dezember 2016

Du richtest mich wieder auf

Garade als ich innerlich einen Schalter umgelegt hatte und mir sagte: "Na gut, dann gehe ich eben wieder", gabst Du mir folgende Worte zu lesen:

Du Volk auf dem Berg Zion, das in Jerusalem wohnt, du brauchst jetzt nicht mehr zu weinen. Der Herr ist dir gnädig, wenn du um Hilfe schreist; er wird dir antworten, sobald er dich hört.
Auch wenn dir der Herr bisher nur wenig Brot und nicht genug Wasser gab, so wird er, dein Lehrer, sich nicht mehr verbergen. Deine Augen werden deinen Lehrer sehen,
deine Ohren werden es hören, wenn er dir nachruft: Hier ist der Weg, auf ihm müsst ihr gehen, auch wenn ihr selbst rechts oder links gehen wolltet.
Dann spendet er Regen für die Saat, die du auf den Acker gesät hast. Das Korn, das auf dem Acker heranreift, wird üppig und fett sein. Auf weiten Wiesen weidet dein Vieh an jenem Tag.
Die Rinder und Esel, die dir bei der Feldarbeit helfen, bekommen würziges Futter zu fressen, das man mit Schaufel und Gabel gemischt hat...
Zu der Zeit, wenn der Herr die Leiden seines Volkes heilt und seine Wunden verbindet, wird das Licht des Mondes so hell sein wie das Licht der Sonne, und das Licht der Sonne wird siebenmal so stark sein wie das Licht von sieben Tagen. (aus Jesaja)

Das traf mich mitten ins Herz und klang nach. Tagelang.
Und dann - als ich gerade schmerzhaft einsehen musste, dass ich verloren hatte - dass ich nicht schaffte, was ich versuchte, da fielen mir diese Worte von M. Assumpta in die Hände:

1000 mal 1000 Meilen
hinter dem großen Wortwald,
wenn du den bittren Tränenstrom 
durchwatet hast,
gewagt hast
den Sprung
mitten in die Flamme hinein,
wenn deines göttlichen Arztes Skalpell 
den Knochen erreicht hat,
wenn du angekommen bist
im Lande Namenlos
todmüde
und leer von eigener Kraft,
dann findest du den Geliebten,
der schon ewigkeitenlang
ausschaut nach dir.
Und Seine Umarmung
ist so süß,
dass du erschrickst,
weil nie, ach nie
dein Herz
sich solche Süße
erträumte.
Du stirbst fast daran.
Du stürbest,
hielte dich nicht 
der Geliebte.

Nicht, dass ich schon sagen könnte: genau so war es - das nicht. Aber diese Worte schenkten mir neue Hoffnung und Kraft.

Und heute kann ich sagen:

Wir standen auf der Klippe. Ich erzählte dir von dem Gleitschirm und du nahmst es gelassen zu Kenntnis und antwortetest auf meine Frage wann ich springen soll mit dem Wort: "Sofort!"
Da bekam ich eine Panikattacke und du - du sahst mich an und sahst mich wirklich, du nahmst meine Hand und sagtest: "Lass den Gleitschirm da. Komm mit - wir schauen, ob wir nicht gemeinsam einen anderen Weg zu unserem Ziel finden."



Sonntag, 4. Dezember 2016

verloren

Ich habe gekämpft wie ein Löwe. So dachte ich zumindest. Gekämpft darum meinen Prinzipien treu zu bleiben. Darum in der Liebe und der Freude zu bleiben. Aber ich muss einsehen, dass ich kein Löwe bin. Allenfalls ein kleines, mickriges und schwaches Katzenbaby. Ich habe verloren.


Ich habe in den beschriebenen Taschen nicht genug Kraft gefunden. Und auch die anderen Taschen, die ich überprüft habe - die der Neugier und die mit der Aufschrift "ist doch nur für eine bestimmte Zeit" haben nichts hilfreiches zu Tage gefördert.
So blieb mir nichts übrig, als eine Mauer um mein Herz zu bauen, bevor es gänzlich zu Grunde geht. Das hat mich erstmal wieder ein bisschen atmen lassen.
Aber heute muss ich einsehen, dass ich nicht einmal dazu in der Lage war, eine Mauer zu bauen. Das, was ich für eine Mauer hielt, ist allenfalls ein Stück Leder, das ich um mein Herz gewickelt habe, durch das hindurch noch immer zu viel zu spüren ist, als dass es nicht mehr weh tun würde.

Aber vielleicht ist ja eine gute Nachricht, dass ich nicht einmal eine Mauer bauen kann. Bedeutet das nicht, dass die Liebe einfach zu stark ist, als dass sie sich einfach wegsperren lassen würde?

Eins kann ich jedenfalls jetzt schon sagen: ich habe viel aus dieser Niederlage gelernt.

Samstag, 3. Dezember 2016

Spring!


Wir stehen an einem Abgrund und du sagst zu mir: "Spring! Wir sehen uns dann unten". Und ich sage: "Aber der Sprung wird mich zerstören". Und du entgegnest: "Glaubst du denn nicht, dass dir im Fallen Flügel wachsen werden?" Nein. Das glaube ich nicht. Und wenn ich das Vertrauen auf die unterwegs wachsenden Flügel in mir nicht finden kann und nicht zu tun, was du sagst keine Option für mich ist und du bei deinem "Spring!" bleibst, dann habe ich keine andere Wahl, als mir vor dem Sprung einen Gleitschirm umzuschnallen. Dieser wird mich davor bewahren beim Aufprall zu Zerschellen. Aber er wird mich auch weit von dir forttragen, denn ich bin keine gute Fliegerin.

Freitag, 2. Dezember 2016

Ich habe Angst


Angst davor, dass meine Seele daran zerbricht. Erst in Brocken, dann zu Bröseln und schließlich zu Staub, der vom kleinsten Windhauch davon geweht wird.
Aber wahrscheinlich zeugt diese Angst nur von meinem mangelhaften Gottvertrauen. Ich habe immer gedacht, dass ER meine Seele heil bewahren wird. Die tiefen Risse, die sie nun in den letzten Monaten bekommen hat, haben dieses Vertrauen stark erschüttert.
Vielleicht war es falsch zu erwarten, dass ER meine Seele beschützt. Vielleicht muss ich neu lernen IHM zu vertrauen - darauf zu vertrauen, dass ER alle Risse und Brüche, die ER zulässt eines Tages heilen wird.